Nach der jüngsten Aufwärtsbewegung startet der US-Aktienmarkt schwächer: Der Dow Jones liegt 0,35 % im Minus, auch der S&P 500 und Nasdaq 100 notieren im roten Bereich. Der Stimmungsumschwung spiegelt die wieder aufgeflammten Spannungen im Konflikt zwischen den USA und Iran wider: die Beschlagnahmung von Schiffen durch Teheran in der Straße von Hormus, die Forderung nach Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen sowie die Bemühungen des Weißen Hauses, eine Waffenruhe ohne echte Lösung aufrechtzuerhalten – all das belastet die Anleger.

Vor diesem Hintergrund ist auch erklärbar, warum der Brent-Ölpreis wieder über die Marke von 100 USD je Barrel gestiegen ist, während auch WTI anzieht. Investoren reagieren zunehmend auf die Möglichkeit, dass selbst bei einem Abflauen der Kampfhandlungen die wirtschaftlichen Schäden fortbestehen werden.

Gleichwohl lohnt ein Blick auf die Relationen: Die Wall Street hat den Vortag deutlich im Plus beendet. Der S&P 500 gewann 0,9%, der Nasdaq 1,5% – beide Indizes markierten neue Rekordstände. Seit Jahresbeginn liegt der breite US-Index damit 2026 rund 4,3% im Plus, während sein europäisches Pendant um 3,7% zugelegt hat.

Diese Widerstandsfähigkeit steht in einem auffälligen Kontrast zum aktuellen Gewinnumfeld. Auf dem Papier verläuft die Berichtssaison solide: Rund 85% der bislang berichtenden Unternehmen im S&P 500 haben die Erwartungen übertroffen. Unter normalen Umständen wäre das ausreichend, um die Märkte zu stützen. Doch Investoren stellen zunehmend eine grundlegende Frage: Wie aussagekräftig sind Ergebnisse, die lediglich den ersten Monat einer deutlich größeren Störung abbilden? Sollten sich die realwirtschaftlichen Effekte des Konflikts erst allmählich über Lieferketten, Energiemärkte, Auftragseingänge, Flugpläne und Konsumbudgets entfalten, könnten rückblickende Kennzahlen weniger beruhigend sein, als sie erscheinen.

Diese Spannung zeigt sich auch in den Unternehmensmeldungen. Tesla übertraf zwar die Erwartungen, doch die Aktie geriet unter Druck, da sich Investoren auf die stark steigenden Investitionsausgaben konzentrieren. Elon Musk treibt die Expansion in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Robotik und Halbleiter weiter voran – mit entsprechend hohen Kosten. Bereits zu Jahresbeginn hatten Märkte befürchtet, dass US-Konzerne zu viel in KI investieren, ohne dass der wirtschaftliche Nutzen klar absehbar ist. Diese Sorge ist nie ganz verschwunden und rückt nun erneut in den Fokus. IBM gab nach, belastet von einem schwächeren Umsatzwachstum, insbesondere im Softwaregeschäft. Auch Microsoft und Adobe notierten leichter. ServiceNow brach deutlich ein, nachdem das Unternehmen gewarnt hatte, dass eine Übernahme die Margen belasten werde.

Auch andernorts zeigt sich ein gemischtes Bild. Lockheed Martin verlor an Wert, ebenso Honeywell nach Vorlage von Zahlen. Southwest Airlines warnte, dass steigende Kerosinpreise die Gewinnprognosen unter Druck setzen.

Gleichzeitig gibt es auch Gewinner – ein Hinweis darauf, dass Investoren selektiver agieren und nicht schlicht pessimistischer werden. Texas Instruments legte zu, nachdem der Ausblick die Erwartungen übertraf. Dow gewann nach einem geringeren Verlust als befürchtet. American Express überzeugte mit steigenden Gewinnen und Umsätzen.

Vor diesem Hintergrund richten sich die Blicke nun verstärkt auf die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie neue Industriedaten. Investoren versuchen abzuschätzen, in welchem Ausmaß die gestiegenen Energiepreise bereits Spuren in der Realwirtschaft hinterlassen.

Dax gibt erneut nach - SAP vor Zahlen unter Druck, Infineon mit Rally

Am deutschen Aktienmarkt ging es am Donnerstag den vierten Handelstag in Folge abwärts. Der Rückgang fiel am frühen Nachmittag mit 0,2% beim Dax auf 24.145 Punkte allerdings moderat aus. Der MDax verlor 1,3% auf 30.765 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 0,4%.

Mit der Fahrt aufnehmenden Berichtssaison rückte SAP in den Fokus. Europas größter Softwarekonzern legt am Donnerstagabend Geschäftszahlen vor. Die Anleger hielten sich im Vorfeld zurück. Die SAP-Aktien gaben am Dax-Ende 3,4% nach.

An die Spitze des Dax setzten sich erneut Infineon. Die Aktien knüpften an ihre Rally an und stiegen erstmals seit 2000 wieder über die Marke von 50 Euro. Rückenwind kam von starken Geschäftsausblicken der Halbleiterkonzerne STMicro und Texas Instruments. Für Infineon ging es um gut 6% nach oben.

Deutlich unter Druck standen dagegen Sartorius und Flatexdegiro. Sartorius sackten nach Vorlage der Quartalszahlen um 7% ab, nachdem die Ergebnisse die Erwartungen verfehlt hatten und die Aktie zuletzt bereits stark gelaufen war. Flatexdegiro verloren nach der Quartalsbilanz fast 9%. Positiv fielen dagegen Stabilus mit einem Plus von 5,2% nach guter Umsatz- und Margenentwicklung im ersten Quartal sowie RTL Group mit einem Aufschlag von 1,7% auf, nachdem Sky Deutschland übernommen werden darf.