Der chinesische Einzelhandelssektor war Anfang 2025 zweigeteilt. Vereinfacht gesagt: Die Mittelklasse, die sich gerne mal etwas gönnt, spürte zunehmend den finanziellen Druck. Im Gegensatz dazu zeigten sich die Großverdiener in Kauflaune und gaben mehr aus als je zuvor.

Offiziellen Angaben des National Bureau of Statistics (NBS) zufolge belief sich der gesamte Einzelhandelsumsatz mit Konsumgütern im ersten Halbjahr 2025 auf 24,55 Billionen CNY, ein Plus von 5% im Jahresvergleich. Während die Nachfrage im Massenmarkt nachließ, florierte der „High-End“-Konsum. Die Einzelhandelsumsätze mit Gold, Silber und Schmuck stiegen um 11,3%.

Die Ultrareichen setzten verstärkt auf „wertbeständigen Luxus“. Gemeint ist: Gold. Ein riesiger Erfolg für Laopu Gold aus Peking. Da sich das Unternehmen auf hochwertige, antik anmutende Goldprodukte konzentriert, die eher als Investment denn als bloßer Schmuck gelten, wurde es zur ultimativen Zuflucht für elitäre Käufer.

Forschungsdaten von Frost & Sullivan zeigen: Ganze 77,3% der Laopu-Gold-Kunden kaufen auch bei Branchengrößen wie Hermès und Cartier ein. Diese Überschneidung unterstreicht die Charakteristika des High-End-Konsums und bestätigt die Premium-Positionierung der Marke.

Auch die Finanzen von Laopu Gold glänzen—Wortspiel beabsichtigt.

Reines Gold

Innerhalb nur eines Jahres stieg der Umsatz von 3,52 Mrd. CNY im ersten Halbjahr 2025 auf gewaltige 12,35 Mrd. CNY—das entspricht einem Plus von 251% gegenüber dem Vorjahr, wie aus dem Zwischenbericht 2025 hervorgeht. Bemerkenswert ist dabei ein flächenbereinigtes Wachstum von 200,8%.

Auch das Ergebnis konnte kräftig zulegen: Der bereinigte Nettogewinn schoss um 290,6% auf 2,35 Mrd. CNY nach oben, verglichen mit noch 0,60 Mrd. CNY im ersten Halbjahr 2024. Das zeigt, dass die Strategie, margenstarkes Gold zu Festpreisen in luxuriösen Einkaufszentren zu verkaufen, aufgeht.

Durch die Konzentration auf 24-karätiges Gold zu Festpreisen, unabhängig vom schwankenden Rohstoffmarkt, hielt das Unternehmen seine Marge selbst in turbulenten Zeiten bei über 38%. Der Fokus auf exklusive Offline-Boutiquen zahlt sich aus und sorgt für 86,9% des Gesamtumsatzes.

Patente fest im Griff

Inzwischen blickt das Unternehmen über Chinas Grenzen hinaus. Mit einer neuen Boutique im Marina Bay Sands in Singapur nimmt Laopu Gold nun auch vermögende Kunden weltweit ins Visier.

Doch nicht nur die Top-Lagen ziehen an—es sind vor allem die schwer kopierbaren Produkte, die die High-End-Kundschaft immer wieder zurückkehren lassen. Bis zum 30. Juni 2025 hat Laopu Gold mehr als 2.100 Originaldesigns entwickelt. Diese sind durch ein großes Portfolio geschützt: 1.505 Urheberrechte, 273 nationale Patente in China und 246 internationale Patente sichern das geistige Eigentum gegen Nachahmer ab.

Das goldene Zeitalter?

Diese Strategie zahlt sich auch für Investoren aus. Die Aktie von Laopu Gold notiert bei 633,8 CNY und ist in den vergangenen zwölf Monaten bereits um 44,95% gestiegen, was einer Marktkapitalisierung von 112 Mrd. CNY entspricht.

Trotz des starken Kursanstiegs erscheint die Aktie aktuell „günstiger“ als üblich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2026 liegt bei 16,5, verglichen mit dem historischen Zweijahresdurchschnitt von 23,4.

Auch die Analysten zeigen sich überzeugt: Von 19 Analysten vergeben 18 eine Kaufempfehlung. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 889,18 CNY, was einem weiteren Aufwärtspotenzial von 40,20% entspricht. Zudem profitieren Anleger von einer Dividendenrendite von 3,64% für 2026, die Prognosen zufolge 2027 auf 4,51% steigen soll.

Die (Premium-)Preisfalle

Doch die größte Stärke birgt auch das größte Risiko: Laopu Gold ist extrem abhängig von Chinas Ultrareichen. Kühlt der Luxusmarkt ab, könnte das Umsatzwachstum leiden. Außerdem setzt das Unternehmen voll auf Festpreis-Gold. Bleiben die Preise stabil, ist das profitabel—doch bei heftigen Preisschwankungen könnten Kunden zögern.

Hinzu kommt: Im Vergleich zu Branchengrößen wie Cartier gilt Laopu Gold immer noch als „Neuling“ und muss kräftig investieren, um dauerhaft relevant zu bleiben.