Der wichtigste Belastungsfaktor kam vom Ölmarkt. Die Rohölpreise zogen deutlich an, nachdem neue widersprüchliche Signale zum Konflikt zwischen den USA und dem Iran aufkamen. Der WTI-Preis sprang um mehr als 7 % auf über 94 US-Dollar je Barrel, nachdem Berichte aufgekommen waren, wonach Teheran als Reaktion auf die Intensivierung israelischer Militäroperationen im Libanon seine Gespräche mit Washington aussetzen könnte. Dies schürte erneut Sorgen um die Sicherheit der Straße von Hormus und verringerte die Hoffnung auf eine rasche Übergangsvereinbarung, auch wenn Donald Trump erklärte, die Gespräche mit dem Iran würden letztlich erfolgreich verlaufen.
Der Anstieg des Ölpreises belastete mehrere energieintensive Branchen und begrenzte die Marktteilnahme an der Aufwärtsbewegung. Zyklische Konsumwerte (-2,0 %) und Versorger (-2,7 %) gehörten zu den schwächsten Sektoren. Insgesamt schlossen neun der elf Sektoren des S&P 500 im Minus. Auch kleine und mittelgroße Unternehmen entwickelten sich schwächer, was bestätigt, dass sich die Kursgewinne der großen Indizes weiterhin auf eine begrenzte Zahl von Aktien konzentrieren.
Trotz dieses Gegenwinds lieferte der Technologiesektor erneut entscheidende Unterstützung. Nvidia sprang um fast 6 % nach oben, nachdem das Unternehmen seinen neuen RTX Spark Superchip vorgestellt hatte. Dieser markiert einen weiteren Vorstoß des Konzerns in den Markt für KI-fähige PCs und lokale KI-Anwendungen. Microsoft (+2,7 %) legte ebenfalls zu, nachdem der Softwarekonzern eine Partnerschaft mit Nvidia angekündigt hatte, um eine sichere Windows-Plattform für KI-Agenten zu entwickeln, die direkt auf Endgeräten ausgeführt werden. Auch Oracle, Micron und Dell profitierten von der anhaltenden Begeisterung für die KI-Infrastruktur.
Im Fahrwasser dieser Entwicklung setzten mehrere Softwarewerte ihre Erholung fort. Datadog (+12 %) verzeichnete kräftige Kursgewinne, da Investoren das Unternehmen zunehmend als indirekten Profiteur der KI-Einführung betrachten. Hintergrund ist die steigende Nachfrage nach Lösungen zur Überwachung und Analyse komplexer IT-Workloads. Gartner (+10 %) und CDW (+12 %) gehörten ebenfalls zu den stärksten Werten im S&P 500.
Auf der Verliererseite stand Qualcomm (-9 %). Die Vorstellung von Nvidias Arm-basiertem PC-Prozessor verstärkte die Sorge vor einem intensiveren Wettbewerb im Markt für KI-PCs.
Auch mehrere Unternehmensnachrichten sorgten für Bewegung. MGM Resorts (+17 %) schoss nach oben, nachdem das Unternehmen ein Übernahmeangebot für IAC (+2 %) bestätigt hatte. Taylor Morrison Home (+23 %) legte ebenfalls kräftig zu, nachdem Berkshire Hathaway (-1 %) die Übernahme des Unternehmens für 8,5 Mrd. US-Dollar in bar angekündigt hatte. FedEx (-18 %) geriet dagegen deutlich unter Druck, nachdem die Abspaltung von FedEx Freight abgeschlossen worden war und das Unternehmen nun separat an der Börse notiert wird.
Auch wenn die Kursgewinne weiterhin stark konzentriert blieben, kam von der Konjunkturseite Unterstützung. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg im Mai auf 54 Punkte, nach 52,7 Punkten im Vormonat und einer Konsensschätzung von 53 Punkten. Damit verzeichnete die US-Industrie die stärkste Expansion seit Mai 2022. Sowohl Auftragseingänge als auch Produktion und Auftragsbestände legten zu. Dies reichte jedoch nicht aus, um die Marktstärke deutlich über den Technologiesektor hinaus auszuweiten.
Nach dieser erneut von KI-bezogenen Umschichtungen geprägten Sitzung richtet sich der Blick nun auf die Quartalszahlen von Broadcom am Mittwochabend. Die Ergebnisse dürften zu einem wichtigen Stimmungstest für Halbleiterwerte, Softwareunternehmen und die gesamte KI-Investitionskette werden.


















