Die militärischen Spannungen unter Beteiligung des Irans versetzen einer ohnehin bereits geschwächten Branche einen weiteren Schlag. Seit vielen Monaten leidet der Luxussektor unter der Zurückhaltung der sogenannten „aspirational consumers“ – jener Kunden, die sich nur gelegentlich Luxus gönnen und nun mit dem Inflationsdruck zu kämpfen haben.

Zudem bremsen die Grenzen der jüngsten Preiserhöhungen und die Verlangsamung des nach wie vor entscheidenden chinesischen Marktes das Absatzvolumen nachhaltig, ungeachtet der Resilienz der ultrareichen Klientel.

In Paris gehören Kering (-0,8 %) und LVMH (-1,2 %) zu den deutlichsten Rückgängen im CAC 40, während Hermès sich stabil behaupten kann. Andernorts in Europa verliert Burberry 1,3 %.

Strategische Achse Dubai-Doha gelähmt

Obwohl das Jahr 2026 dank der Zahlen zum chinesischen Neujahrsfest unter guten Vorzeichen begonnen hatte, wurde dieser Schwung durch die Operation „Epic Fury“ jäh gestoppt, die zahlreiche Flugzeuge in Dubai, Doha und Saudi-Arabien am Boden hielt.

Diese Blockade beeinträchtigt nicht nur den regionalen Absatz, sondern wirkt sich auch auf die Ausgaben mittelöstlicher Kunden im Ausland aus.

Da Dubai als Drehkreuz zwischen Europa und Asien fungiert, dürften auch die Touristenströme aus Asien in Richtung des alten Kontinents darunter leiden.

Doppelter „Schereneffekt“ befürchtet

In einer heute Morgen veröffentlichten Notiz erinnern die Analysten von Bernstein daran, dass der Nahe Osten zu einer Schlüsselregion geworden ist, die etwa 6 % des weltweiten Umsatzes ausmacht. Er ist mittlerweile der sechstgrößte Markt weltweit hinter Europa (30 %), Amerika (28 %), Asien (15 %), China (12 %) und Japan (9 %).

Bei Konzernen wie LVMH, Richemont oder Kering liegt der Anteil sogar noch höher (ca. 8 %).

Oddo BHF sorgt sich derweil weniger um die direkten Auswirkungen der Feindseligkeiten als vielmehr um die indirekten Folgen eines dauerhaften Anstiegs der Energiepreise. Das Analysehaus befürchtet einen doppelten „Schereneffekt“: einerseits bei der Mittelschicht, deren Kaufkraft durch steigende Benzinpreise schwinden könnte, und andererseits bei den Ultrareichen, die von fallenden Finanzmärkten betroffen sind.

Perspektiven weiterhin ungewiss

Trotz der von Oddo als solide eingeschätzten Fundamentaldaten mit einem erwarteten Branchenwachstum von rund 4 % im ersten Quartal 2026 dominiert die Unsicherheit.

Bernstein betont, dass bei einem Andauern des Konflikts das gesamte Ökosystem betroffen wäre – von sinkenden Reisezahlen (die 30 % der Luxusverkäufe ausmachen) über schwindendes Konsumentenvertrauen und Terrorangst bis hin zu einem erhöhten Rezessionsrisiko.

Das Urteil des Marktes ist jedenfalls eindeutig: Seit Jahresbeginn verzeichnet der Index STOXX Europe Luxury 10 ein Minus von 16 %, während der breite Index STOXX Europe 600 noch ein leichtes Plus von 1,2 % halten kann.