Guccis Kreativdirektor Demna präsentierte am Samstagabend in New York seine erste Cruise-Kollektion für das italienische Luxushaus. Dabei verwandelte er den Times Square in einen Laufsteg, während der Mutterkonzern Kering versucht, sein schwächelndes Flaggschiff-Label wieder auf Kurs zu bringen.

Die spektakuläre Show, die per Livestream auf den Werbetafeln an einem der meistbesuchten Orte der Welt übertragen wurde, war eine Hommage an die tiefe Verbundenheit von Gucci mit Manhattan. New York war der Ausgangspunkt der internationalen Expansion der Marke; hier eröffnete das italienische Modehaus 1953 sein erstes Geschäft außerhalb Italiens.

Die am Samstag vorgestellte 'GucciCore'-Kollektion 'fühlt sich wie eine Heimkehr für die Marke an', erklärte Demna in einer Stellungnahme.

'Ich wollte das Unmögliche wagen und Gucci ins Zentrum dieser Metropole rücken', fügte er hinzu.

Cindy Crawford und der ehemalige Football-Star Tom Brady gehörten zu den Models, die Demnas vielseitige Entwürfe - von Business-Anzügen und Trenchcoats bis hin zu bodenlangen Abendkleidern - vor einem prominenten Publikum, darunter Anna Wintour und Mariah Carey, präsentierten.

Die Bandbreite der Kollektion spiegele die 'Vielzahl der Stile wider, die sich wie die Straßen der Stadt kreuzen', so Demna.

Cruise-Kollektionen, die einst auf reine Resort-Mode beschränkt waren, werden heute oft an Orten inszeniert, die es den Marken erlauben, ihre Designs mit einer geografischen Erzählweise zu verknüpfen. Sie finden zusätzlich zum regulären halbjährlichen Modekalender statt.

OFFENSIVE AUF DEM NORDAMERIKANISCHEN MARKT

Die Entscheidung von Gucci, die Show in New York auszurichten, fällt in eine Zeit, in der viele europäische Luxusmarken den nordamerikanischen Markt als Wachstumsmotor ins Visier nehmen. Das französische Modehaus Christian Dior hatte seine Cruise-Kollektion erst diesen Monat in Los Angeles präsentiert.

Die Show folgte auf Demnas Laufsteg-Debüt für das Haus in Mailand im Februar. Der georgische Designer war zehn Jahre lang für die Kering-Marke Balenciaga tätig, bevor er im Juli letzten Jahres die kreative Leitung bei Gucci übernahm. Er trat damit die Nachfolge von Sabato De Sarno an, der die Position zuvor zwei Jahre lang innehatte.

Die Marke Gucci steuert den Großteil des Gewinns des französischen Konglomerats Kering bei, das mit der Ernennung von Demna zum Chefdesigner einen kreativen Neuanfang anstrebte.

Der Umsatz bei Gucci sank im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 8 %, wie der Luxusmodekonzern im April mitteilte. Belastend wirkten sich dabei der Iran-Krieg auf das Konsumverhalten im Nahen Osten sowie Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr aus. Kering bezeichnete die Quartalsergebnisse als 'ersten Schritt' des Erholungsprozesses.

Kering, zu dessen Portfolio auch Yves Saint Laurent und der Juwelier Boucheron gehören, hatte im vergangenen September Luca De Meo zum CEO ernannt, um den Turnaround - insbesondere bei Gucci - voranzutreiben. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die operative Gewinnmarge des Luxuskonzerns mehr als zu verdoppeln und die Attraktivität von Gucci signifikant zu steigern. (Berichterstattung: Danielle Kaye; Redaktion: Jamie Freed)