Berlin/Tel Aviv, 16. Feb (Reuters) - Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen setzt auf grünes Licht der Behörden für den milliardenschweren Kauf der israelischen Containerreederei ZIM.
"Die Chancen stehen gut, dass wir die Zustimmung bekommen", sagte Habben Jansen am Montag bei einer Online-Pressekonferenz. Der Hamburger Konzern übernimmt die israelische Rivalin in einem insgesamt rund 4,2 Milliarden Dollar schweren Deal. Mit Blick auf den Aufschlag von 58 Prozent auf den ZIM-Schlusskurs vom Freitag sagte Habben Jansen, es werde sicher kein niedriger Preis gezahlt. "Aber wir glauben, dass die Prämie gerechtfertigt ist." Er verspricht Synergien von jährlich 300 bis 500 Millionen Dollar und eine gute Ergänzung der Hapag-Lloyd-Liniendienste.
ZIM ist die zehntgrößte Containerreederei weltweit, Hapag-Lloyd die Nummer fünf. Hapag-Lloyd erklärte weiter, der Traditionskonzern werde nach dem Zukauf eine Flotte von über 400 Schiffen, eine Kapazität von mehr als drei Millionen Standardcontainern (TEU) und ein jährliches Transportvolumen von mehr als 18 Millionen TEU haben. Damit rückt Hapag an die viertgrößte Reederei Cosco aus China heran, bleibt aber nach Angaben der Hamburger hinter ihr zurück. Weltgrößte Reederei ist MSC mit Sitz in der Schweiz, Nummer zwei ist der dänische Hapag-Lloyd Partner Maersk. Beide sollen Medienberichten zufolge auch Interesse an ZIM angemeldet haben.
Den Zuschlag bekam aber Hapag-Lloyd. Doch das am Montag besiegelte Geschäft steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den israelischen Staat, der über Sonderrechte bei ZIM Integrated Shipping Services verfügt. Dies sei ein besonderer Fall, räumte der Hapag-Lloyd-Chef vor der Presse ein. Aber auch hier gebe es durch die Zusammenarbeit mit dem israelischen Finanzinvestor Fimi Opportunity Funds eine gute Lösung. So soll eine von Fimi kontrollierte Firma die aus diesen staatlichen Privilegien resultierenden Verpflichtungen übernehmen. Zu diesem Zweck sollen von Hapag-Lloyd oder ZIM unter anderem zwölf Schiffe auf diese Firma übertragen werden.
HABBEN JANSEN: KONTAKT ZU BÜRGERMEISTER VON HAIFA
Bei ZIM-Beschäftigten stieß die Übernahme keineswegs auf Gegenliebe: Sie traten in den Streik. Ein ZIM-Vertreter erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Nachricht von der Übernahme habe die Belegschaft zum Ausstand am ZIM-Sitz in Haifa veranlasst. Auch bei der Stadtverwaltung regte sich Widerstand. Bürgermeister Jona Jahaw erklärte gegenüber Reuters, dass er gegen den Verkauf sei. Er verwies auf die "strategische Bedeutung" von ZIM für Israels Wirtschaft und Sicherheit und forderte die Regierung auf, die Transaktion zu stoppen.
Habben Jansen erklärte, man habe zum Bürgermeister Kontakt aufgenommen und verstehe die Bedenken der Belegschaft. Es werde viel erklärt, was genau der Plan sei. Er hoffe, dass dies zu einem besseren Verständnis beitrage.
Bei dem Geschäft sind aber auch politische Auswirkungen zu berücksichtigen. So hatte Hapag erst vor etwa zwei Wochen Fahrten durch das Rote Meer und den Suezkanal wieder aufgenommen. Die Reederei und die meisten Konkurrenten hatten diese Route etwa zwei Jahre lang wegen der Angriffe jemenitischer Huthi-Rebellen gemieden. Diese hatten als Reaktion auf den Gaza-Krieg vor allem Frachter mit Israel-Bezug ins Visier genommen. Habben Jansen sagte dazu, an der Eigentümerschaft des Hamburger Unternehmens ändere sich nichts, da Hapag-Lloyd ZIM kaufe.
An Hapag-Lloyd halten auch die Staatsfonds von Katar und Saudi-Arabien Aktienpakete von je mehr als zehn Prozent. Der Aufsichtsrat habe grünes Licht gegeben, betonte Habben Jansen. Die Stadt Hamburg hält fast 14 Prozent, Großaktionäre sind mit je 30 Prozent die chilenische Reederei CSAV und der aus Hamburg stammende Milliardär Klaus-Michael Kühne. Der Streubesitz beträgt nur 3,6 Prozent.
(Unter Mitarbeit von Ludwig Burger und Hakan Ersen, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
- von Elke Ahlswede und Steven Scheer


















