Die Finanzierung verschafft einem der wenigen verbliebenen Großprojekte für grünen Stahl in Europa eine Atempause. Hohe Investitionskosten und die Herausforderungen bei der Skalierung von grünem Wasserstoff hatten zuletzt dazu geführt, dass mehrere geplante Vorhaben gekürzt werden mussten.
Stegra hatte monatelang versucht, frisches Kapital zu beschaffen, um sein Werk in Nordschweden fertigzustellen.
"Diese Finanzierung spiegelt die starke Überzeugung neuer und bestehender Investoren sowie der Kreditgeber in das Geschäftsmodell von Stegra wider", erklärte CEO Henrik Henriksson in einer Mitteilung.
Die Mittel würden Stegra zudem einen Puffer verschaffen, damit man "eine solche Finanzierungsrunde nicht noch einmal mitten in einem Projekt durchlaufen muss", sagte Henriksson auf einer späteren Pressekonferenz.
KUNDEN ZEIGEN SICH UNBEEINDRUCKT
Henriksson nannte keinen spezifischen Termin für den Produktionsstart, kündigte jedoch ein schrittweises Hochfahren des Betriebs an.
Der Produktionsbeginn war bereits mehrfach verschoben worden; vor der Bekanntgabe dieser Finanzierung war zuletzt das Jahr 2027 anvisiert worden.
Gegenüber Reuters erklärte Henriksson, dass die Kunden von Stegra "nicht sonderlich nervös" seien, was Lieferungen an einem bestimmten Monat oder Tag angehe. Da sie grünen und kohlebasierten Stahl in der Produktion austauschbar verwenden können, unterscheide sich die Situation von anderen Sektoren der Energiewende.
Dies stehe im Gegensatz zu Branchen wie der Batterieherstellung, in denen Kunden wie Elektroautohersteller oft auf termingerechte Lieferungen angewiesen sind, um ihre Produktion hochfahren zu können.
WALLENBERG-DYNASTIE ALS RÜCKENSTÜTZUNG
Europa nimmt eine Vorreiterrolle bei den Bemühungen zur Dekarbonisierung der Stahlherstellung ein, doch jüngste Verunsicherungen am Investitionsmarkt haben Fragen aufgeworfen, wie schnell die Industrie sich von fossilen Brennstoffen lösen kann.
Wallenberg Investments gab bekannt, sich zur Investition von 250 Millionen Euro verpflichtet zu haben, womit die Gesellschaft zum größten Investor bei Stegra aufsteigt. Der Vorsitzende Marcus Wallenberg betonte, das Projekt sei von "klarer Bedeutung für Schweden" und die Gruppe sehe einen "kommerziell tragfähigen Weg nach vorne".
Dem von Wallenberg geführten Konsortium gehören zudem der singapurische Staatsinvestor Temasek und die IMAS Foundation an, ein Investmentarm aus dem IKEA-Umfeld.
Die Familie Wallenberg ist Schwedens einflussreichste Wirtschaftsdynastie und kontrolliert Unternehmen wie SEB, Ericsson, Atlas Copco, Electrolux und Investor AB.
Die neue Finanzierung wurde im Grundsatz vereinbart und steht unter dem Vorbehalt der Kreditgenehmigungen durch die Geldgeber sowie der Finalisierung der Dokumentation, so Stegra.
Die Investoren beabsichtigen zudem, den Wallenberg-Veteranen Leif Johansson als neuen Verwaltungsratsvorsitzenden zu nominieren.
($1 = 0,8500 Euro)




















