Zum Handelsschluss notierte der CAC 40 mit einem Plus von 1,83% bei 8.350,87 Punkten und schloss damit erstmals seit dem 20. April wieder über der Marke von 8.300 Zählern. Auf Wochenbasis legte der Pariser Leitindex um 1,61% zu. Dies entspricht dem vierten Wochengewinn in Folge – eine Performance, die zuletzt Mitte April erzielt wurde, als man auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus hoffte.

Die übrigen europäischen Handelsplätze folgten diesem Trend: Der DAX 40 in Frankfurt verbesserte sich um 1,66%, der Londoner FTSE 100 gewann 1,52% hinzu und der paneuropäische Euro Stoxx 50 stieg um 2,01%.

Gestern Abend sprach Donald Trump von einer Fortsetzung der Verhandlungen mit der Islamischen Republik und entschied daraufhin, die für den Abend geplanten Luftschläge und Bombardierungen abzusagen. Er fügte hinzu: „Die Gespräche und die abschließenden Punkte wurden sowohl im Prinzip als auch in allen Einzelheiten von allen beteiligten Parteien genehmigt, einschließlich der USA, Israels, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars, der Türkei, Pakistans, Bahrains, Kuwaits, Jordaniens, Ägyptens und weiterer Staaten. Die Seeblockade bleibt bis zum Abschluss dieser Transaktion in vollem Umfang in Kraft – Datum und Ort der Unterzeichnung werden in Kürze bekannt gegeben.“

Teheran ließ über den Sprecher des Außenministeriums verlauten, dass „das Dokument in weiten Teilen fertiggestellt wird“. Vor wenigen Tagen hatten iranische Politiker betont, dass „der Diplomatie Vorrang vor einer militärischen Konfrontation eingeräumt wird“.

Die Anleger begrüßten diese Erklärungen, und die Erleichterung war auch an den Rohstoffmärkten spürbar. Die Ölpreise gaben nach: WTI sank in New York um 1,82% auf 84,46 USD, während Brent aus der Nordsee in London um 2,31% auf 87,10 USD nachgab. Der Preis für das schwarze Gold markierte bei WTI den niedrigsten Stand seit Mitte April und bei Brent den tiefsten Stand seit dem 5. März, nur wenige Tage nach Beginn der Feindseligkeiten im Nahen Osten.

Am Devisenmarkt notierte der EUR zum europäischen Handelsschluss nahezu unverändert gegenüber dem Greenback und wurde bei 1,1578 USD gehandelt.

Makroökonomischer Rückblick

Bei den Wirtschaftsdaten stieg die Inflation in Frankreich im Mai wie erwartet um 0,1%, was die Jahresrate auf 2,4% hob. Auch dies entsprach den Erwartungen und markierte eine Beschleunigung gegenüber April (+2,2%).

In Deutschland sank der Verbraucherpreisindex im gleichen Zeitraum erwartungsgemäß um 0,2%, nach einem Anstieg von 0,6% im April. Auf Jahressicht schwächte sich die Inflation mit einer Rate von +2,6% ab, verglichen mit +2,9% im Vormonat.

Zudem nahmen die Investoren den von der University of Michigan ermittelten US-Verbrauchervertrauensindex zur Kenntnis. Dieser stieg von 44,8 Punkten im Mai auf 48,9 Punkte im Juni und lag damit über den Erwartungen von 46,1 Punkten – ein Niveau, das seit vergangenem April nicht mehr erreicht wurde.

Ebenfalls prägend für diese Börsenwoche war die wenig überraschende Entscheidung der Europäischen Zentralbank, ihre Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt anzuheben. In ihrer Pressekonferenz präzisierte Christine Lagarde gestern, dass der EZB-Rat weiterhin einen „datenabhängigen Ansatz von Sitzung zu Sitzung“ verfolgen werde, was darauf hindeutet, dass sich der Rat nicht auf einen bestimmten Pfad festgelegt hat.

Einzelwerte im Fokus

Der Tag war natürlich vom Börsengang von SpaceX in den USA geprägt. Moritz Henkel, Product Manager bei VanEck, kommentierte: „Der IPO von SpaceX besticht durch seine außergewöhnliche Dimension: Eine Zielbewertung von 1.750 Mrd. USD und ein potenzielles Emissionsvolumen von 75 Mrd. USD machen ihn zum größten der Geschichte. Das ungewöhnlichste Merkmal könnte jedoch der geringe anfängliche Streubesitz sein – ein Faktor, der so gewichtig ist, dass er Indexanbieter bereits dazu veranlasst hat, ihre Regeln anzupassen, indem sie beschleunigte Aufnahmeverfahren einführten und Mindestanforderungen an den Free Float lockerten.“

In Europa führte Euronext die traditionelle Quartalsüberprüfung durch. Dabei wurde entschieden, Abivax, Ipsen und Soitec in den CAC Next 20 aufzunehmen, während ADP, Gecina und Valeo den Index verlassen. Im SBF 120 sind zwei Neuzugänge geplant: Maurel & Prom sowie Mersen ersetzen Elior Group und Nexity. Diese Änderungen in den Pariser Indizes treten am Freitag, den 19. Juni, nach Marktschluss in Kraft. Im CAC 40 sind keine Veränderungen vorgesehen.

Zu den größten Gewinnern des Tages zählte Air France-KLM mit einem Plus von 8,36%. Hier trieb die Hoffnung auf ein baldiges Friedensabkommen den Kurs, da dies sinkende Ölpreise verspricht und somit die Kosten für kerosinintensive Fluggesellschaften senken würde.

Im Gegensatz dazu wurden Ölwerte gemieden; so verlor TotalEnergies 2,08%.

Eramet hingegen schoss um 11,01% nach oben. Laut AlphaValue könnte ein US-arabisches Konsortium an einer Beteiligung interessiert sein und insbesondere das Aktienpaket der Familie Duval übernehmen wollen.

Schließlich brachen Exail Technologies um 16,17% ein. Der französische Spezialist für Marinedrohnen und Navigationssysteme berichtete gestern Abend von Unstimmigkeiten mit seinem Finanzpartner ICG im Rahmen der Refinanzierung der Gruppe. Während Analysten die Nachricht kurzfristig negativ bewerten, stellt keiner die operativen Aussichten des Unternehmens infrage.