Der Höhenflug von Bitcoin auf ein neues Rekordhoch in dieser Woche hat erneut Fragen zur Rolle institutioneller Investoren beim Preisanstieg aufgeworfen. Analysten sind sich einig: Ihr Einfluss steht noch ganz am Anfang.

Die weltweit größte Kryptowährung sprang Anfang der Woche auf ein Rekordhoch von über $123.000 - beflügelt von der Erwartung pro-kryptofreundlicher Politik aus Washington. Während der Hype um digitale Vermögenswerte zunimmt, sehen Analysten weiteres Wachstumspotenzial bei der Nachfrage institutioneller Investoren, etwa wenn Pensionsfonds und andere langfristig orientierte Anleger Bitcoin in ihre Portfolios aufnehmen.

Am Donnerstag stimmte das US-Repräsentantenhaus für die Schaffung eines regulatorischen Rahmens für an den US-Dollar gekoppelte Kryptowährungen, sogenannte Stablecoins. Präsident Donald Trump wird das Gesetz voraussichtlich am Freitag unterzeichnen. Das Repräsentantenhaus verabschiedete zudem zwei weitere wichtige Gesetze im Zusammenhang mit Kryptowährungen, die nun dem US-Senat vorgelegt werden.

,,Wir stehen noch ganz am Anfang, was den institutionellen Besitz angeht", sagt Adrian Fritz, Leiter der Forschung beim Digital-Asset-Investmenthaus 21Shares. Der Kryptomarkt werde weiterhin von Privatanlegern dominiert.

Weniger als 5% aller Vermögenswerte in Spot-Bitcoin-ETFs werden laut Fritz von langfristigen Investoren wie Pensionsfonds und Stiftungen gehalten, weitere 10% bis 15% befinden sich im Besitz von Hedgefonds oder Vermögensverwaltern.

Letztere kaufen diese Fonds jedoch häufig im Auftrag vermögender Privatkunden - der Großteil der ETF-Anteile bleibt also in privater Hand, so Fritz.

Schätzungen der Finanzanalysefirma Vanda zeigen eine Korrelation zwischen steigenden Privatanleger-Käufen von Krypto-ETFs und Kryptounternehmen sowie dem Preisanstieg. Die Daten belegen starke Käufe im Spätherbst 2024, als nach Donald Trumps Wahlsieg - er hatte angekündigt, ein ,,Krypto-Präsident" zu sein - die Kurse anzogen, ebenso wie während der jüngsten Rallye.

Kryptokäufer profitieren von einer Reihe von Gesetzesinitiativen, die der US-Kongress in dieser Woche voraussichtlich verabschieden wird. Besonders bedeutsam ist der sogenannte Genius Act, der die Regeln für Stablecoins - einen der am schnellsten wachsenden Bereiche des Kryptomarktes - festlegt.

Die Verabschiedung der Krypto-Gesetze am Donnerstag durch das republikanisch dominierte US-Repräsentantenhaus ebnet den Weg für das erste US-Bundesgesetz für digitale Vermögenswerte.

Auch einige große US-Banken, darunter Bank of America und Citigroup, arbeiten an der Einführung eigener Stablecoins.

Ein weiteres Gesetz soll regulatorische Klarheit schaffen, indem es digitale Rohstoffe definiert und die Zuständigkeiten der Aufsichtsbehörden für digitale Vermögenswerte festlegt. Das könnte es Institutionen, die den Sektor bisher gemieden haben, erleichtern, zu investieren.

Simon Forster, globaler Co-Leiter für digitale Vermögenswerte bei TP ICAP, rechnet damit, dass bis 2026 mehr Institutionen - darunter auch Pensionsfonds und andere langfristige Anleger - im Kryptobereich aktiv sein werden.

,,Per Definition werden sie die langsamsten sein, die in Krypto einsteigen", kommentiert Fritz.

BITCOIN ALS UNTERNEHMENSRESERVE

Analysten sehen in den - trotz der nach wie vor intransparenten Kryptomärkte - verfügbaren Daten Hinweise auf die wachsende Rolle von Unternehmen, die Bitcoin als Teil ihrer Unternehmensreserven halten.

Solche börsennotierten Unternehmen wie Strategy und GameStop, die ursprünglich auf Software bzw. Videospielhandel spezialisiert waren, setzen inzwischen verstärkt auf Bitcoin-Positionen in ihrer Bilanz - anstelle von Bargeld, Gold oder kurzfristigen US-Staatsanleihen.

Die Aktien von Strategy haben im vergangenen Jahr einen Höhenflug hingelegt, der den Bitcoin-Anstieg deutlich übertrifft. Viele Investoren sehen in der Aktie eine Möglichkeit, sich Krypto-Engagement zu sichern und dennoch in klassischen Finanzmärkten zu investieren.

Juan Leon, Analyst bei Bitwise Asset Management, sieht in der Fähigkeit dieser Unternehmen, Bitcoin zu kaufen, einen größeren Nachfragetreiber als Pensionsfonds, Stiftungen oder Hedgefonds, die an den Aktien- und Anleihemärkten eine große Rolle spielen.

Strategy und GameStop wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

Seit Juli vergangenen Jahres haben börsennotierte Unternehmen weltweit ihre Bitcoin-Bestände um 120% erhöht und halten nun laut Simon Peters, Krypto-Analyst bei eToro, gemeinsam etwas mehr als 859.000 Bitcoin - das entspricht rund 4% der maximal 21 Millionen Bitcoin, die jemals existieren werden.

Unternehmen geben zudem Stammaktien, Vorzugsaktien und Wandelanleihen aus, um Mittel für den Ausbau ihrer Bitcoin-Bestände zu beschaffen - in der Hoffnung, den starken Kursanstieg von Strategy zu wiederholen.

Die neue US-Gesetzgebung könnte laut Susannah Streeter, Leiterin für Geld und Märkte bei Hargreaves Lansdown, den Weg ebnen, damit mehr börsennotierte Unternehmen einen Teil ihrer Barreserven in Krypto-Token investieren.

Analysten warnen jedoch: Fällt der Bitcoin-Kurs unter $90.000, könnten die Hälfte dieser Unternehmensreserven ins Minus rutschen.

Auch die Nachfrage nach Krypto-ETFs ist in den vergangenen Monaten gestiegen.

Die weltweiten Nettozuflüsse in Krypto-Exchange-Traded-Produkte erreichten laut Daten der Krypto-Firma Bitwise in der vergangenen Woche mit $4 Milliarden den bisherigen Jahreshöchststand.

Zu den großen institutionellen Investoren, die in den vergangenen 18 Monaten öffentlich ihre Investitionen in Krypto-ETFs bekanntgegeben haben, zählen laut regulatorischen Unterlagen das State of Wisconsin Investment Board, der Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi und der Hedgefonds Millennium Management.

Im bisherigen Jahresverlauf legte Bitcoin rund 25% zu, während der S&P 500-Index um 6,5% stieg. Ether, eine weitere Kryptowährung, kletterte um 2%, während XRP fast 40% zulegte.

Die Marktkapitalisierung des Kryptosektors liegt laut CoinMarketCap nun bei $3,8 Billionen - ein Anstieg von fast 66% seit der US-Wahl im November.