Angesichts der eingebrochenen Bewertungen in den Bereichen Software, IT-Beratung und Kundenservice stellt sich die Frage mehr denn je: Wird künstliche Intelligenz tatsächlich alles hinwegfegen? Entzieht sie diesen Unternehmen dauerhaft ihre Geschäftsgrundlage oder eröffnet sie im Gegenteil enorme Produktivitätsgewinne und neue Chancen?

Die Hauptversammlung lieferte hierzu einige interessante Antworten.

David Wilkes, Leiter der Tochtergesellschaften CelCat und Bullet, erklärte während der Veranstaltung, dass sich Softwareentwicklungszyklen von mehreren Monaten auf wenige Stunden verkürzt hätten. Jahres-Roadmaps würden inzwischen innerhalb einer Woche abgeschlossen. Der bislang beobachtete Effekt sei durchweg positiv: ein deutlich stärkeres organisches Wachstum.

Auch der Mehrwert für Kunden nehme spürbar zu. Die Lösung von CelCat habe sich von einem klassischen System zur Speicherung, Aktualisierung und Löschung von Daten zu einem autonomen System entwickelt, das vorhersagt, Vorschläge macht und selbstständig handelt.

Diese Beschleunigung der Entwicklungszyklen wurde auch von Greg Richards, Chef der Tochtergesellschaft AssetWorks, bestätigt. Sein Team habe ein Projekt zur Modernisierung einer Benutzeroberfläche für einen Kunden in sechsmal kürzerer Zeit und mit sechsmal weniger Personal umgesetzt als ursprünglich geplant – drei Monate mit drei Mitarbeitern statt 18 Monate mit zehn Mitarbeitern.

Beim Thema Kundenservice erklärte Andrew Jones, Leiter von Click Dimensions, dass der intern eingesetzte KI-Support-Agent inzwischen 82 % aller Tier-1-Tickets ohne menschliches Eingreifen bearbeitet – rund um die Uhr und in sämtlichen Sprachen.

Der bemerkenswerte Nebeneffekt: Mitarbeiter können sich nun auf komplexere und sensiblere Tier-2- und Tier-3-Anfragen konzentrieren. Das führt intern zu erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen.

Bislang hätten weder Constellation-CEO Mark Miller noch Finanzchef Jamal Baksh eine durch KI verursachte Abwanderung von Kunden festgestellt. Diese Trägheit sei jedoch vor allem auf die Natur der bedienten Branchen zurückzuführen: stark regulierte Märkte mit hohen Compliance-Anforderungen und traditionell vorsichtiger Technologieadoption.

Jeff Bender, Leiter der Tochtergesellschaft Harris, zeichnete allerdings ein differenzierteres Bild und warnte davor, dass eine solche Erosion der Kundenbasis langfristig durchaus eintreten könne.

Mit dem Aufkommen agentischer KI, bei der Software-Nutzer zunehmend durch autonome Agenten ersetzt werden, geraten insbesondere Geschäftsmodelle unter Druck, die auf nutzerbasierter Preisgestaltung beruhen. Jeff Bender sieht darin ein klares Kannibalisierungsrisiko für Softwareanbieter. Die Antwort bestehe darin, auf neue Vertragsmodelle umzusteigen – doch der Ausgang bleibe ungewiss, zumal bestehende mehrjährige Verträge den Wandel verlangsamen.

Mark Miller erklärte zudem, dass die legendäre Dezentralisierung von Constellation einen strukturellen Vorteil im Umgang mit KI darstelle. Da es keinen zentralen IT-Chef gebe, der eine einheitliche Plattform vorschreibe, könne jede Tochtergesellschaft eigenständig experimentieren, voneinander lernen und nah am Kunden bleiben.

Der Austausch zwischen den einzelnen Gesellschaften habe sich dadurch deutlich intensiviert. Mark Miller sagte, er habe „noch nie ein solches Maß an Wissensaustausch“ in der Geschichte von Constellation erlebt.

Wer das Glas halb leer sehen wolle, könne allerdings auch argumentieren, dass diese Betriebsamkeit ein wenig an einen Ameisenhaufen erinnere, in den gerade ein Elefant getreten ist.

Bernie Anzarouth, Investmentchef von Constellation, sieht die Entwicklung naturgemäß optimistischer. Aus seiner Sicht zerstört KI den Wert von Constellation nicht – sie erhöht ihn vielmehr. Denn KI senke die Eintrittsbarrieren für die Entwicklung vertikaler Softwarelösungen und vervielfache damit die Zahl potenzieller Übernahmeziele in den kommenden Jahren.