Exakt vor zwölf Monaten, als die Bewertung des größten europäischen Softwareherstellers die Grenzen der Vernunft deutlich überschritt, warnten wir vor einer offensichtlichen Überhitzung und einem akuten Korrekturrisiko.

Eine gut begründete Warnung, denn die Marktkapitalisierung von SAP ist seit dem 29. Januar vergangenen Jahres tatsächlich um rund ein Drittel geschrumpft. Belastet wurde der Titel unter anderem durch die plötzlich aufkommenden Sorgen der Investoren, die im Aufkommen der Künstlichen Intelligenz eine Bedrohung für die Wettbewerbsposition sämtlicher Softwareanbieter sehen.

Die heute Morgen vorgelegten Ergebnisse des deutschen Konzerns, so sehr sie dem Markt missfallen mögen – die Aktie verlor bereits eine Stunde nach Handelsbeginn rund 13 % –, fallen in der Sache jedoch durchaus solide aus. Vor allem bestätigen sie die Zusagen des Managements aus dem vergangenen Jahr, die wir seinerzeit, das sei eingeräumt, mit einer gewissen Skepsis aufgenommen hatten.

Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz um 8 %, getragen insbesondere von Preiserhöhungen, denen sich die weitgehend gebundene Kundenbasis des Konzerns kaum entziehen kann. Wenig überraschend stammt das Wachstum aus dem Cloud-Segment, dessen Erlöse um 23 % zulegten, während der Bereich Lizenzen und Wartung einen Umsatzrückgang von 9 % verzeichnete.

Diese Entwicklung dürfte den Investoren nicht entgehen, die derzeit den Bewertungsrückgang großer Softwareanbieter aufmerksam verfolgen – insbesondere jener, deren Produktportfolios potenziell von Obsoleszenz bedroht scheinen, wie etwa das einst unantastbare Constellation Software, das in jüngerer Zeit deutlich von seinem Sockel gestürzt ist.

SAP flankiert das kräftige Umsatzwachstum mit spürbaren Kosteneinsparungen, die die operative Marge auf 26,7 % steigen lassen – ein Leistungsniveau, das der Konzern seit 2014 nicht mehr erreicht hatte. Kehrt SAP damit also mit Nachdruck zurück? Hier neigt man dazu, diese Frage zu bejahen.

Auch beim freien Cashflow hält das Management Wort: Das Ziel, diesen binnen Jahresfrist zu verdoppeln, wurde erreicht, auch wenn die internen Berechnungen und Anpassungen der MarketScreener-Analysten auf leicht niedrigere Beträge als die offiziell kommunizierten kommen.

Unstrittig ist jedoch, dass SAP 2,7 Mrd. Euro an Dividenden ausschüttet, 1,9 Mrd. Euro für Aktienrückkäufe aufwendet und 3,2 Mrd. Euro zur Schuldentilgung einsetzt. Damit wird erneut ein Rekordbetrag an Kapital an die Aktionäre zurückgeführt – auch wenn Rückkäufe zu hohen Bewertungen durchaus Stirnrunzeln hervorrufen könnten.

In der langfristigen Betrachtung ist ein weiterer, zentraler Punkt hervorzuheben: Der operative Gewinn des Konzerns hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt, während sich der Unternehmenswert im gleichen Zeitraum verdreifacht hat, bei nahezu unveränderter Anzahl ausstehender Aktien.

Insofern kommt der jüngste Börsensturz keineswegs überraschend. Er führt SAP schrittweise zurück zu Bewertungsmultiplikatoren, die näher an ihrem historischen Durchschnitt liegen, nachdem die Phase ausgeprägter Übertreibung, die mit dem Ende der Pandemie begann und sich über das vergangene Jahr hinweg zog, nunmehr ausläuft.