Frankfurt, 12. Mrz (Reuters) - Der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) gibt Zalando Rückenwind. "Wir können unseren Kunden und Partnern Angebote liefern, die bis vor Kurzem noch undenkbar waren", sagte Robert Gentz, Co-Chef von Europas größtem Online-Modehändler, am Donnerstag. "Gleichzeitig steigern wir die Effizienz unserer eigenen Abläufe." Dies verhalf dem Unternehmen zu überraschend starken Geschäftszahlen. Daher sollen eigene Aktien im Volumen von bis zu 300 Millionen Euro zurückgekauft werden, die anschließend eingezogen würden.
KI ermögliche eine verbesserte Personalisierung der Kaufvorschläge, wodurch die Zahl der Artikel in den Warenkörben um 13 Prozent gestiegen sei. Die Technologie helfe Kunden zudem dabei, die passende Größe für ein Kleidungsstück zu finden, was die Retouren um acht Prozent verringerte. Die Zahl der Nutzer des KI-Einkaufsassistenten habe sich auf sechs Millionen vervierfacht. Der Online-Händler kooperiert darüber hinaus mit der Alphabet-Tochter Google, um den Einkauf direkt über Chatbots zu ermöglichen.
FURCHT VOR UMSATZEINBUßEN BEWAHRHEITET SICH NICHT
Der Konzernumsatz kletterte 2025 um knapp 17 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro, der operative Gewinn um 15,6 Prozent auf 591 Millionen Euro. "Wir haben profitables Wachstum versprochen und am oberen Ende unserer Prognose geliefert", sagte Zalando-Finanzchefin Anna Dimitrova. Im wichtigen Firmenkundengeschäft verdoppelte sich das Betriebsergebnis sogar. Mit "Zeos" stellt Zalando Drittfirmen unter anderem Logistik-Infrastruktur zur Verfügung. Dieses Angebot ergänzt die Shop-Software "Scayle", die vom übernommenen Konkurrenten About You entwickelt wurde. Dafür konnte Zalando den Jeans-Pionier Levi's als Kunden gewinnen. Für 2026 erwartet Zalando eine weitere Beschleunigung des Wachstums.
Anleger reagierten erleichtert. Die Aktien des Konzerns setzten sich im Geschäft von Lang & Schwarz am Morgen mit einem Plus von mehr als acht Prozent an die Spitze der Dax-Gewinner. Der Siegeszug von ChatGPT, Gemini & Co hatte in den vergangenen Monaten Spekulationen über Veränderungen im Einkaufsverhalten der Verbraucher geschürt. Sorgen bereitete Anlegern zudem der verschärfte Wettbewerbsdruck durch die Einführung von "TikTok Shop". Damit können Verbraucher auf der Videoplattform präsentierte Produkte direkt kaufen.
Beide Befürchtungen seien überzogen, urteilte Analyst Frederick Wild von der Investmentbank Jefferies. Bei Einkäufen mithilfe von KI würden Verbrauchern Angebote bekannter Marken und Einzelhändler überproportional häufig präsentiert. Bei TikTok Shop liege der Schwerpunkt auf Kosmetik und anderen Waren, nicht auf Kleidung.
(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















