Von Hans Bentzien

DOW JONES--Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte am Donnerstag beschließen seinen Leitzins unverändert bei 2,00 Prozent zu belassen - erstmals nach sieben Sitzungen mit einer Zinssenkung in Folge. Darüber sind sich Analysten angesichts der seit der Juni-Sitzung veröffentlichten Konjunktur- und Preisdaten sowie der EZB-Kommunikation einig. Weniger Einigkeit herrscht hinsichtlich möglicher weiterer Zinssenkungen. Manche sehen das Ende des Lockerungszyklus schon erreicht, andere erwarten noch eine Zinssenkung oder sogar zwei davon, vorzugsweise im September und/oder Dezember.

Der Rat und EZB-Präsidentin Christine Lagarde werden sich diesbezüglich kaum in die Karten gucken lassen. Ohnehin ist die Entwicklung der US-Einfuhrzölle so unsicher, dass sich derzeit wenig zum künftigen Kurs sagen ließe. Die EZB veröffentlicht die Zinsentscheidung am Donnerstag (14.15 Uhr), die Pressekonferenz mit Lagarde beginnt gegen 14.45 Uhr.

Nach Einschätzung von Analysten deuten die seit der Juni-Sitzung veröffentlichten Daten darauf hin, dass die Konjunkturentwicklung in etwa wie von der EZB in ihrem Basisszenario erwartet verlaufen ist. Demnach wäre sie weiterhin in einer "guten Position", die Ergebnisse des Zollstreits abzuwarten und die hereinkommenden Daten zu beobachten. Bedroht wird das Basisszenario allerdings von der Drohung des US-Präsidenten Donald Trump, den Einfuhrzoll auf EU-Güter auf 30 Prozent anzuheben. Unklar ist, mit welchen Gegenmaßnahmen die EU darauf reagieren würde und wie sich das auf den Inflationsausblick auswirken würde.

Aktuell konzentrieren sich Kommentatoren zunehmend darauf, dass die EZB bereits jetzt für 2026 eine Inflationsrate von nur 1,6 Prozent erwartet - was, wenn der Inflationsdruck noch stärker abnehmen sollte? Droht eine Situation wie vor der Corona-Pandemie und wenn ja, wie sollte die EZB damit umgehen? Einige EZB-Ratsmitglieder haben darauf hingewiesen, dass die ohnehin schon niedrige Inflationsprognose für 2026 unter der Annahme einer Leitzinssenkung auf 1,75 Prozent entstanden sei. Senke man nicht weiter, drohe eine noch niedrigere Inflation.

Dieser Lesart ist EZB-Direktorin Isabel Schnabel entgegengetreten. Sie sagte, dass die Hürden für eine weitere Zinssenkung inzwischen "sehr hoch" lägen, weil die Dienstleistungsinflation noch hoch sei, die Inflationserwartungen wieder stiegen und US-Einfuhrzölle sowie die "Geopolitik" für einen mittelfristig höheren Inflationsdruck sprächen. Außerdem sei der sogenannte neutrale Zins wegen der Ausgabenpläne der Regierungen inzwischen wohl höher als zuvor und der EZB-Leitzins drohe in akkommodierendes Territorium zu rutschen.

Auf Schnabels Argumente hat es bisher keine Entgegnung von Seiten der "Tauben" gegeben. In der Woche stehen außerdem einige Konjunkturdaten an.

Ifo-Geschäftsklimaindex steigt im Juli

Am Freitag (10.00 Uhr) kommt der Ifo-Geschäftsklimaindex für Juli. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte rechnen damit, dass der Ifo-Index auf 89,0 (Juni: 88,4) Punkte gestiegen ist. Offenbar stimmen die von der Bundesregierung beschlossenen Ausgabenprogramme die Unternehmen per saldo optimistisch, obwohl die Androhung eines 30-prozentigen US-Einfuhrzolls einen Schatten auf den Ausblick wirft.

Chinas Zentralbank lässt Loan Prime Rates unverändert

Die People's Bank of China (PBoC) dürfte ihre Geldpolitik zumindest vorerst nicht lockern. Analysten erwarten, dass die Zentralbank ihre Referenzsätze für 1- und 5-jährige Unternehmenskredite bei 3,00 und 3,50 Prozent belassen wird. Die Zinsentscheidung wird am frühen Montagmorgen bekannt gegeben.

Quartalsbericht der EZB zur Kreditvergabe für das zweite Quartal

Am Dienstag (10.00 Uhr) kommt der Quartalsbericht der EZB zur Kreditvergabe für das zweite Quartal. In dem informiert die EZB sich und Analysten darüber, wie ihre Geldpolitik auf Kreditangebot und -nachfrage wirkt. Im ersten Quartal hatten die Banken ihre Standards für Unternehmenskredite etwas weniger gestrafft, als sie das zuvor selbst erwartet hatten und für das zweite Quartal eine weitere Straffung vorausgesagt. Über dieses Quartal wird die EZB nun berichten. Im Fokus der Beobachter steht außerdem die Kreditnachfrage, die im ersten Jahresviertel leicht gestiegen war und nach Erwartung der Banken auch im zweiten Quartal etwas zunehmen sollte.

Inflationsdruck in Japan lässt etwas nach

Der Inflationsdruck in Japan dürfte im Juli etwas nachgelassen haben. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass die Kernverbraucherpreise (ohne Nahrungsmittel) gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,3 (Juni: 3,7) Prozent gestiegen sind. Die Daten werden am Freitag (1.50 Uhr) veröffentlicht.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

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July 18, 2025 08:56 ET (12:56 GMT)