Citi hat die Lufthansa-Aktie von „Kaufen“ auf „Verkaufen“ herabgestuft, das Kursziel jedoch aufgrund des jüngsten Rückgangs der Kerosinpreise von 8,20 auf 8,70 Euro angehoben. Nach Ansicht der Analysten ist die Bewertung der Lufthansa nach der kräftigen Kurserholung weniger attraktiv geworden, während sich die Fundamentaldaten zunehmend von denen der International Airlines Group (IAG) unterscheiden, die Citi weiterhin als Favoriten im europäischen Luftfahrtsektor sieht.

Zudem verweist die Bank auf weiter sinkende Gewinnschätzungen, da auf bestimmten Langstreckenverbindungen der Wettbewerbsdruck wieder zunimmt. Hinzu kommen Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Arbeitsbeziehungen, die zwischen dem zweiten Halbjahr 2026 und 2027 zu weiteren kostspieligen Störungen führen könnten. Citi erwartet mittelfristig eine operative Marge von 6 % und liegt damit deutlich unter dem Unternehmensziel von 8 % bis 10 %.

UBS hebt hervor, dass Lufthansa zu den Unternehmen mit der stärksten Verbesserung des sogenannten „Crowding Score“ gehört – einem Indikator für die Entwicklung der Anlegerpositionierung. Innerhalb eines Monats verzeichnete die Fluggesellschaft gemeinsam mit easyJet den stärksten Zuwachs in Richtung der am stärksten auf der Long-Seite gehaltenen Werte. Auch über drei Monate zählt Lufthansa neben Kuehne+Nagel und ACS zu den Unternehmen mit der größten Verbesserung dieses Indikators.

Die Analysten betonen jedoch, dass die Aktie insgesamt weiterhin wenig gefragt ist. Im Ranking der absoluten Crowding-Werte liegt Lufthansa nach wie vor nahe dem Bereich der am stärksten leerverkauften Titel („crowded short“). UBS stellt zugleich klar, dass es sich dabei ausschließlich um einen Indikator für Kapitalflüsse und Anlegerpositionierungen handelt und nicht um eine fundamentale Einschätzung der operativen Perspektiven des Unternehmens.

Morgan Stanley bestätigt schließlich die Einstufung „Untergewichten“ für Lufthansa und senkt das Kursziel auf 7,10 Euro von zuvor 9,98 Euro. Daraus ergibt sich ein Abwärtspotenzial von rund 29 %. Nach Einschätzung der Investmentbank reduziert Lufthansa ihre Kapazitäten für das dritte Quartal 2026 unter den traditionellen Fluggesellschaften am stärksten – um 2 % gegenüber den Prognosen von vor acht Wochen. Diese Angebotsdisziplin wird zwar als positiv für den Sektor bewertet, spiegele aber zugleich ein schwierigeres Marktumfeld für den Konzern wider.

Darüber hinaus sieht Morgan Stanley das Risiko, dass Lufthansa ihre Ziele bei den Stückkosten ohne Treibstoffkosten (CASK ex Fuel) verfehlen könnte, da das Kapazitätswachstum schwächer ausfällt als erwartet. Die Analysten bevorzugen zwar klassische Netzwerk-Airlines gegenüber Billigfluggesellschaften, sehen jedoch IAG und nicht Lufthansa als attraktivsten Wert im Sektor.

Langfristig bewertet Morgan Stanley Lufthansa mit Bewertungsmultiplikatoren unter dem historischen Durchschnitt, um den kurzfristigen Risiken bei den Stückerlösen (RASK), den Treibstoffkosten und den Geschäftsaussichten Rechnung zu tragen. Zu den positiven Faktoren zählen eine kräftigere Erholung des Geschäftsreiseverkehrs, eine schnellere Margenverbesserung infolge der Restrukturierungen sowie das Wachstum von Lufthansa Technik. Als größte Risiken gelten eine schwächere Nachfrage im Freizeitreisesegment, zunehmender Wettbewerbsdruck durch chinesische Fluggesellschaften auf Asien-Strecken sowie eine Abschwächung des privaten Konsums.