Auf den ersten Blick wirkt das Ganze eher amüsant. eBay bringt es auf eine Marktkapitalisierung von 46 Mrd. USD – etwa viermal so viel wie GameStop. Zwar kommt es durchaus vor, dass ein kleinerer Akteur einen größeren schlucken will, doch hier ist die Diskrepanz schlicht zu groß, um glaubwürdig zu sein.

Zumal das Angebot von 125 USD je eBay-Aktie die E-Commerce-Plattform mit einem Unternehmenswert von rund 60 Mrd. USD bewertet. Die Hälfte soll in bar gezahlt werden, die andere Hälfte in GameStop-Aktien. Es erscheint in jeder Hinsicht fraglich, ob die eBay-Aktionäre diese zweite „Währung“ akzeptieren würden.

Der Baranteil würde zudem die Kriegskasse von GameStop in Höhe von 9 Mrd. USD beanspruchen – von denen bekanntlich mehr als die Hälfte durch zwei äußerst opportunistische Kapitalerhöhungen in den Jahren 2022 und 2025 eingeworben wurde. Es bliebe ein erheblicher Finanzierungsbedarf von rund 20 Mrd. USD, den Ryan Cohen nach eigenen Angaben über die kanadische Bank TD decken will, die bereit sein soll, diese Mittel bereitzustellen.

Auf den ersten Blick erscheint ein Unternehmenswert von 60 Mrd. USD für eBay ohnehin ambitioniert. Das entspräche einem Multiple von fast dem Sechsfachen des Umsatzes und dem 26-Fachen des operativen Gewinns – für ein Unternehmen ohne Wachstum, das sich in einigen Nischen des Gebrauchtwarenhandels zwischen Privatpersonen behauptet.

Ryan Cohen betont jedoch, die Profitabilität durch Einsparungen bei den Betriebskosten steigern zu können, insbesondere bei den Marketingausgaben – die tatsächlich hoch sind und angesichts stagnierender Nutzerzahlen eine begrenzte Effizienz aufweisen.

Dennoch fällt es schwer zu übersehen, dass diese – sehr ambitionierten – Sparpläne aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Finanzierungskosten der rund 20 Mrd. USD Schulden vollständig aufgezehrt würden, die Cohen aufzunehmen beabsichtigt. Hier stimmt etwas nicht.

Das Übernahmeangebot überrascht jedoch kaum bei einem so unkonventionellen Unternehmer wie Ryan Cohen – einer oft kontroversen, teils grenzwertigen, aber zweifellos entschlossenen Persönlichkeit. Nach Einschätzung der Analysten von MarketScreener hat das Angebot nur geringe Erfolgschancen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Cohen keinen Plan verfolgt.

GameStop hält nämlich rund 5 % an eBay, über Stammaktien und Derivate. Das Angebot könnte den eBay-Kurs kurzfristig antreiben – was Cohen mit seinem legendären Opportunismus nutzen könnte, um erhebliche Kursgewinne zu realisieren.

Sollte die Übernahme – wider Erwarten – gelingen, würde sie zwei Unternehmen zusammenführen, deren Glanzzeiten längst hinter ihnen liegen, und einen Schuldenberg schaffen, der nahezu dem Zehnfachen des kombinierten operativen Gewinns entspräche.

Es ist schwer vorstellbar, wer – außer Ryan Cohen auf sehr kurze Sicht – ein solches Szenario wirklich begrüßen würde.