IBEX an der Spitze der europäischen Indizes
Anfang des Jahres keimte – wie so oft – die Hoffnung auf, dass „diesmal Europa die Nase vorn“ haben könnte. Und tatsächlich ließ der alte Kontinent im ersten Quartal die USA zunächst hinter sich – mit einem historisch hohen Performancevorsprung gegenüber der Wall Street. Doch mit dem KI-Boom übernahmen die US-Börsen bald wieder die Führung.
Trotzdem behaupten sich einzelne europäische Märkte an der Spitze – allen voran Spanien. Der IBEX 35 legt seit Jahresbeginn um 32 % zu und nähert sich damit bis auf 3 % seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2007, kurz vor Ausbruch der globalen Finanzkrise.

Bankensektor als entscheidender Treiber
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung liegt in der sektoralen Zusammensetzung des spanischen Leitindex: Banken nehmen dort ein besonders hohes Gewicht ein – drei der fünf größten Titel im IBEX sind Finanzinstitute. Und ausgerechnet dieser Sektor ist im Jahr 2025 der leistungsstärkste in ganz Europa. Der Stoxx 600 Banks-Index legte seit Jahresbeginn um 52 % zu.

Drei der fünf größten Unternehmen im IBEX sind Banken. Quelle: MarketScreener
Vom Sorgenkind zum Musterschüler
Doch es ist nicht nur die Indexzusammensetzung, die das Bild erklärt. Auch die wirtschaftliche Lage Spaniens hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert – mit entsprechend positiver Resonanz an den Kapitalmärkten.
Einst Mittelpunkt der Eurokrise im Jahr 2011, hat Spanien seither seine Staatsfinanzen konsolidiert. Für 2025 wird ein Haushaltsdefizit unterhalb der Maastricht-Grenze von 3 % des BIP erwartet – eine Marke, von der andere große EU-Staaten weit entfernt sind.
Auch der Anleihemarkt würdigt die Entwicklung: Spanien finanziert sich derzeit günstiger als Frankreich, und der Zinsabstand zum deutschen Bund (Bono-Bund Spread) ist auf dem niedrigsten Stand seit 2009.
Wachstumsinsel im stagnierenden Europa
Während Deutschland und Frankreich derzeit wirtschaftlich stagnieren, glänzt Spanien mit robustem Wachstum – angetrieben von mehreren strukturellen Faktoren:
Tourismusboom nach der Pandemie
Dynamischer Arbeitsmarkt, unterstützt durch Zuwanderung
Milliardenzuflüsse aus dem EU-Wiederaufbauplan (Next Generation EU)
Günstigere Energiepreise, da Spanien weniger abhängig vom Gas ist als viele Nachbarn
Diese Mischung veranlasste die spanische Regierung kürzlich dazu, ihre Wachstumsprognose für 2025 auf 2,7 % anzuheben. Zum Vergleich: Deutschland wird laut aktuellen Schätzungen lediglich um 0,2 % wachsen, Frankreich um 0,8 %.
Ratingagenturen honorieren Spaniens Stabilität
Der Aufschwung bleibt auch den Ratingagenturen nicht verborgen: Moody’s und Fitch hoben am Freitag ihre Bonitätsnoten für Spanien auf „A3“ bzw. „A“ an. Bereits Anfang des Monats hatte S&P Global das spanische Rating um eine Stufe auf „A+“ verbessert.

















