Zürich, 16. Apr (Reuters) - Im Vorfeld der Aktionärsversammlung im Mai spitzt sich der Machtkampf bei der Online-Apotheke DocMorris zu. Der Verwaltungsrat wirft dem polnischen Großaktionär CEPD in seiner Einladung vom Donnerstag vor, eine feindliche Übernahme durch die Hintertür anzustreben. Das Gremium drängt die Aktionäre zur Ablehnung der Anträge des Investors, um die Unabhängigkeit des Unternehmens zu schützen.
Der von Jacek Szwajcowski kontrollierte Investor CEPD, der im Frühjahr 2025 eingestiegen war, hält seit April rund 15 Prozent der Anteile und ist somit der größte Aktionär von DocMorris. Der Großaktionär will bei der Generalversammlung vom 12. Mai früheren Angaben zufolge drei eigene Vertreter in den Verwaltungsrat wählen lassen und durch die Absetzung von Verwaltungsratspräsident Walter Oberhänsli den Vorsitz übernehmen.
Der Rivale von Redcare Pharmacy warnte, Szwajcowski wolle die Kontrolle über das Unternehmen erlangen, ohne den übrigen Anteilseignern ein reguläres Übernahmeangebot mit entsprechendem Preisaufschlag zu unterbreiten. CEPD habe ein Angebot für einen einzelnen Sitz im Verwaltungsrat mehrmals ausgeschlagen. Zudem wirft DocMorris CEPD vor, trotz wiederholter Nachfragen keine Angaben zu seinen strategischen Absichten oder seinen Verpflichtungen gegenüber Finanzierungspartnern und Kreditgebern zu machen. In einer Stellungnahme hieß es, CEPD wolle die Governance verbessern, das Kapital diszipliniert einsetzen und DocMorris zu einem profitablen europaweiten Online-Anbieter von Gesundheitsprodukten machen. "CEPD plant keine Übernahme von DocMorris."
Der Verwaltungsrat von DocMorris schlägt eine teilweise personelle Erneuerung vor, in dem er drei von sechs Sitzen neu besetzen will. Gleichzeitig verwies DocMorris auf ermutigende Geschäftszahlen für das erste Quartal 2026. An der Börse legten die Aktien mehr rund neun Prozent zu. Der eingeschlagene Kurs zeige Wirkung, weshalb Kontinuität an der Unternehmensspitze geboten sei.
CEPD hatte den Vorschlag, den Verwaltungsrat neu zu besetzen, im März eingebracht, nachdem das Unternehmen seine mittelfristigen Prognosen gekappt hatte.
(Bericht von Marleen Kaesebier, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


















