Die europäischen Small und Mid Caps sind 2025 jedoch nicht von der Börsenhausse ausgeschlossen geblieben, da der Euro Stoxx Small den Stoxx 50 leicht übertroffen hat.
Bewertungen weiterhin gedrückt
Zwar war in Europa zuletzt eine Neubewertung zu beobachten, insbesondere im Bankensektor, doch die kleineren Unternehmen sind bislang außen vor geblieben.

Bewertungslücke (EV/EBITDA) zwischen MSCI-Europe-Aktien und MSCI Europe Small Caps zum 31.12.2025 (Quelle: ODDO BHF)
Dieser Abschlag lässt sich durch ein makroökonomisches Umfeld erklären, das insbesondere kleinere Unternehmen stark belastet hat. Stärker lokal verankert und damit sensibler gegenüber Inflation, Energiepreisen und hohen Zinsen, gerieten Small Caps unter erheblichen Druck. Offenbar haben sie jene Bewertungsprämie verloren, die historisch durch ihr höheres Wachstumspotenzial gegenüber reiferen Unternehmen gerechtfertigt war.
Mehrere makroökonomische Signale deuten jedoch darauf hin, dass die Voraussetzungen für eine Erholung gegeben sind.
Ein günstiger Zinszyklus
Zunächst die Zinsen. Ein Niedrigzinszyklus kommt Small und Mid Caps stärker zugute als den Giganten.
Die Inflation scheint in Europa unter Kontrolle. Die EZB rechnet bis 2028 mit einer Teuerungsrate unter 2 %. Gleichzeitig scheint Washington kein Problem mit einem schwächeren Dollar zu haben. Die US-Währung ist die am häufigsten verwendete Währung bei europäischen Importen (51% im Jahr 2024), noch vor dem Euro (40%). Dieses Phänomen dämpft somit die importierte Inflation und würde helfen, eine zusätzliche Inflationsgefahr zu entschärfen.
Dieses Umfeld begünstigt auch externe Wachstumsstrategien. Akquisitionen lassen sich leichter in bestehende Strukturen integrieren und tragen schneller zu Umsatz- und Margensteigerungen bei als großvolumige Fusionen und Übernahmen.
Besseres Gewinnwachstum
Zudem erwarten Analysten für 2026 ein stärkeres Gewinnwachstum bei Small Caps als bei Large Caps. Im vergangenen Jahr verzeichneten die europäischen Indizes deutliche Kursgewinne, obwohl die Gewinne sogar rückläufig waren (-1 %). Sollte Europa nichts von seiner Attraktivität einbüßen, könnte es zu einem Kapitalzufluss in Richtung kleinerer Börsenwerte kommen.
Eine Wirtschaft mit mehr Reserven
Das Wachstum der Eurozone erreichte 2025 bereits 1,5 %, noch bevor sich die Auswirkungen der expansiveren deutschen Fiskalpolitik bemerkbar machten. Nach zwei Rezessionsjahren 2023 und 2024 dürfte Deutschland nachhaltig auf einen Wachstumspfad zurückkehren. In Frankreich erreichte die Sparquote der privaten Haushalte ein seit den 1970er-Jahren nicht mehr gesehenes Rekordniveau (18,7 % im zweiten Quartal 2025 gegenüber 15,3 % vor der Pandemie). Ein stabileres politisches und wirtschaftliches Umfeld, insbesondere in der Rentenfrage, würde sicherlich dazu beitragen, diese Mittel zu mobilisieren.
Rückenwind aus Brüssel
Auch auf europäischer Ebene spricht vieles für ein positives makroökonomisches Szenario. Die politischen Prioritäten der EU – Stichworte Souveränität, Reindustrialisierung und regulatorische Vereinfachung – dürften insbesondere Unternehmen mit starker heimischer Verankerung zugutekommen. Ein günstigeres makroökonomisches Umfeld könnte rasch eine positive Dynamik in Gang setzen.
Im Portfolio sorgen diese Unternehmen zudem für eine geringere Anfälligkeit gegenüber globalen Risiken wie Zöllen, den disruptiven Effekten der Künstlichen Intelligenz oder der Volatilität des Dollars.
Schließlich könnte der aktuelle Bewertungsabschlag laut Analysten von JPMorgan den Beginn eines neuen Zyklus der Outperformance von Small Caps signalisieren – ähnlich wie zu Beginn der 2000er-Jahre.
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Performance des Euro Stoxx Small, des S&P 500 und des Euro Stoxx 50 im laufenden Jahrhundert


















