Am Mittwoch schienen die Aktienmärkte erneut auf dem Weg nach oben, gestützt durch einen leichten Rückgang der Ölpreise und die Hoffnung, dass sich Investoren allmählich an eine Welt gewöhnen, in der Brent-Rohöl über 100 Dollar je Barrel notiert, ohne sofort Panik auszulösen. Eine moderate Entspannung beim Ölpreis, begünstigt durch eine Vereinbarung zur Umleitung eines Teils der irakischen Exporte über den türkischen Hafen Ceyhan, erinnerte die Händler daran, dass nicht jeder geopolitische Schock in einer ausgewachsenen Versorgungskatastrophe mündet. Brent scheint knapp über der Marke von 100 Dollar einen Boden gefunden zu haben, hat jedoch vorerst auch seinen steilen Anstieg gestoppt. Allein das machte Risikoanlagen wieder leichter investierbar.

Diese Stimmung kippte nach den jüngsten Erzeugerpreisdaten. Die US-Erzeugerpreise stiegen im Februar um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr und um 0,7 % gegenüber dem Vormonat – beide Werte lagen deutlich über den Erwartungen. Die zuvor leicht positiven Futures auf Aktienindizes drehten nach Veröffentlichung der Daten ins Minus: Dow-Jones-Futures verloren 0,4 %, S&P-500-Futures 0,3 % und Nasdaq-100-Futures ebenfalls 0,4 %. Die Reaktion spiegelt die unmittelbare Sorge des Marktes wider: Der Inflationsdruck auf vorgelagerter Ebene bleibt höher als erhofft, was es schwieriger macht, auf eine weniger restriktive Fed zu setzen.

Technologiewerte hatten zuvor bereits Rückenwind erhalten, da neue Signale darauf hindeuteten, dass der Boom rund um künstliche Intelligenz weiterhin Dynamik besitzt. Nvidia und AMD legten vorbörslich zu. In Asien trieben Halbleiterwerte eine breitere Rally an. Auch Europa eröffnete fester. Was die Märkte derzeit zeigen, ist weniger Optimismus als vielmehr Anpassungsfähigkeit. Doch der PPI-Bericht machte deutlich, dass diese Anpassung an ihre Grenzen stößt, sobald Inflationsdaten wieder stärker ins Gewicht fallen.

All dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem die Fed ihre zweitägige Sitzung abschließt. Es wird erwartet, dass Jerome Powell die Zinsen unverändert in einer Spanne von 3,50 % bis 3,75 % belässt. Seit Monaten wünschen sich Investoren eine einfache Erzählung. Entweder ist die Wirtschaft stark genug, um höhere Ölpreise zu verkraften, oder sie steuert auf eine Stagflation zu, wie sie in den 1970er-Jahren zu beobachten war. Entweder wird die Fed die Zinsen senken, um das Wachstum zu stützen, oder sie bleibt restriktiv, um die Inflation einzudämmen.

Die Wahrheit ist – und das ist unerquicklich –, dass alle diese Narrative einen Teil der Realität widerspiegeln. Genau das mögen Märkte nicht: Sie bevorzugen klare Kategorien, doch die aktuelle Lage bietet keine. Das erklärt das ungewöhnliche Verhalten der vergangenen beiden Handelstage. Der europäische STOXX 600 legte zu und kletterte wieder über die Marke von 600 Punkten. Der S&P 500 verzeichnete ebenfalls einen weiteren Anstieg, verlor jedoch im Verlauf an Dynamik. Investoren waren bereit, Aktien zu kaufen, doch die stärkste Überzeugung zeigte sich weiterhin bei Energiewerten.

Powell steht nun vor der undankbarsten Aufgabe der globalen Finanzwelt: zu erklären, wie Geldpolitik gesteuert werden soll, wenn alle üblichen Indikatoren in unterschiedliche Richtungen weisen. Das grundlegende Handbuch der Zentralbanken ist eigentlich simpel. Bei moderater Inflation und nachlassendem Wachstum werden die Zinsen gesenkt. Bei hoher Inflation und starkem Wachstum werden sie angehoben. Doch die USA befinden sich in einem unangenehmen Zwischenzustand. Die Inflation bleibt erhöht und könnte durch Energiepreise erneut anziehen. Die Zinsen sind bereits hoch. Das Wachstum wirkt fragiler. Der Arbeitsmarkt verliert etwas von seiner früheren Dynamik. Die überraschend hohen PPI-Daten fügen eine weitere Komplikation hinzu, da sie darauf hindeuten, dass der Preisdruck auf vorgelagerter Ebene nicht so schnell nachlässt, wie es sich die Notenbank wünscht.

Die Märkte haben bereits begonnen, ihre Erwartungen anzupassen. Noch vor einer Woche rechneten Händler für 2026 mit null bis maximal einer Zinssenkung. Inzwischen tendieren sie eher zu ein bis zwei Senkungen. Die Renditen von US-Staatsanleihen sind entsprechend gesunken. Doch selbst diese Verschiebung zeugt weniger von Zuversicht als von Unsicherheit. Investoren erkennen keinen klaren Pfad. Stattdessen setzen sie kleinere Wetten auf mehrere mögliche Szenarien. Die PPI-Überraschung erinnert daran, dass die Fed selbst bei nachlassendem Wachstum zögern könnte, rasch zu handeln, sofern die Inflation weiter aus dem Ruder läuft.

Die Rückkehr Donald Trumps ins Amt hat die Risikoprämie an den Märkten spürbar erhöht. Investoren müssen nun nicht nur Inflation, Wachstum und Unternehmensgewinne bewerten, sondern auch die Unberechenbarkeit eines Präsidenten einpreisen, der Institutionen als Gegner behandelt, Außenpolitik wie einen Loyalitätstest führt und den Fed-Vorsitzenden als wiederkehrenden Gegenspieler in seinem persönlichen Drama inszeniert.

Gleichzeitig verdüstert sich das Gesamtbild weiter. Israels Vorgehen gegen führende iranische Akteure deutet darauf hin, dass Diplomatie in diesem Konflikt nicht die treibende Kraft ist. Die Auseinandersetzung bedroht weiterhin die Energieversorgung und die globale Inflation. Japans Premierministerin reist nach Washington und wird erklären müssen, warum Tokio nicht bereit ist, seine Marine in diesen Konflikt einzubinden. Die Bank of Canada dürfte ihre Geldpolitik unverändert lassen, während sie denselben unangenehmen Zielkonflikt abwägt, mit dem auch die Fed konfrontiert ist: Höhere Energiepreise treiben die Inflation und schwächen gleichzeitig die Nachfrage.

Für die Märkte ist die Botschaft des PPI-Berichts relativ klar: Er beendet die Risiko-Rally nicht, erschwert jedoch die Rechtfertigung dafür, gleichzeitig in alle Anlageklassen hoch bewertet einzusteigen. Für die Wirtschaft ist er ein weiteres Signal, dass die Inflation hartnäckig bleiben könnte, selbst wenn das Wachstum an Schwung verliert – genau jene Kombination, die Zentralbanker und Anleger gleichermaßen nervös macht.

Steigende Ölpreise bremsen Dax-Erholung – Hellofresh stürzt auf Rekordtief

Erneut anziehende Ölpreise haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Mittwoch verschreckt. Der Dax brach seinen Erholungsversuch ab und rutschte wieder ins Minus. Am Nachmittag verlor der Leitindex 0,4 Prozent auf 23.640 Punkte. Der MDax, in dem mittelgroße Werte gebündelt sind, gab den Großteil seiner Gewinne wieder ab und legte nur noch um 0,3 Prozent auf 29.572 Zähler zu. Auch an den übrigen europäischen Börsen zeigte sich ein ähnliches Bild.

Im Fokus standen erneut vor allem Werte aus der zweiten und dritten Reihe. Im MDax gewann Aumovio 2,5 Prozent, obwohl Zahlen und Jahresprognose des Autozulieferers lediglich den Erwartungen entsprachen. Analysten hoben jedoch einhellig den starken freien Barmittelzufluss hervor. TAG Immobilien verteuerten sich um 2,4 Prozent, nachdem der Konzern dank der anhaltend hohen Wohnungsnachfrage im vergangenen Jahr von besseren Geschäften profitiert und seine im November angehobenen Gewinnziele übertroffen hatte.

Im SDax fielen die Aktien des Kochboxenversenders Hellofresh derweil auf ein Rekordtief von unter 4 Euro und verloren zuletzt 13 Prozent. Das Management stellt für das laufende Jahr weitere Rückgänge bei Umsatz und operativem Ergebnis in Aussicht und blieb damit sogar unter den ohnehin gedämpften Analystenerwartungen. Für Bewegung sorgten zudem Analystenkommentare: Morgan Stanley stufte Heidelberg Materials gleich um zwei Noten von „Underweight“ auf „Overweight“ hoch, was den Dax-Wert um 3,3 Prozent steigen ließ. Fielmann rückten mit einem Plus von 3,8 Prozent an die Spitze des MDax. Nach Einschätzung der Bank of America sind die Risiken für einen Einstieg gesunken, während das Umsatzziel für 2030 noch nicht vollständig im Kurs berücksichtigt sei und sich das Wachstum in den USA beschleunige.