Von Hans Bentzien

DOW JONES--Gegen die Forderungen eines übergriffigen Präsidenten konnte sich die US-Notenbank noch wehren, gegen die Macht der Fakten kann sie nichts tun: Am Mittwoch dürfte der Offenmarktauschuss (FOMC) der Federal Reserve erstmals seit Dezember 2024 eine Zinssenkung beschließen. Weitere Zinsentscheidungen stehen in der Woche in Großbritannien und Japan an. Wichtige Konjunkturdaten kommen aus den USA, Großbritannien und China.

US-Notenbank senkt Leitzins um 25 Basispunkte

Das FOMC dürfte eine Senkung des Leitzinses um 25 Basispunkte auf 4,00 bis 4,25 Prozent beschließen. Das ist mehr, als Fed-Chairman Jerome Powell noch vor kurzer Zeit für wahrscheinlich gehalten hätte, aber weniger, als mancher Marktteilnehmer hofft und viel weniger, als US-Präsident Donald Trump vorschwebt. Die Fed würde damit aber nicht auf Trumps Forderungen, sondern auf die Lage am Arbeitsmarkt reagieren.

Die hat sich laut den Berichten für Juli und August deutlicher als erwartet eingetrübt, und sie ist nach den Ergebnissen des zu Wochenbeginn veröffentlichten "Preliminary Benchmark Announcement" womöglich noch schlechter, als die bisher bekannten Daten zeigen. Unter diesen Umständen dürfte die Notenbank den Forderungen ihres Arbeitsmarkt-Mandats folgen und die Politik lockern, obwohl das Preisstabilitätsmandat wegen der wahrscheinlich preistreibenden Wirkung höherer Einfuhrzölle ein vorsichtigeres Agieren nahelegt. Die Zinsentscheidung wird um 20.00 Uhr bekanntgegeben, die Pressekonferenz mit Powell beginnt um 20.30 Uhr.

Bank of England hält Leitzins stabil bei 4,00 Prozent

Die Bank of England dürfte ihre Geldpolitik nach der Leitzinssenkung im Vormonat zunächst nicht weiter lockern. Nicht dass die Wirtschaft sich nicht freuen würde, aber die Inflation auf der Insel bleibt hartnäckiger als erhofft. Im Juli stieg die Inflationsrate unerwartet auf 3,8 (Juni: 3,6) Prozent, das höchste Niveau seit 18 Monaten. Für September prognostiziert die BoE selbst einen weiteren Anstieg auf 4,0 Prozent. Zugleich gab es zuletzt Anzeichen für eine Stabilisierung des Arbeitsmarkts.

Interessant wird sein, wie die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses (MPC) konkret abstimmen werden. Im August war erstmals in der Geschichte der BoE eine zweite Abstimmung notwendig geworden, nachdem ein MPC-Mitglied zunächst für eine Senkung um 50 Basispunkte gestimmt hatte und erst zu einem Votum für 25 Basispunkte überredet werden musste. Zinsentscheidung und Sitzungsprotokoll werden am Donnerstag (13.00 Uhr) veröffentlicht.

BoJ ändert Geldpolitik angesichts politischer Unsicherheiten nicht

Auch die Bank of Japan (BoJ) dürfte ihre Geldpolitik unverändert lassen. Zwar fehlt es nicht an Stimmen, die irgendwann eine weitere Leitzinsanhebung erwarten, aber die Betonung liegt auf "irgendwann". Die jahrelang an Nullzinsen gewöhnten japanischen Finanzmärkte müssen vorsichtig auf einen weiteren Schritt vorbereitet werden. Die BoJ tut auch angesichts stark gestiegener US-Einfuhrzölle alles, um das zarte Pflänzlein Inflation (August: 2,5 Prozent Kerninflation) nicht zu zerstören und prüft sorgfältig, ob die voraussichtliche Entwicklung der Löhne auf eine Inflation von dauerhaft 2 Prozent hindeutet.

Durch den Rücktritt von Premierminister Shigeru Ishiba ist nun zusätzliche Unsicherheit entstanden, die gegen einen Zinsschritt bei der aktuellen Sitzung spricht. Die geldpolitischen Entscheidungen werden am frühen Freitagmorgen bekannt gemacht. Zu erwarten sind ein konstanter Leitzins von 0,5 Prozent sowie unveränderte Wertpapierkäufe.

Daneben stehen einige wichtige Konjunkturdaten auf dem Kalender:

ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sinken im September

Die von Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter Investoren für Deutschland erhobenen Konjunkturerwartungen dürften im September gesunken sein. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass der Index auf 26,3 (August: 34,7) Punkte zurückgegangen ist. Vorgezeichnet wurde ein Rückgang bereits von den im gleichen Personenkreis ermittelten Sentix-Konjunkturindex. Allerdings könnte der Rückgang etwas weniger kräftig ausfallen, weil nach der Sentix-Veröffentlichung die Daten zur deutschen Industrieproduktion für Juni deutlich nach oben revidiert wurden, wodurch die Lage in dem Sektor freundlicher erscheint als zuvor. Die Daten werden am Dienstag (11:00) veröffentlicht.

US-Einzelhandelsumsatz steigt im August langsamer

Das Wachstum der US-Einzelhandelsumsätze dürfte sich im August verlangsamt haben. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass sie gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent gestiegen sind, nachdem sie im Juli um 0,5 Prozent zugelegt hatten. Für die Kerngröße ohne Autos wird ein unveränderter Zuwachs von 0,3 Prozent prognostiziert. Der Privatkonsum ist das mit Abstand wichtigste einzelne Element des US-Wirtschaftswachstums. Die Daten kommen am Dienstag (14.30 Uhr), zusammen mit denen zu den Importpreisen.

Veröffentlicht werden außerdem der Empire State Index (Montag, 14.30 Uhr) und der Philly-Fed-Index (Freitag, 14.30 Uhr), jeweils für September. Außerdem steht noch eine beachtenswerte Prognose an:

VDMA veröffentlicht Jahresprognose für 2026

Höhere US-Einfuhrzölle und eine weltweit insgesamt schwächere Nachfrage stellen die deutsche Industrie derzeit vor große Probleme, während andererseits inländische Investitionsprojekte eine Stützung versprechen. Beides dürfte sich auch in der Prognose des Verbands der Maschinen und Anlagenbauer (VDMA) für 2026 spiegeln, die am Dienstag (13.00 Uhr) ansteht.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

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September 15, 2025 01:00 ET (05:00 GMT)