Indien und Kanada wollen bis Ende dieses Jahres ein Freihandelsabkommen abschließen, sagte Premierminister Mark Carney am Montag während seines ersten Besuchs in Neu-Delhi. Beide Länder versuchen damit, jahrelange diplomatische Spannungen zu überwinden und die wirtschaftlichen Beziehungen wieder auf Kurs zu bringen.

Neu-Delhi und Ottawa hoffen, den bilateralen Handel bis 2030 auf 50 Milliarden US-Dollar zu steigern, erklärte der indische Premierminister Narendra Modi bei einem gemeinsamen Auftritt mit Carney vor der Presse. Im Jahr 2024-25 lag das Handelsvolumen bei knapp 9 Milliarden US-Dollar.

Die beiden Seiten haben sich laut indischem Außenministerium auf die Grundsätze einer umfassenden Wirtschaftspartnerschaft geeinigt.

Ebenfalls vereinbart wurde ein Uran-Geschäft im Wert von 2,6 Milliarden kanadischen Dollar (1,9 Milliarden US-Dollar). Zudem wollen beide Länder beim Bau von kleinen modularen Kernreaktoren und fortschrittlichen Reaktoren zusammenarbeiten. "Im Bereich der zivilen Kernenergie haben wir ein wegweisendes Abkommen für die langfristige Uranlieferung abgeschlossen", sagte Modi.

Die indische Regierung und das kanadische Unternehmen Cameco haben ein Uranlieferabkommen unterzeichnet, um Indiens nukleare Ambitionen zu unterstützen und auf eine saubere, zuverlässige Grundlastversorgung hinzuarbeiten, fügte Carney hinzu.

Die Beziehungen zwischen Indien und Kanada hatten sich 2023 deutlich verschlechtert, nachdem der damalige Premierminister Justin Trudeau Indien eine Verwicklung in die Ermordung eines kanadischen Sikh-Separatisten vorgeworfen hatte. Neu-Delhi wies diese Anschuldigungen als "absurd" zurück.

Der Streit eskalierte und führte zur Ausweisung von Diplomaten sowie zum Einfrieren der Handelsgespräche.

Carneys viertägiger Indien-Besuch zielt darauf ab, die Beziehungen neu zu gestalten, da beide Länder bestrebt sind, den Handel angesichts von US-Zollankündigungen vom amerikanischen Markt zu diversifizieren und die Zusammenarbeit in Bereichen wie sauberer Energie, kritischen Mineralien und landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten zu vertiefen.

Indien schloss im Januar ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union ab, während die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über ein geplantes Abkommen kürzlich pausiert wurden. Man hofft, diese wieder aufzunehmen, sobald nach der Aufhebung der Zölle von Präsident Donald Trump mehr Klarheit herrscht.

(1 US-Dollar = 1,3653 Kanadische Dollar)