München/Berlin, 04. Feb (Reuters) - Die deutschen Kfz-Versicherer haben nach drei Verlustjahren 2025 auch aufgrund höherer Beiträge wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bezifferte die Schaden-Kosten-Quote am Mittwoch in Berlin auf 96 (2024: 104) Prozent. Zahlen unter 100 Prozent weisen auf operative Gewinne hin. Dabei hätten den Versicherern auch geringere Unwetterschäden in die Hände gespielt, sagte GDV-Präsident Norbert Rollinger. Die Kunden mussten dafür noch einmal deutlich tiefer in die Tasche greifen: Die Beiträge in der mit Abstand größten Sparte der Schaden- und Unfallversicherung schnellten im vergangenen Jahr um 13,4 Prozent in die Höhe auf 38,6 Milliarden Euro. Schon 2024 waren sie um 11,1 Prozent gestiegen.

Rasant steigende Ersatzteilpreise und Werkstattkosten hatten die Kfz-Versicherer unter Druck gesetzt. Die Autohersteller und Autohäuser drehen auch an der Kostenschraube, weil sie im Neuwagengeschäft weniger verdienen.

Insgesamt stiegen die Beitragseinnahmen der Versicherer um 6,6 Prozent auf 254 Milliarden Euro. Rollinger sprach von einem "soliden" Jahr. Dabei legte die Sachversicherung mit 7,7 Prozent am stärksten zu. Neben den steigenden Kfz-Beiträgen spiele auch eine Rolle, dass immer mehr Hauseigentümer ihre Gebäude auch gegen Hochwasser und andere Elementarschäden versichern. Allein im vergangenen Jahr stieg die Quote auf 57 von 54 Prozent. Im Neugeschäft würden sogar 70 bis 80 Prozent der Gebäude-Policen mit Elementarschutz abgeschlossen. "Wir sind da auf einem guten Weg", sagte Rollinger.

Die Politik dringt angesichts des Klimawandels und seiner Folgen weiterhin auf eine Versicherungspflicht für Elementarschäden. Der Verband hatte dazu einen Vorschlag ausgearbeitet, mit dem auch Häuser in flutgefährdeten Gebieten zu verkraftbaren Preisen versichert werden können. Alle Versicherten sollen dafür einen kleinen Zusatzbeitrag zahlen. "Wir gehen davon aus, dass die politische Debatte zügig Fahrt aufnimmt", sagte Rollinger. Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen zeigte sich zuversichtlich, dass auf dieser Basis noch in diesem Jahr ein Gesetzesentwurf vorliegen könne.

Für das laufende Jahr sagt der GDV angesichts der schwachen Konjunktur ein gebremstes Wachstum voraus: Insgesamt sollen die Versicherungsbeiträge um 4,7 Prozent zulegen, getrieben von der privaten Krankenversicherung, die nach kräftigen Preiserhöhungen mit einem Plus von 10,5 (2025: 7,3) Prozent rechnet. In der Sachversicherung wird ein Beitragszuwachs von 5,2 (7,7) Prozent prognostiziert, in der Lebensversicherung dagegen nur ein Plus von 1,1 Prozent. 2025 waren es 5,1 Prozent, allerdings nur wegen des boomenden Geschäfts mit Einmalbeiträgen, die für eine zusätzliche Alterssicherung oder als reine Kapitalanlage genutzt werden. Die laufenden Beiträge dürften in diesem Jahr um etwa ein Prozent zurückgehen, sagte Rollinger.

VERSICHERER FORDERN "WAFFENGLEICHHEIT"

Darin spiegle sich die schrumpfende Bevölkerung wider, aber auch die Tatsache, dass viele Anleger heute ihr Geld lieber bei Banken, in Fonds oder ETFs anlegen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir diesen Trend umkehren können", betonte Rollinger. Die Lebensversicherer müssten neue Wege gehen, etwa mit einfachen Standardprodukten zur privaten Altersvorsorge, die nach den Vorstellungen der Bundesregierung die Riester-Rente ersetzen sollen. "Was wir brauchen, ist ein echter Neustart für die private Altersvorsorge", sagte Asmussen. Der GDV poche dabei auf "Waffengleichheit" mit Banken, Brokern und Fondsgesellschaften. Für solche Produkte müsse die Beratungspflicht ausgesetzt werden, die für Lebensversicherungen gilt.

Bislang stammen in Deutschland nur knapp 14 Prozent der Alterseinkommen aus kapitalgedeckten Systemen, viel weniger als in den meisten anderen Ländern. Die Riester-Nachfrage war in den vergangenen Jahren schwach. Die Policen gelten als zu unflexibel und renditeschwach. Vor Weihnachten hatte das Kabinett Pläne von Finanzminister Lars Klingbeil gebilligt. Der SPD-Chef will vor allem, dass einkommensschwächere Bevölkerungsschichten stärker vorsorgen können, um die Gefahr von Altersarmut zu verringern.

(Bericht von Alexander HübnerMitarbeit: Christian Krämerredigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)