Der US-Markt für Außenwerbung (Out-of-Home, OOH) erreichte 2025 laut OAAA mit Einnahmen von 9,46 Milliarden Dollar ein Rekordniveau (+3,6 % gegenüber dem Vorjahr) und verzeichnete das 19. Quartal in Folge Wachstum. Der strukturelle Vorteil liegt auf der Hand: Physische Werbung kann weder geblockt noch übersprungen oder durch Algorithmen ausgeblendet werden. Digitale Außenwerbung (DOOH) macht inzwischen 36,3 % der OOH-Erlöse in den USA aus und wuchs 2025 um 10,5 %. Weltweit beläuft sich der DOOH-Markt 2026 auf 20,2 Milliarden Dollar und dürfte bis 2031 auf 33 Milliarden Dollar steigen, was einer jährlichen Wachstumsrate von 10,3 % entspricht. Besonders dynamisch entwickelt sich programmatische DOOH – also der automatisierte, in Echtzeit gesteuerte Einkauf von Werbeflächen –, mit einem Wachstum von 22,6 %.

Technologiekonzerne stellen inzwischen 28 % der 100 größten OOH-Werbekunden – darunter Apple, Amazon, Netflix, Google und OpenAI. Marken, die online groß geworden sind, investieren zunehmend in physische Präsenz. Auch Finanzdienstleister, Versicherungen und Telekommunikationsunternehmen verzeichneten 2025 zweistellige Zuwachsraten im OOH-Bereich. Die Attraktivität des Mediums ist strukturell bedingt: kein Preisdruck pro Klick, keine Algorithmen, keine überfüllten Feeds – ein klarer Vorteil in einem zunehmend gesättigten digitalen Werbemarkt. Gleichzeitig wirkt Regulierung als natürliche Eintrittsbarriere: Der Highway Beautification Act sowie lokale Bauvorschriften begrenzen das Angebot und verlangsamen die Genehmigung digitaler Werbeflächen, was etablierte Anbieter schützt.

Mit 159.003 Plakatflächen verfügt Lamar über mehr als die zehn größten Wettbewerber zusammen – Outfront Media kommt auf 39.556, Clear Channel auf 34.953 – und vereint rund 30 % der US-Werbeerlöse im Billboard-Segment auf sich. Strategisch entscheidend ist die geografische Ausrichtung: Über 85 % der Einnahmen stammen außerhalb der zehn größten Werbemärkte (DMAs), wo Mietkosten niedriger und Kundenbeziehungen stabiler sind. Kein einzelner Kunde steht für mehr als 2 % des Umsatzes. Das Wachstum basiert auf drei Hebeln: der Digitalisierung bestehender Flächen (mehr als 300 Umrüstungen pro Jahr mit dem Vier- bis Sechsfachen an Erlösen pro Fläche; bereits 33 % der Billboard-Umsätze stammen von nur 3,5 % des Bestands), gezielten Übernahmen (seit 2014 rund 3,2 Milliarden Dollar investiert, zuletzt Cleveland Outdoor Advertising im Februar 2026) sowie programmatischen Vertriebslösungen – Lamar verkaufte 2025 seine Beteiligung an Vistar Media mit einem Gewinn von 68,6 Millionen Dollar.

Die Nettoumsätze stiegen von 2,111 Milliarden Dollar im Jahr 2023 auf 2,266 Milliarden Dollar im Jahr 2025 (+7,3 % kumuliert), während das EBITDA im gleichen Zeitraum von 985,7 Millionen auf 1,058 Milliarden Dollar zulegte. Prognosen sehen die Erlöse 2026 bei 2,366 Milliarden Dollar (+4,4 %), 2027 bei 2,455 Milliarden (+3,8 %) und 2028 bei 2,588 Milliarden Dollar (+5,4 %). Das EBITDA dürfte bis 2028 auf 1,228 Milliarden Dollar steigen, was einer Margenerholung auf 47,5 % entspricht – über dem Niveau von 2023 (46,9 %). Die Investitionen (CapEx) erhöhten sich von 125,3 Millionen Dollar im Jahr 2024 auf 180,8 Millionen Dollar im Jahr 2025 (+44 %), davon entfielen 90,9 Millionen auf Digitalisierung. Dies belastete den freien Cashflow, der von 735,9 Millionen auf 696,6 Millionen Dollar zurückging. Mit dem Auslaufen dieser Investitionsphase dürfte sich CapEx bis 2028 auf 97 Millionen Dollar normalisieren und der freie Cashflow auf 1,09 Milliarden Dollar steigen – ein Plus von 33 % gegenüber 2027.

Der Nettogewinn stieg von 361,5 Millionen Dollar im Jahr 2024 – belastet durch eine nicht zahlungswirksame Anpassung von Rückbauverpflichtungen (ARO) in Höhe von 159,7 Millionen Dollar – auf 586,8 Millionen Dollar im Jahr 2025, unterstützt durch den einmaligen Gewinn aus dem Vistar-Verkauf. Das verwässerte Ergebnis je Aktie lag bei 3,52 Dollar (2024) und 5,77 Dollar (2025) und dürfte 2026 bei 5,67 Dollar liegen, bevor es 2027 auf 6,09 Dollar und 2028 auf 7,18 Dollar steigt. Die Kapitalrendite (ROA) verbesserte sich von 5,5 % auf 8,68 % und dürfte bis 2028 auf über 10 % klettern – deutlich über dem Branchenschnitt von rund 5,2 %. Die Eigenkapitalrendite (ROE) lag 2025 bei 57 % und dürfte weiter steigen. Die Nettoverschuldung erhöhte sich von 3,161 Milliarden Dollar auf 3,354 Milliarden Dollar, soll jedoch bis 2028 auf 2,899 Milliarden zurückgehen, während der Verschuldungsgrad (Debt/EBITDA) von 3,17x auf 2,36x sinkt. Die Dividende steigt von 6,45 Dollar im Jahr 2025 auf voraussichtlich 6,97 Dollar im Jahr 2028 und folgt damit einem langfristigen Wachstum von rund 9 % jährlich.

Die Bewertung bewegt sich im historischen Rahmen: Das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA liegt bei 15,3x (Median: 15,5x), während EV/Umsatz von 7,14x (2025) auf 6,41x (2028) sinken dürfte. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt aktuell 21,9x (2025), steigt kurzfristig auf 23,8x (2026) und fällt anschließend wieder. Die Free-Cashflow-Rendite verbessert sich von 4,31 % auf 6,57 % bis 2028 und stützt damit die Dividendenpolitik.

Risiken bestehen vor allem auf der Nachfrageseite: Werbung ist zyklisch, und eine mögliche Abschwächung der US-Wirtschaft – etwa infolge handelspolitischer Unsicherheiten – würde die Budgets der Werbekunden unmittelbar belasten. Zudem fehlt Lamar eine internationale Diversifikation. Bei einer Verschuldung von rund 3,2x EBITDA und 3,42 Milliarden Dollar Schulden könnten steigende Zinsen die Refinanzierung verteuern und die relative Attraktivität der Dividende gegenüber festverzinslichen Anlagen schmälern.
Seit mehr als einem Jahrhundert verwandelt Lamar physische Flächen in stabile Cashflows. Die Digitalisierung des Netzwerks steht noch am Anfang, die Kundenbasis verbreitert sich, und das Finanzprofil zeugt von operativer Disziplin. Die Risiken sind bekannt und weitgehend eingepreist. Für langfristig orientierte Investoren stellt sich daher weniger die Frage nach dem Wachstumspotenzial als vielmehr nach dem richtigen Einstiegsniveau.




















