Für viele Marktbeobachter stellt diese runde Marke nicht nur einen psychologischen Meilenstein, sondern auch einen technisch und on-chain relevanten Widerstand dar. Erst wenn dieser Bereich überzeugend überwunden wird, sei der Weg für neue Höchststände geebnet.

Wale kaufen wieder – ein Signal?

On-Chain-Daten zeigen seit Mitte Dezember eine deutliche Divergenz zwischen großen und kleinen Marktteilnehmern. Während Retail-Investoren tendenziell Positionen abbauen, akkumulieren Großanleger („Whales“) massiv BTC-Bestände – laut Daten von Santiment im Wert von über 5,3 Milliarden USD. Wallets mit 10 bis 10.000 BTC haben seit dem 17. Dezember insgesamt rund 56.000 BTC hinzugekauft.

Historisch betrachtet ist dieses Verhalten bullish: Die Märkte folgen meist der Spur der Großanleger – nicht der Kleinanleger. Solche Akkumulationsphasen bei stagnierendem Kursverlauf deuten typischerweise auf lokale Tiefpunkte hin, nicht auf Markttops. Die dadurch entstehende bullische Divergenz hat nun offenbar den Weg für den jüngsten Ausbruch geebnet.

ETFs befeuern die Nachfrage zusätzlich

Ein weiterer Katalysator für die jüngste Stärke: starke Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs. Laut Bloomberg-Analyst Eric Balchunas sind diese ETFs mit einem Momentum ins Jahr 2026 gestartet, das – hochgerechnet – das Sechsfache der Jahreszuflüsse von 2025 erreichen könnte.

Bereits in den ersten beiden Handelstagen flossen mehr als 1,2 Milliarden USD in Spot-Bitcoin-Fonds – nahezu alle Anbieter verzeichneten Zuflüsse, mit Ausnahme von WisdomTree. Große Häuser wie BlackRock, Fidelity und Morgan Stanley bauen ihre Engagements aus. Letztere hat bei der US-Börsenaufsicht SEC Anträge für Bitcoin- und Solana-ETFs eingereicht.

Auch institutionelle Investoren sind zurück auf der Käuferseite. Daten des Analysehauses Capriole zeigen, dass derartige Umschwünge in der Vergangenheit signifikante Aufwärtsbewegungen eingeleitet haben:
+390 % in 2020,
+68 %, –13 %, +61 % in 2024,
+41 % in 2025,
was im Schnitt einem Plus von 109 % entspricht.

Wiederholt sich dieses Muster erneut?

Technische Marken im Fokus: 100.000 – 102.000 USD

Obwohl sich die Marktstruktur verbessert, fehlt bislang die technische Bestätigung für einen neuen Bullenmarkt. Der zentrale Widerstand bleibt die Region um 100.000 USD – ein Cluster aus psychologischer Marke, On-Chain-Kostenniveaus und charttechnischen Schwellen.

Der bekannte Analyst John Bollinger (Bollinger Bands) sieht bei BTC eine fast ideale Volatilitätsverengung („squeeze“), was typischerweise einem explosiven Ausbruch vorausgeht. Sein erstes Kursziel liegt bei 100.000 USD, gefolgt von 107.000 USD. Bleibt der Ausbruch aus, droht laut Bollinger eine erneute Konsolidierung.

Auch CryptoQuant betont die Relevanz der 6- bis 12-Monats-Kostenbasis, die aktuell nahe 100.000 USD liegt. Historisch war das Überschreiten dieses Niveaus ein Wendepunkt hin zu einer bullischen Marktstruktur.

Joao Wedson (Alphractal) verweist auf das kurzfristige Kostenniveau der jüngsten Käufer („short-term holder realized price“), das nun erneut getestet wird. Sollte BTC darunter zurückfallen, sei dies ein Zeichen dafür, dass die Umverteilungsphase noch nicht abgeschlossen sei. Ein bullisches Signal wäre aus seiner Sicht erst der nachhaltige Bruch über 102.000 USD.




Die Richtung stimmt – aber die Bestätigung fehlt. Sowohl das Verhalten der Wale als auch die Zuflüsse institutioneller Investoren deuten auf eine positive Dynamik hin. Doch solange die Marke von 100.000 USD nicht überwunden und verteidigt wird, bleibt Bitcoin in einer Übergangsphase – irgendwo zwischen Konsolidierung und möglichem Aufbruch zu neuen Höchstständen.