Ein derartiges Bewertungsniveau wurde zuletzt im Jahr 2008 erreicht – kurz vor Ausbruch der Subprime-Krise. Vor diesem Hintergrund wirkt es bemerkenswert, dass die von Jamie Dimon geführte Bank im ersten Quartal die Hälfte ihres Gewinns – 16,5 Milliarden US-Dollar – für Aktienrückkäufe aufgewendet hat.
Der Rhythmus bleibt entsprechend hoch. Im Gesamtjahr 2025, in dem JPMorgan im Schnitt mit etwa dem 2,7-Fachen ihres materiellen Buchwerts bewertet wurde, flossen mehr als 30 Milliarden US-Dollar in Rückkäufe.
Bereits im Mai 2024 hatte Jamie Dimon unmissverständlich gewarnt, dass ein Finanzinstitut, das eigene Aktien zu mehr als dem Doppelten seines materiellen Buchwerts zurückkauft, einen Fehler begehe. Sechs Jahre zuvor bezeichnete er Rückkäufe zum Dreifachen des Buchwerts sogar als „verrückt“. Offensichtlich teilt der Verwaltungsrat diese Einschätzung jedoch nicht.
Während der Analystenkonferenz distanzierte sich der charismatische JPMorgan-Chef – der laut einigen Gerüchten auch ein mögliches Antreten bei der nächsten US-Präsidentschaftswahl sondieren könnte – vorsichtig von dieser strategischen Ausrichtung.
Er betonte insbesondere, dass angesichts gewaltiger Kapitalbedarfe – etwa in den Bereichen Verteidigung, Energiewende oder Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz – selbst JPMorgan als weltweit führende Bank nicht in der Lage sei, die Ambitionen ihrer Kunden vollständig zu finanzieren.
Vor diesem Hintergrund hätte er es vorgezogen, stärker in das operative Wachstum zu investieren, anstatt Mittel in Aktienrückkäufe zu lenken, die Kapital binden und damit die Kreditvergabekapazität einschränken. „Unsere bevorzugte Verwendung von Kapital besteht derzeit nicht darin, eigene Aktien zurückzukaufen“, erklärte er – eine Mahnung, die von den Aktionären offenbar überhört wurde.
Dimon wies zudem darauf hin, dass Kapitalrückflüsse an Aktionäre – Dividenden und Rückkäufe – von Analysten und Investoren häufig reflexartig positiv bewertet werden, ohne dass deren Sinnhaftigkeit wirklich hinterfragt wird.
Vor dem Hintergrund, dass große Vermögensverwalter wie KKR, Apollo, Blackstone oder Brookfield zunehmend als zentrale Finanzierer der Realwirtschaft auftreten und alternative sowie private Finanzierungsstrukturen ausbauen, dürfte Dimon befürchten, dass sich der Bankensektor erneut aus seinem traditionellen Kerngeschäft zurückzieht – und ambitionierteren Wettbewerbern das Feld überlässt.



















