Taiwan ist inzwischen zum fünftgrößten Aktienmarkt der Welt aufgestiegen – hinter Hongkong, Japan, China und mit großem Abstand den Vereinigten Staaten. Südkorea folgt auf Rang acht. Getrieben von SK Hynix und Samsung Electronics hat das Land zuletzt Großbritannien überholt, und Kanada könnte als Nächstes folgen.
Bemerkenswert ist dieser Wandel vor allem deshalb, weil diese Börsenplätze Volkswirtschaften überholen, deren wirtschaftliches Gewicht deutlich größer ist. Das Bruttoinlandsprodukt Südkoreas liegt weiterhin unter dem Spaniens, während Taiwan wirtschaftlich kleiner ist als Polen.
Das Tempo dieser Entwicklung ist beeindruckend. Taiwan und Südkorea haben sich zu Schwergewichten der globalen Kapitalmärkte entwickelt. Die Kehrseite ist allerdings eine hohe Konzentration. TSMC steht für mehr als 40 % der gesamten Börsenkapitalisierung Taiwans. In Südkorea erreichen SK Hynix und Samsung Electronics zusammen eine vergleichbare Bedeutung.
Begünstigt wurde dieser Aufstieg durch außergewöhnlich günstige Marktbedingungen. TSMC verfügt in der modernen Auftragsfertigung von Halbleitern über eine nahezu monopolartige Stellung und bleibt für die großen US-Chipentwickler unverzichtbar. In Südkorea profitieren SK Hynix und Samsung von Engpässen im Speichermarkt. Bislang haben sich ihre Kunden den Preiserhöhungen kaum widersetzt, was zu einem spektakulären Anstieg der Margen und einer starken operativen Hebelwirkung geführt hat. Der Nettogewinn von SK Hynix stieg im ersten Quartal um 398 %, jener von Samsung sogar um 475 %.
Doch genau diese Stärke birgt auch Risiken. Saudi-Arabien und Dänemark liefern dafür aktuelle Beispiele. Nach dem Börsengang von Aramco entwickelte sich Saudi-Arabien zu einem der bedeutendsten Finanzplätze der Welt. In Dänemark wiederum trugen die Erfolgsaussichten von Novo Nordisk im Markt für Medikamente gegen Fettleibigkeit maßgeblich zur Dynamik der Wirtschaft bei. Als die Ölpreise fielen und Novo Nordisk auf dem US-Markt Schwierigkeiten bekam, gehörten beide nationalen Aktienmärkte zu den schwächsten Performern des Jahres 2025.
Konzentration wirkt oft wie eine Stärke. Sobald sich jedoch Preise, Wettbewerb oder Erwartungen drehen, wird sie zur Schwachstelle. Die entscheidende Frage lautet daher, ob der aktuelle Aufstieg der taiwanischen und südkoreanischen Börsen struktureller Natur ist oder lediglich einen vorübergehenden Höhepunkt darstellt.
TSMC scheint dabei über die dauerhafteste Wettbewerbsposition zu verfügen. Das zeigt sich auch in der Bewertung: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne für 2027 liegt bei 18 und damit etwa dreimal so hoch wie bei den beiden südkoreanischen Konzernen. Das größte Risiko wäre eine teilweise Verlagerung der Produktion aus Taiwan, die die Effizienz des Geschäftsmodells beeinträchtigen könnte. Bislang bleibt die Insel jedoch so zentral für die KI-Revolution, dass sie kaum umgangen werden kann. Nvidia hat beispielsweise gerade Investitionen von jährlich 150 Mrd. US-Dollar in Taiwan angekündigt.
Dennoch hängen alle diese Unternehmen direkt oder indirekt von den Investitionsausgaben der Hyperscaler ab. Die Engpässe im Speichermarkt dürften zwar nicht kurzfristig verschwinden, doch die Zulieferer bleiben von den Renditen der KI-Investitionen und den Investitionsentscheidungen der großen Technologiekonzerne abhängig. Zudem könnten Kunden künftig auf alternative Speicherarchitekturen setzen, insbesondere wenn der Innovationsdruck auf die Wettbewerber hoch bleibt.
Die Verschiebungen in der Rangliste der globalen Börsenplätze könnten sich als nachhaltiger erweisen, als viele derzeit annehmen. TSMC, SK Hynix und Samsung steigen nicht allein aufgrund einer überzeugenden Börsengeschichte. Ihr Erfolg beruht auf seltenen physischen Vermögenswerten, die schwer zu reproduzieren und nicht kurzfristig aufzubauen sind.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob die heutigen Margen dauerhaft Bestand haben werden – das werden sie wahrscheinlich nicht. Entscheidend ist vielmehr, ob sich das strukturelle Ertragsniveau der Branche verändert hat. Wenn HBM-Speicher, agentische KI und mehrjährige Lieferverträge die traditionellen Zyklen des Speichermarktes tatsächlich abschwächen, könnten die aktuellen Bewertungen bereits den Beginn eines neuen Marktregimes unterschätzen.
























