Block 1: Wichtige Nachrichten

Kraken startet tokenisierte Aktien in Europa: Ein neues Investmentmodell?

Die Handelsplattform Kraken bringt ihren Dienst xStocks nach Europa, wenige Wochen nachdem sie die MiCA-Lizenz der irischen Zentralbank erhalten hat. Seit Juni können Anleger in über 60 US-Aktien und ETFs investieren – in tokenisierter Form, mit zwei entscheidenden Vorteilen: Handel rund um die Uhr und Verwahrung im eigenen Wallet. Allerdings: Es handelt sich nicht um echte Aktien. Die Token bieten zwar Preisexponierung, aber keine Stimmrechte oder rechtlichen Eigenschaften klassischer Aktien. Für Kraken ist dies ein weiterer Schritt hin zur dezentralisierten Finanzwelt – mit einem klaren Statement: „Wenn Sie eine Aktie besitzen, sollten Sie alle Vorteile daraus ziehen – nicht Ihre Bank.“

Die Trump-Familie verdient 1,3 Milliarden Dollar mit Krypto

Donald Trump wollte der „Krypto-Präsident“ werden – und er macht ernst. Innerhalb weniger Wochen hat seine Familie 1,3 Milliarden Dollar durch zahlreiche Krypto-Projekte eingenommen. Kritiker sprechen von massiven Interessenkonflikten, während das Weiße Haus gleichzeitig den Sektor politisch unterstützt. World Liberty Financial, der Stablecoin WLFI, Krypto-ETFs, die Memecoin-Marke TRUMP, das Mining-Unternehmen American Bitcoin, Partnerschaften mit Crypto.com – die Liste wird immer länger. Laut Bloomberg stammen bereits 670 Millionen Dollar aus WLFI und angrenzenden Projekten, insgesamt soll die Familie inzwischen über 5 Milliarden Dollar an digitalen Assets halten.

EasyJet steigt ins Krypto-Geschäft ein: EasyBitcoin startet

Nach Billigflügen nun Bitcoin zum Discountpreis. Die EasyGroup, Mutter von EasyJet, hat EasyBitcoin gegründet – eine Plattform für den günstigen Handel mit Kryptowährungen in Kooperation mit Uphold. Ziel: traditionelle Plattformen preislich unterbieten. „Ich mache das nur, weil Trumps Wiederwahl [Krypto] endgültig massentauglich gemacht hat“, so CEO Stelios Haji-Ioannou. Mit einfacher Oberfläche, minimalen Gebühren und Massenmarkt-Positionierung will EasyBitcoin die EasyJet-Rezeptur auf den Kryptohandel übertragen.

Märkte 24/7: SEC und CFTC erwägen ein Krypto-Modell für die Wall Street

Eine kleine Revolution bahnt sich an: Die US-Regulierer SEC und CFTC prüfen, den Finanzmarkt auf ein 24/7-Modell umzustellen – nach dem Vorbild der Kryptobörsen. Getrieben von Donald Trump sollen sich beide Institutionen annähern, um die Wall Street in eine globale, dezentrale Ära zu führen. Geplant sind zudem Lockerungen bei Prognosemärkten, Perpetual Contracts und DeFi. Ziel: Innovationen anziehen und Offshore-Krypto-Volumina in die USA zurückholen.

Block 2: Krypto-Analyse der Woche

Saylors Strategie ins Stocken geraten

Den Anfang machte Strategy, das von Michael Saylor gegründete Unternehmen – erste börsennotierte „Bitcoin-Treasury“. Das Modell: Kapital über den Markt aufnehmen, in BTC investieren, und von der doppelten Hebelwirkung profitieren. Lange Zeit funktionierte es: Der Kurs stieg von 60 auf über 500 Dollar.

Seit einem Monat jedoch bröckelt das Kartenhaus. Obwohl die Aktie seit Jahresbeginn noch 15 % im Plus liegt, verlor sie seit Mitte August 18 % und fiel auf den niedrigsten Stand seit April. Damit wanken auch die Nachahmer. Manche notieren inzwischen unter dem Wert ihrer Krypto-Bestände – eine Markt-Anomalie, die Investoren verschreckt. Die fragilsten Akteure könnten ausgelöscht werden.

Kollateralschäden

In Asien ist Metaplanet, größter Bitcoin-Halter Japans, seit Juni um 68 % eingebrochen. In London verlor Smarter Web Company 70 % im gleichen Zeitraum.
Manche Firmen gaben sogar ihr ursprüngliches Geschäft auf, um im Krypto-Rausch mitzuspielen:

– KindlyMD, ein US-Gesundheitsdienstleister, kaufte lieber Bitcoin. Ergebnis: -68 % in einem Monat.
– In Frankreich büßte Capital B, ein Tech-Unternehmen im Krypto-Neugeschäft, 26 % ein.
– Alt5 Sigma, Partner der Trump-Familie für einen „Krypto-Treasury“, fiel seit der Ankündigung um 35 %.

Die „Danger Zone“ der Bilanzen

Im Zentrum des Modells steht ein von Saylor geprägter Indikator: mNAV, das Verhältnis von Unternehmenswert (Aktien + Schulden – Cash) zu den Krypto-Beständen. Fällt er unter 1, wird das Unternehmen an der Börse niedriger bewertet als seine Bitcoin-Reserven.
Hohe mNAV-Werte zeigen, dass Investoren Vertrauen in das Management haben, weitere BTC-Käufe erwarten und bereit sind, eine Prämie zu zahlen. Fällt der Wert auf 1 oder darunter, versiegt die Finanzierung, Firmen müssen ihre Bestände verkaufen – und belasten damit zusätzlich den Markt.

Erste Fälle sind Realität:
– LM Funding America ist an der Börse 23,5 Mio. Dollar wert, hält aber BTC im Wert von 34 Mio.
– Semler Scientific hat eine Marktkapitalisierung von 500 Mio. Dollar – bei Bitcoin-Beständen von 557 Mio.

Eine noch lebende Blase?

Trotz der Turbulenzen sprudeln neue Finanzierungen. Forward Industries meldete 1,65 Mrd. Dollar Kapital für eine Solana-Kasse, die Aktie sprang um 71 %. Eightco, Verpackungsspezialist, investierte in Worldcoin – und erlebte eine unfassbare Kursrally von +3000 %.

Seit Jahresbeginn wurden 73 Mrd. Dollar zur Finanzierung von Bitcoin-Käufen eingesammelt, weitere 38 Mrd. für Ether, so Architect Partners. Doch die Euphorie weicht zunehmend Skepsis. Der Bitcoin-Preis liegt 9 % unter seinem Rekord von 124.000 Dollar. Nach der Ekstase folgt der Zweifel: Sind „Crypto Treasuries“ ein nachhaltiges Modell – oder nur ein finanziäres Trugbild auf Abruf? Entscheidend wird die Kursentwicklung des Bitcoin in den kommenden Monaten sein.

Block 3: Lesestoff der Woche

Trumps Kryptotransaktionen verfügen nun über die perfekte Tarnung (The Atlantic)

Krieg, KI, Kryptowährungen, Einwanderung, Demografie: Die Herausforderungen für die Weltwirtschaft im Jahr 2026 (The Conversation)