Lufthansa kündigt eine beschleunigte Umsetzung ihrer Strategie an, um auf den deutlichen Anstieg der Kerosinpreise und die sozialen Verwerfungen im Konzern zu reagieren. Kernpunkt ist ein umfassendes Kapazitätsreduktionsprogramm über das gesamte Streckennetz hinweg.

Bereits im Sommer sollen die 27 Flugzeuge von Lufthansa CityLine aus dem Betrieb genommen werden. Die Einheit gilt als defizitär und betreibt Flugzeuge am Ende ihres Lebenszyklus. Im Herbst folgt die Stilllegung der letzten vier Airbus A340-600 sowie von zwei Boeing 747-400, womit die Langstreckenflotte um insgesamt sechs Maschinen reduziert wird. Eine dritte Phase ist für den Winter 2026/2027 vorgesehen und betrifft das Kurz- und Mittelstreckennetz der Kernmarke, wo Kapazitäten im Umfang von fünf Flugzeugen gestrichen werden sollen.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Treibstoffverbrauch deutlich zu senken und insbesondere den nicht abgesicherten Anteil der Kerosinbeschaffung – derzeit rund 20 % – um etwa zehn Prozentpunkte zu reduzieren.

Nach Unternehmensangaben ist Lufthansa bis Dezember 2026 zu 77 % gegen Preisschwankungen abgesichert, und zwar zu einem Preis von 846 US-Dollar je Tonne.

Parallel treibt der Konzern die Modernisierung seiner Flotte voran und will neun zusätzliche Airbus A350-900 an Discover Airlines übertragen. Zudem werden die Kostensenkungsziele im administrativen Bereich verschärft, ergänzend zu dem bereits angekündigten Stellenabbau von 4.000 Arbeitsplätzen bis 2030.

„Angesichts steigender Kosten und geopolitischer Unsicherheiten ist dieses Programm unumgänglich“, erklärte Finanzvorstand Till Streichert und betonte die Notwendigkeit, insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit im Kurz- und Mittelstreckensegment zu stärken.

Sozialkonflikt verschärft sich

Gleichzeitig spitzen sich die sozialen Spannungen weiter zu. Die Pilotengewerkschaft VC kritisierte, dass Lufthansa und Lufthansa Cargo das vorgeschlagene Schlichtungsverfahren zur Beilegung der seit Wochen andauernden Konflikte abgelehnt hätten.

Nach Angaben der Gewerkschaft lag ein strukturierter Lösungsansatz auf dem Tisch. Die Arbeitgeber hätten jedoch weitreichende Vorbedingungen gestellt, darunter die Forderung, nicht nur die aktuellen Konflikte, sondern auch bestehende, teils langfristige Tarifverträge neu zu verhandeln.

Aus Sicht der VC ist die Ablehnung der Mediation ein klares Signal: „Wer ein solches Angebot zurückweist und gleichzeitig keine verhandlungsfähigen Vorschläge unterbreitet, nimmt zumindest eine Eskalation des Konflikts in Kauf, anstatt aktiv zu seiner Entschärfung beizutragen.“

Auch Analysten zeigen sich zunehmend besorgt. AlphaValue stuft die angespannten Arbeitsbeziehungen als erhebliches strukturelles Risiko ein und bekräftigt seine negative Einschätzung für die Aktie.