Das erste Quartal 2026 fällt insgesamt ermutigend aus. Bayer meldete ein Wachstum von 4,1 % auf vergleichbarer Basis, getragen insbesondere von der Sparte Crop Science. Das EBITDA vor Sondereffekten stieg um 9 % auf 4,45 Mrd. Euro – ein Zeichen dafür, dass der operative Hebel allmählich zurückkehrt.
Der wichtigste Wachstumstreiber des Konzerns bleibt das Agrargeschäft. Crop Science steht für nahezu 50 % des Bayer-Umsatzes und liegt damit vor Pharma und Consumer Health. Die Division profitiert von einer besseren Dynamik bei Saatgut und genetischen Eigenschaften, insbesondere bei Soja und Mais, sowie von einer strengeren Kostendisziplin.
Ganz reibungslos läuft die Entwicklung allerdings nicht. Das Pflanzenschutzgeschäft bleibt belastet durch die Konkurrenz von Generika, aufgeschobene Bestellungen und ein weiterhin angespanntes Agrarumfeld. Dennoch vermittelt Bayer erstmals seit langer Zeit wieder den Eindruck, die Kontrolle über das eigene industrielle Schicksal zurückzugewinnen.
Pharma im Neuaufbau
Bayer muss zugleich den Rückgang seiner früheren Blockbuster bewältigen. Besonders Xarelto leidet unter dem Patentablauf, während Eylea dem Druck von Biosimilars ausgesetzt ist. Solche Übergangsphasen sind in der Pharmabranche zwar üblich, kommen für Bayer jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da der Konzern ohnehin geschwächt ist.
Parallel versucht das Unternehmen, sein Portfolio mit Nubeqa und Kerendia neu aufzubauen. Das Wachstum dieser Produkte wirkt zwar beruhigend, doch müssen sie erst noch beweisen, dass sie die früheren Kassenschlager tatsächlich ersetzen können. Die Pharmasparte bleibt ein zentraler Pfeiler des Konzerns, bietet aber nicht mehr dieselbe Stabilität wie früher.
Die Monsanto-Hypothek
Das eigentliche Börsenthema liegt jedoch woanders: Bayer wird kaum wie ein gewöhnlicher Konzern bewertet werden können, solange die Monsanto-Klagen die Visibilität belasten. Glyphosat bleibt der zentrale Bremsfaktor. Nach jeder Verbesserung der operativen Entwicklung stellt sich sofort wieder die Frage nach der juristischen Rechnung.
Hier liegt auch das Paradox des Quartals. Bayer arbeitet operativ wieder effizienter, doch der Free Cashflow fiel mit minus 2,3 Mrd. Euro deutlich negativ aus – belastet durch rund 2 Mrd. Euro an Zahlungen im Zusammenhang mit Glyphosat- und PCB-Klagen. Anders gesagt: Der Konzern stabilisiert sich, bezahlt aber weiterhin teuer für seine Vergangenheit.
Eine zu hohe Verschuldung
Die Verschuldung bleibt die zweite große Schwachstelle. Für 2026 wird eine Nettoverschuldung von rund 32 Mrd. Euro erwartet – ein Niveau, das kaum Raum für Fehler lässt.
Mit einer derart schweren Bilanz ist Bayer noch keine klassische Dividendenaktie. Die Ausschüttung von derzeit 0,11 Euro je Aktie bleibt kurzfristig äußerst begrenzt; die erwartete Rendite für 2026 liegt lediglich bei 0,57 %. Für Aktionäre hängt die Investmentstory daher vor allem davon ab, ob der Konzern seinen Cashflow normalisieren kann, sobald die Belastungen aus den Rechtsstreitigkeiten besser eingegrenzt sind.
Ein Bewertungsabschlag, der Sorgen macht
An der Börse lag der Unternehmenswert von Bayer – also Marktkapitalisierung plus Schulden – 2017 noch bei mehr als 90 Mrd. Euro, bevor Monsanto für rund 54 Mrd. US-Dollar übernommen wurde. Ein Schritt, den MarketScreener einst als „einen der größten strategischen Fehler des modernen Kapitalismus“ bezeichnete. Heute bringt der kombinierte Konzern inklusive Schulden nur noch rund 70 Mrd. Euro auf die Waage. Der Markt verbindet Bayer weiterhin vor allem mit Rechtsrisiken und Wertvernichtung, bevor operative Fortschritte überhaupt berücksichtigt werden.
Dabei liegen die Bewertungsmultiplikatoren deutlich unter denen vergleichbarer Unternehmen aus Agrarchemie und Gesundheitswesen. Bayer wird auf Basis der erwarteten Gewinne für 2027 mit einem KGV von rund 11,9 gehandelt, gegenüber mehr als 25 bei Corteva und 17,7 bei Novartis.
Rekonvaleszenz statt Heilung
Der Markt bleibt entsprechend eher konstruktiv als euphorisch. Der Analystenkonsens lautet auf „Akkumulieren“, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 48,58 Euro – knapp 29 % über dem zuletzt genannten Kurs. Mwb research sieht das Kursziel sogar bei 52 Euro und argumentiert, dass die aktuelle Bewertung die juristischen Risiken bereits weitgehend einpreise.
Bayer bleibt damit ein Konzern zwischen sichtbaren operativen Fortschritten und einem Rechtsrisiko, das die Märkte bislang nicht vollständig beruhigen konnte.


















