Europäische Fluggesellschaften, Flughäfen und Reiseveranstalter geben sich hinsichtlich der Kerosinversorgung optimistisch. Dies geschieht trotz einer der schwersten Krisen seit Jahrzehnten, in deren Folge sich die Preise im Vergleich zum Niveau vor dem Iran-Krieg verdoppelt haben, da der Konflikt die Ölströme durch die Straße von Hormus blockiert.

Branchenvertreter und regionale Amtsträger spielen die Angst vor Knappheit spürbar herunter. Analysten zufolge geschieht dies unter anderem, um Reisende vor der sommerlichen Hochsaison auf der Nordhalbkugel zu beruhigen und die Buchungszahlen in einer für die Ertragslage kritischen Phase zu schützen.

Die Zuversicht der Branche steht im Kontrast zu den düsteren Warnungen von Händlern. Die Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel der weltweiten Ölströme fließt, bleibt aufgrund von Blockaden durch den Iran und die USA im Zuge des andauernden Konflikts für die Schifffahrt praktisch geschlossen. Der Golf deckt rund ein Viertel des europäischen Kerosinbedarfs.

'Es gibt immer Leute, die sich positionieren wollen - uns gehe der Treibstoff aus. Dafür gibt es absolut keine Anzeichen', sagte Sebastian Ebel, CEO des größten europäischen Reisekonzerns TUI, nach der Präsentation der Quartalsergebnisse am Mittwoch.

'Wir halten die Diskussion über den Treibstoff für etwas künstlich, da wir für die nächsten Wochen keine Engpässe sehen, und ich würde auch für den Sommer keinerlei Auswirkungen erwarten, außer bei den Preisen.'

EUROPÄISCHE AIRLINES ZAHLEN AUFSCHLAG FÜR KEROSIN

Nicht jeder ist so optimistisch. Die Internationale Energieagentur (IEA) erklärte am Mittwoch, dass das weltweite Ölangebot in diesem Jahr die Nachfrage nicht decken werde, da der Konflikt die Produktion im Nahen Osten massiv beeinträchtigt. In einigen europäischen Regionen, wie dem Raum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen, liegen die Kerosinbestände laut Daten von LSEG Workspace nahe Rekordtiefs.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr betonte jedoch, dass die Treibstoffversorgung des Konzerns mindestens bis zum Frühsommer gesichert sei.

'Versorgung und Lieferungen werden bis Mitte Juli ausreichend sein. Danach nimmt die Visibilität etwas ab', so Spohr. Er fügte hinzu, dass etwa ein Viertel des normalen Kerosinbedarfs der Gruppe aus dem Golf stammte. Die Hälfte davon sei durch Treibstoff aus anderen Quellen ersetzt worden, der Rest werde aus Reserven gedeckt.

Ryanair-CEO Michael O'Leary sagte Ende April gegenüber Reuters, dass 'das Risiko einer Versorgungsunterbrechung abnimmt'.

Analysten zufolge konnten sich die Fluggesellschaften Kerosin aus Ländern wie den USA und Nigeria sichern, indem sie einen Preisaufschlag zahlten.

'Ich glaube nicht, dass uns der Treibstoff ausgehen wird', sagte Wizz-Air-Chef Jozsef Varadi. Er verwies auf Kerosinpreise von fast 1.400 Dollar pro Tonne - etwa das Doppelte des Vorkriegsniveaus -, was die Lieferanten ansporne. 'Das schafft viel Raum für Kreativität.'

KEINE SORGEN UM DEN SOMMERURLAUB?

Auch die Flughafenbetreiber haben ihre Reserven aufgestockt; laut dem Luftfahrt-Technologieunternehmen i6 Group stiegen die Kerosinbestände im April um über 60 %. Dies hat dazu beigetragen, die Sorgen zu zerstreuen, nachdem einige italienische Flughäfen im April Engpässe gemeldet hatten.

'Kurzfristig sehen wir definitiv keine Auswirkungen auf die Versorgung', sagte Gary McLean, Geschäftsführer des Flughafens Dublin. 'Wir hören nichts von irgendwelchen Bedenken für den Sommer.'

Diese Botschaft aufrechtzuerhalten, ist für die Fluggesellschaften laut Analysten entscheidend, um potenzielle Stornierungen abzuwenden.

'Der Sommer ist die wichtigste Ertragssaison für die Airlines, und natürlich wollen sie den Kunden versichern, dass sie bedenkenlos buchen können', sagte der unabhängige Luftfahrtanalyst John Strickland.

Auch europäische Regierungsvertreter bleiben positiv gestimmt.

'Wir erwarten kurzfristig kein sehr ernstes Problem bei der Versorgungssicherheit', sagte EU-Energiekommissar Dan Jorgensen am Mittwoch vor Journalisten.

'Wir können jedoch nicht ausschließen, dass es längerfristig Probleme bei der Versorgungssicherheit geben wird. Das hängt natürlich alles von der Situation im Nahen Osten ab.'