Koshary - ein würziges Gericht aus Linsen, Reis und Pasta, das an zahllosen ägyptischen Imbissständen angeboten wird - wurde am Mittwoch von der Kulturorganisation der Vereinten Nationen als kultureller Schatz anerkannt. Damit setzt Kairo seine breit angelegte Initiative fort, die kulturelle und historische Identität Ägyptens international zu fördern.

Die Aufnahme von Koshary in die UNESCO-Liste des ,,Immateriellen Kulturerbes" erfolgt etwas mehr als einen Monat nach der Eröffnung eines weitläufigen neuen Museums für Altertümer - ein weiterer Schritt, mit dem die Verantwortlichen die reiche Geschichte des Landes hervorheben und mehr Touristen anlocken wollen.

Eine weitverbreitete Legende besagt, dass Koshary ursprünglich aus Nordindien stammt und während der britischen Besatzung von Soldaten nach Ägypten gebracht wurde. Doch die Ursprünge des Gerichts lassen sich, wie die Lebensmittelwissenschaftlerin und Archäobotanikerin Hala Barakat erläutert, tatsächlich über eine jahrtausendealte Geschichte von Migration, Handel und Eroberung zurückverfolgen.

ÄGYPTISCHES GERICHT MIT GLOBALEN EINFLÜSSEN

Linsen gelangten vor mehr als 5.800 Jahren aus dem Fruchtbaren Halbmond nach Ägypten, Reis wurde aus Ostasien eingeführt. Tomaten und Chilischoten kamen Jahrhunderte später aus Amerika hinzu, während Nudeln eine eher moderne Ergänzung darstellen.

,,Diese Bestandteile fanden über Jahrtausende zusammen", erklärt Barakat. ,,Der Name mag indisch sein, doch das ägyptische Gericht hat seine eigene Form - und selbst die variiert von Alexandria bis Assuan."

,,Koshary in seiner heutigen Form ist das Koshary, das die Ägypter zu ihrem eigenen gemacht haben", fügt sie hinzu.

Die ägyptische Bewerbung hebt diese Vielfalt hervor: An der Küste werden gelbe Linsen verwendet, in Kairo und Oberägypten hingegen schwarze. Manche Familien fügen gekochte Eier hinzu, während auf dem Sinai ein ähnliches Gericht namens Ma'dous verbreitet ist.

Alle diese Variationen vereint ,,das besondere Aroma, das durch Gewürze wie Essig, Knoblauch und scharfe Soße entsteht, die je nach Geschmack hinzugefügt werden", heißt es in der Nominierung.

COUSCOUS UND CEVICHE EBENFALLS AUF DER LISTE

Die Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes ist vor allem symbolisch und bringt keine direkten finanziellen Vorteile. Auch andere Gerichte wie Couscous, das in der Maghreb-Region verbreitet ist, und das südamerikanische Ceviche stehen auf der Liste. Die italienische Küche sollte in diesem Jahr ebenfalls aufgenommen werden.

Koshary erlebte im 20. Jahrhundert einen Popularitätsschub, als Restaurants und bunt dekorierte Straßenstände in der Nähe von Schulen und Bahnhöfen entstanden. Der Verzicht auf tierische Produkte machte das Gericht zudem zu einem Favoriten bei fastenden koptischen Christen und jungen Ägyptern, die auf vegetarische Ernährung umsteigen.

Heute zählt das Gericht laut Ahmed Shaker, Pressesprecher des bekannten Kairoer Restaurants Abou Tarek Koshary (gegründet 1963), zu den bekanntesten Merkmalen Ägyptens.

,,Jeder Ausländer oder Besucher, der nach Ägypten kommt, besichtigt die Pyramiden, besucht das Museum und kommt zu Abou Tarek, um Koshary zu essen", so Shaker.

Das Gericht reiht sich damit in Ägyptens bisher zehn ,,Eintragungen" ein, darunter Tahteeb, eine alte Kampfkunst mit Stöcken, sowie das epische mündliche Gedicht Sirat Bani Hilal.

Der neue UNESCO-Generaldirektor, Khaled El-Enany, war zuvor ägyptischer Minister für Tourismus und Altertümer und hat angekündigt, seine Amtszeit dem Schutz kultureller Traditionen zu widmen.