Die Investitionen, die Heineken Anfang der 2000er-Jahre in aufstrebenden Märkten tätigte, zahlen sich nun zunehmend aus: Die Regionen Asien-Pazifik sowie Afrika und Nahost konnten die rückläufigen Verkaufszahlen und Gewinne in Europa, Nordamerika und Brasilien teilweise kompensieren. Insgesamt entfallen immer noch zwei Drittel des Absatzvolumens auf diese drei letztgenannten Märkte.

Dabei zahlt sich die Premiumstrategie der Kernmarke Heineken insbesondere in Schwellenländern aus. Das Unternehmen konnte dort Preiserhöhungen durchsetzen, ohne nennenswerte Einbußen beim Absatz zu verzeichnen. Entscheidender Erfolgsfaktor ist dabei das Engagement in China: Heineken hält 20 % an China Resources Beer, dem führenden staatlichen Braukonzern des Landes – ein strategisch zentraler Hebel.

Diese Fortschritte können jedoch die strukturellen Herausforderungen in den etablierten Märkten nicht vollständig kompensieren. In Europa machen sich zunehmend gebündelte Einkaufsallianzen des Handels bemerkbar, die den Margendruck auf Brauereien erhöhen. In den USA schlagen wiederum neue, belastende Importzölle durch – in einem besonders preissensiblen Marktumfeld.

Die Lage in der gesamten Region Amerikas ist besorgniserregend: In Brasilien und den Vereinigten Staaten ging der Umsatz zuletzt um 12 % zurück, das operative Ergebnis sank gar um 14,6 %. Und das, obwohl die Absatzmengen weitgehend stabil blieben – der starke Euro gegenüber dem Dollar war hier ein zusätzlicher Gegenwindfaktor.

Insgesamt verzeichnete Heineken einen Umsatzrückgang von 4,4 % im ersten Halbjahr. Auch der freie Cashflow stand unter Druck – wenngleich das Management eine Normalisierung für das zweite Halbjahr in Aussicht stellt. Im Vorjahr hatte der Konzern noch 3 Mrd. € an Free Cashflow generiert. Mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von rund 40 Mrd. € erscheint die Bewertung des Unternehmens unter diesem Aspekt durchaus vertretbar.

Die Analysten von MarketScreener rechnen zudem mit einer Erhöhung der Kapitalrückflüsse an die Aktionäre – in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen. In den vergangenen fünf Jahren hatte Heineken lediglich rund die Hälfte seines freien Cashflows an seine Anteilseigner ausgeschüttet – möglicherweise, um sich finanziellen Spielraum für eine neue Übernahmeoffensive zu verschaffen.

Doch angesichts der moderaten Bewertung könnte sich der Rückkauf eigener Aktien derzeit als attraktivste Option erweisen. In einem zunehmend unbeständigen globalen Handelsumfeld dürfte so mancher Investor diese Strategie aktiv unterstützen.