Die HOCHTIEF AG, gegründet 1873 mit Sitz in Essen, ist eine global tätige Bau-Holdinggesellschaft. Über Tochterfirmen wie Turner Construction, Flatiron Construction, CIMIC Group und Hochtief Infrastructure betreut der Konzern Großprojekte in den Bereichen Verkehr, Energie, urbane Infrastruktur und Bergbau – mit Aktivitäten in Nord- und Südamerika, Asien-Pazifik sowie Europa. Das Unternehmen gehört mehrheitlich zur spanischen ACS-Gruppe.

Strategische Weichenstellung im Lithiumsektor

HOCHTIEF hat seine Partnerschaft mit Vulcan Energy vertieft, um das 2-Milliarden-Euro-Projekt „Lionheart“ im Oberrheingraben umzusetzen – das künftig größte Lithium-Fördervorhaben Europas. Die Bedeutung dieser Kooperation liegt auf der Hand: HOCHTIEF verschafft sich einen Schlüsselplatz in der europäischen Wertschöpfungskette für kritische Rohstoffe. Das Projekt soll jährlich 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid produzieren – genug für rund 500.000 Batterien von Elektrofahrzeugen – und so die Importabhängigkeit der EU bei Lithium verringern.

Dynamisches Wachstum und operative Stärke

Zwischen den Geschäftsjahren 2021 und 2024 erzielte HOCHTIEF ein starkes Wachstum: Der Umsatz legte im Schnitt um 15,9 % pro Jahr zu und erreichte 2024 insgesamt 33,3 Mrd. €. Getrieben wurde diese Entwicklung durch organisches Wachstum, gezielte Übernahmen und eine stärkere Präsenz in infrastrukturell relevanten Märkten. Das EBITDA wuchs im selben Zeitraum um 18,3 % pro Jahr auf 953 Mio. €, bei einer Margenverbesserung um 17 Basispunkte auf 2,9 %.

Auch die Finanzkennzahlen entwickelten sich positiv: Der Free Cashflow stieg von 240 Mio. € auf 381 Mio. €, der operative Cashflow von 387 Mio. € auf 2,1 Mrd. €. Die liquiden Mittel kletterten von 4,9 Mrd. € auf 6,5 Mrd. €.

Zum Vergleich: Wettbewerber Bilfinger SE kam im gleichen Zeitraum auf ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 10,5 % auf 5,0 Mrd. € sowie ein EBITDA-Wachstum von 26,9 % auf 296 Mio. €, wobei sich die EBITDA-Marge von 4,0 % auf 5,9 % erhöhte.

Starker Kursanstieg – und Bewertung auf hohem Niveau

HOCHTIEFs Aktie verzeichnete innerhalb der letzten zwölf Monate ein Plus von rund 162,1 %. Zum Vergleich: Bilfinger legte im selben Zeitraum um 132,7 % zu. Die Dividende belief sich 2024 auf 5,20 € pro Aktie, entsprechend einer Rendite von 4,0 %.

Aktuell notiert HOCHTIEF mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 30,0 – auf Basis der erwarteten Gewinne für 2025 (11,10 € je Aktie). Damit liegt das KGV deutlich über dem 3-Jahres-Durchschnitt von 11,6x und über dem aktuellen Bewertungsniveau von Bilfinger (20,4x). Auch beim EV/EBITDA-Multiple liegt HOCHTIEF mit 11,7x auf Basis des erwarteten EBITDA von 2,2 Mrd. € klar über dem historischen Schnitt (4,6x) und Bilfinger (8,8x).

Von den sieben analysierenden Häusern empfehlen zwei die Aktie zum Kauf, fünf raten zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 284,70 €, was dem aktuellen Kursniveau entspricht. Erst eine kurzfristige Kurskorrektur könnte neue Einstiegschancen eröffnen.

Die Konsensprognosen sehen für HOCHTIEF einen EBITDA-Zuwachs von 13,4 % jährlich bis 2027, mit einem Anstieg der Marge um 20 Basispunkte auf 5,8 %. Der Nettogewinn soll mit einer CAGR von 14,4 % auf 1,2 Mrd. € steigen. Auch bei Bilfinger erwarten Analysten ein EBITDA-Wachstum von 11,6 % p.a. und ein Nettoergebniswachstum von 13,9 %.

Fazit: Starkes Momentum, aber Risiken bleiben

HOCHTIEFs dynamische Entwicklung, die Rolle als Schlüsselakteur der europäischen Energiewende und die beeindruckende Kursperformance machen den Konzern zweifellos zu einem spannenden Investment. Auch wenn das aktuelle Kursniveau wenig Spielraum nach oben lässt, könnten Rücksetzer attraktive Einstiegspunkte bieten.

Dennoch sollten Investoren die Risiken im Blick behalten: Hohe Verschuldung, Herausforderungen bei der Projektabwicklung, Währungsvolatilitäten, Integrationsrisiken bei Übernahmen sowie die starke Abhängigkeit vom Mutterkonzern ACS bergen Unsicherheiten.