Während der Bullenmarkt in den USA nunmehr ins vierte Jahr geht und die Wall Street weiter Rekordstände verzeichnet – getragen von der KI-Euphorie und einer Handvoll Mega-Caps –, hat sich 2025 das Kräfteverhältnis verschoben: Die Schwellenländer führen erstmals seit Jahren die Performance-Ranglisten an. So gewinnt der MSCI Emerging Markets im laufenden Jahr 30 %, während der S&P 500 auf ein Plus von 15 % kommt.

Der Löwenanteil dieser Entwicklung entfällt auf die asiatischen Märkte – und dort wiederum auf eine sehr enge Auswahl von Titeln.
Laut Berechnungen der Financial Times stammen 50 % der Jahresperformance des Hang Seng Index von nur sechs großen Technologiewerten, darunter etwa Alibaba und Xiaomi. In Südkorea ist die Konzentration noch ausgeprägter: Samsung Electronics und SK Hynix sind allein für 40 % der Gewinne des Kospi verantwortlich – jenes Index, der 2025 mit einem Zuwachs von 67 % bislang der Top-Performer unter den entwickelten Märkten ist.
Die höchste Konzentration jedoch findet sich in Taiwan: Der Markt wird nahezu allein vom Halbleitergiganten TSMC getragen, dessen Marktkapitalisierung sich auf knapp 1.300 Milliarden US-Dollar beläuft. TSMC steuert mehr als die Hälfte der Kursgewinne des TSEC 50 bei.
Damit weisen die asiatischen Märkte inzwischen die gleichen strukturellen Schwächen wie die Wall Street auf: Eine hohe Indexkonzentration, getrieben durch eine Handvoll KI-naher Unternehmen.
Der Aufschwung der Schwellenländer ist daher weniger Ausdruck einer breiten Umschichtung seitens der Investoren, sondern vielmehr eine Fortsetzung der KI-Wette mit anderen Protagonisten – oftmals Zulieferer oder Technologiepartner der großen US-Konzerne. Der Unterschied: etwas moderatere Bewertungen. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des technologiegetriebenen Hang Seng Index aktuell bei etwa 20, während der Nasdaq 100 mit dem Faktor 35 bewertet wird.
Fazit: Die Verflechtung zwischen US-Börsen und Schwellenländern ist hoch. Eine Kurskorrektur an der Wall Street – etwa aufgrund von Bewertungsängsten – würde mit hoher Wahrscheinlichkeit spiegelbildlich auch die asiatischen Märkte treffen. Der Aufstieg der Schwellenländer bleibt daher eng an die Entwicklung der US-Tech-Elite gekoppelt.


















