Berlin, 09. Jun (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal nur in zwölf der 16 Bundesländer gewachsen. Die stärksten Anstiege des Bruttoinlandsproduktes verzeichneten Berlin und Brandenburg mit jeweils 0,9 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (jeweils 0,8 Prozent), wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seinen Berechnungen mitteilte. In Nordrhein-Westfalen hingegen schrumpfte die Wirtschaft um 0,1 Prozent. Da einige norddeutsche Bundesländer im vergangenen Jahr ein kräftiges Wachstum verbuchten, fiel die Entwicklung dort zu Jahresbeginn schwächer aus: In Schleswig-Holstein und Hamburg ging die Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent zurück, in Niedersachsen um 0,2 Prozent.

"Insbesondere die Industrie ist stark in das Jahr gestartet, wovon einige Bundesländer stärker profitieren als andere", fasste Ifo-Konjunkturexperte Robert Lehmann die Ergebnisse zusammen. "Jedoch belasten die im Zuge des Iran-Krieges stark gestiegenen Preise das Wachstum." Die deutsche Wirtschaft insgesamt schaffte im ersten Quartal ein Wachstum von 0,3 Prozent, während die Euro-Zone um 0,2 Prozent schrumpfte.

Spürbare Impulse kommen aus den erhöhten staatlichen Ausgaben für Verteidigung. "Die Standorte mit einer ausgeprägten Rüstungsindustrie in Nord- und Westdeutschland profitieren in erheblichem Umfang von der Aufrüstung und Erneuerung des Verteidigungssektors", sagte Lehmann. Allerdings macht sich auch der Strukturwandel in der Industrie bemerkbar, von dem die Bundesländer ganz unterschiedlich erfasst werden. So ist die wirtschaftliche Erholung in Nordrhein-Westfalen verhalten, wo die Bedeutung der Industrie spürbar zurückgegangen ist.

In Mecklenburg-Vorpommern stieg die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent. Die Wirtschaft in Bayern und Sachsen-Anhalt legte um jeweils 0,3 Prozent zu, jene im Saarland und in Bremen um 0,2 Prozent.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Ralf Banser - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)