Zum Handelsschluss am Donnerstag legte der Dow Jones lediglich um 0,05 % auf 50.669 Punkte zu. Der S&P 500 gewann dagegen 0,58 % auf 7.564 Punkte, während der Nasdaq 100 um 0,84 % auf 30.224 Punkte stieg.
Der S&P 500 erreicht sein drittes Rekordhoch in Folge, der Russell 2000 ebenfalls
Auch der Russell 2000 markierte bei 2.944 Punkten einen neuen Höchststand. Der Auslöser bleibt unverändert: die Aussicht auf einen Friedensvertrag innerhalb von 60 Tagen und die Wiederöffnung der Straße von Hormus – inzwischen bereits Folge 26 einer geopolitischen Fortsetzungsgeschichte. Dabei ist der Konflikt auch nach 90 Tagen noch ungelöst, und die Stellungnahmen beider Seiten widersprechen sich seit zwei Monaten regelmäßig.
Die Märkte konzentrieren sich jedoch ausschließlich auf das bestmögliche geopolitische Szenario, wonach letztlich alles friedlich gelöst wird – selbst nach neuen Drohnen- und Raketenangriffen. So notieren die US-Indizes trotz der schwersten Störung der Energieversorgung seit dem Zweiten Weltkrieg, einer Inflationsbeschleunigung im Stil des Jahres 2021 und der höchsten Zinsen seit 19 Jahren inzwischen 10 bis 15 % höher als vor Ausbruch der Krise.
Eigentlich hätten die Tagesdaten – insbesondere die Inflationszahlen – durchaus das Potenzial gehabt, die Anleger zu bremsen. In Kriegszeiten gelten jedoch offenbar andere Regeln.
Die Veröffentlichung einer ganzen Reihe von US-Konjunkturdaten um 14.30 Uhr löste nur begrenzte Marktreaktionen aus. Das reale Bruttoinlandsprodukt der USA wurde für das erste Quartal 2026 in der zweiten Schätzung des Handelsministeriums von 2,0 % auf nur noch 1,6 % auf Jahresbasis nach unten revidiert.
Der von der US-Notenbank besonders genau beobachtete PCE-Preisindex stieg im April um lediglich 0,4 % gegenüber dem Vormonat, während Ökonomen mit 0,5 % gerechnet hatten. Auf Jahressicht lag die Teuerung bei 3,8 % und entsprach damit den Erwartungen. Gegenüber den 3,5 % vom März bedeutet dies zwar eine Beschleunigung, doch an der Wall Street scheint dies die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen nicht zu verstärken.
Deutlich stärker als erwartet entwickelten sich hingegen die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter. Sie stiegen im Mai um 7,9 %, insbesondere dank der Luftfahrtindustrie. Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 4 % gerechnet. Der Vormonatswert wurde zudem von 0,8 % auf 1,3 % nach oben revidiert.
Die höheren langfristigen US-Zinsen hinterlassen jedoch erste Spuren am Immobilienmarkt. Die Verkäufe neuer Häuser gingen im April um 41.000 auf 622.000 Einheiten zurück. Erwartet worden waren 661.000.
Axios sorgt erneut für Optimismus
Die Devisenmärkte reagierten auf die Konjunkturdaten nahezu gleichgültig. Stattdessen war es einmal mehr das Nachrichtenportal Axios – vielfach als bevorzugter Kommunikationskanal des Weißen Hauses betrachtet –, das die Stimmung anhob und den nötigen Impuls für neue Höchststände bei Nasdaq und S&P 500 lieferte. Beide Indizes erreichten im Tagesverlauf neue Rekordstände von rund 30.250 beziehungsweise 7.565 Punkten.
Axios berichtete, dass inzwischen ein erster Fahrplan für ein mögliches Abkommen auf dem Verhandlungstisch liege. Es fehle lediglich noch die Zustimmung des Bewohners des Weißen Hauses – der angesichts zahlreicher ähnlicher Ankündigungen in der Vergangenheit durchaus als Urheber der Meldung gelten könnte – sowie der iranischen Seite.
Teheran bleibt allerdings skeptisch, nachdem es innerhalb von 48 Stunden zu einem zweiten Zwischenfall mit der US-Marine gekommen war. Am Donnerstagmorgen hatten US-Streitkräfte den Hafen von Bandar Abbas bombardiert.
Ölmarkt deutlich vorsichtiger als die Aktienmärkte
Während Aktien- und Devisenmärkte auf eine Einigung setzen, zeigen sich Rohstoffhändler deutlich zurückhaltender. Der WTI-Preis fiel um 2 % auf 88,26 US-Dollar je Barrel und damit wieder unter die Marke von 90 US-Dollar. Brent verbilligte sich um 0,6 % auf rund 92,30 US-Dollar.
Gleichzeitig werden die Ölpreise weiterhin durch Entwicklungen in Russland gestützt. Moskau steht offenbar kurz davor, ein Exportverbot für Diesel und Kerosin zu verhängen, nachdem ukrainische Langstreckendrohnen rund 25 % der russischen Raffineriekapazitäten außer Betrieb gesetzt haben.
Zwar fördert Russland weiterhin etwa 10 Mio. Barrel Öl pro Tag, kann nach den jüngsten Angriffen aber nur noch rund drei Viertel dieser Menge selbst verarbeiten.





















