Bloomberg brachte die Stimmungslage auf den Punkt: „Trumps Rede trägt wenig dazu bei, die Märkte zu beruhigen, nachdem er im Iran ein aggressiveres Vorgehen angekündigt hat. Vor einem langen Wochenende dürften Anleger kaum bereit sein, ihre Risikopositionen auszubauen.“ Am frühen Morgen in New York lagen die Futures auf den S&P 500 um rund 1,5 Prozent im Minus, die Kontrakte auf den Nasdaq 100 verloren etwa 2 Prozent. Auch die Dow-Futures gaben deutlich nach. Unter Druck standen vor allem Technologiewerte; Aktien wie Apple, Nvidia und Tesla belasteten die Index-Futures. Auch Nebenwerte fielen, während die Börsen in Europa und Asien ebenfalls schwächer tendierten.
Trump sprach gestern erneut davon, den Iran rasch verlassen zu wollen. Zugleich drohte er jedoch mit einem schärferen Vorgehen und signalisierte, dass sich der militärische Druck in den kommenden Wochen noch erhöhen könnte. Die stärkste Marktreaktion zeigt sich heute beim Öl – denn beim Öl wird aus Krieg Ökonomie. Analysten äußern sich inzwischen deutlich besorgter. Société Générale rechnet nun damit, dass Brent in diesem Monat im Durchschnitt bei 125 Dollar liegen wird; Ausschläge bis 150 Dollar seien möglich. ING warnte zudem, dass selbst bei einer Wiederaufnahme der Schifffahrt durch die Straße von Hormus die Rückkehr zur Normalität nur langsam verlaufen würde, weil Produktion, Logistik und Lagerbestände sich nicht über Nacht wieder einpendeln.
Heute ist der letzte Handelstag an den US-Börsen vor Karfreitag. Zwar bleibt die Wall Street morgen geschlossen, der Arbeitsmarktbericht für März wird jedoch trotzdem veröffentlicht. Bloomberg Economics erwartet einen Stellenaufbau von 80.000, geprägt von einer Gegenbewegung nach streikbedingten Verzerrungen, schwacher Beschäftigung im Privatsektor und anhaltendem Gegenwind durch den Stellenabbau im öffentlichen Dienst. Anleger sehen sich damit einer unangenehmen Kombination ausgesetzt: geopolitische Risiken, die sich kaum beziffern lassen, Konjunkturdaten, auf die sie nicht unmittelbar reagieren können, und ein Wochenende, an dem der Nachrichtenfluss sich kaum nach den Börsenzeiten richten dürfte. Dass viele Investoren nun Risiko abbauen, überrascht daher kaum.
Zugleich gibt es durchaus Argumente dafür, dass die USA besser als viele andere Länder in der Lage sind, einen Ölpreisschock abzufedern. Die Vereinigten Staaten sind Nettoexporteur von leichtem, schwefelarmem Rohöl; geopolitische Risiken treffen stark auf den US-Markt ausgerichtete Energiekonzerne weniger hart als viele internationale Wettbewerber; und auch eine durch WTI ausgelöste Inflation könnte sich als vorübergehend erweisen. Moody’s Analytics kommt in der Sache zu einem ähnlichen, allerdings ernüchternderen Schluss: Den USA wird das Öl zwar nicht ausgehen, gegen höhere Kosten sind sie dennoch nicht immun. Sichtbar wird das daran, dass WTI heute um 11 Prozent gestiegen ist und zeitweise sogar über Brent notierte.
Wenn überhaupt, dann hat Trumps Rede gestern genau diese Diskrepanz offengelegt. Er versuchte, den Amerikanern den Krieg als verkraftbar zu verkaufen und die damit verbundenen Kosten als beherrschbar, womöglich sogar nur kurzfristig darzustellen. Zugleich wollte er die Kontrolle über ein Narrativ zurückgewinnen, das ihm mit der Dauer des Konflikts zunehmend entglitt. Politisch mag das nachvollziehbar sein. An den Finanzmärkten jedoch schlug es fehl. Die Anleger hörten keinen Plan zur Deeskalation, sondern die Ankündigung weiterer Volatilität.
Zu den wenigen klaren Gewinnern zählen Energiewerte: Exxon, Chevron und Occidental legten mit dem steigenden Ölpreis zu. Globalstar schießt nach oben, nachdem Berichte aufgekommen sind, wonach Amazon Gespräche über eine Übernahme des Satellitenunternehmens führt – ein Schritt, der Amazon beim Aufbau eines eigenen Netzwerks im niedrigen Erdorbit helfen könnte, um mit Starlink zu konkurrieren. Auch Raumfahrtwerte stoßen auf verstärktes Interesse, nachdem SpaceX vertraulich Unterlagen für einen Börsengang eingereicht haben soll, der zu den größten aller Zeiten zählen könnte.
Zudem gibt es weitere Belastungsfaktoren. Berichten zufolge steht die Trump-Regierung kurz davor, Zölle gegen Arzneimittelhersteller anzukündigen, die sich nicht auf niedrigere Preise in den USA eingelassen haben. Parallel arbeitet sie offenbar an einem gestaffelten Zollsystem für Stahl und Aluminium, das ein Verfahren vereinfachen soll, das Unternehmen seit Monaten frustriert.
Dax rutscht nach starkem Wochenstart deutlich ab – Chipwerte und Zykliker unter Druck
Nach einem kräftigen Wochenauftakt hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag deutlich nachgegeben. Der Dax verlor am Nachmittag 2,3 % auf 22.763 Punkte, nachdem er tags zuvor noch die Marke von 23.000 Punkten übersprungen hatte und in den ersten drei Handelstagen der verkürzten Karwoche um rund 4,5 % gestiegen war. Der MDax fiel um 2,7 % auf 28.416 Zähler, während der EuroStoxx 50 um 2,2 % nachgab.
Besonders stark unter Druck standen Halbleiter- und Technologiewerte. Die Papiere von Infineon sackten um 6,1 % ab, während Aixtron, Suss und PVA Tepla Verluste von bis zu 9,4 % verzeichneten. Die Nervosität der Anleger wächst angesichts möglicher anhaltender Störungen durch den Iran-Krieg. Der Sektor gilt als zinssensibel und reagiert besonders empfindlich auf steigende Energiepreise, die Inflations- und Zinsängste weiter schüren.
Gegen den Trend behaupteten sich die Aktien der Deutsche Börse und stiegen um 0,4 % auf den höchsten Stand seit Ende August. Die hohe Volatilität an den Finanzmärkten sorgt für steigende Handelsaktivitäten und stärkt damit die Perspektiven von Börsenbetreibern. Deutlich schwächer präsentierten sich hingegen Kion mit einem Minus von 7,8 % nach kritischen Signalen zur Geschäftsentwicklung in der Gabelstapler-Sparte. Auch Jungheinrich geriet in Sippenhaft und verlor 5,7 %.
Im Luftfahrtsektor belasteten steigende Ölpreise und eine Analystenabstufung die Lufthansa, deren Aktien um 4,9 % nachgaben. Die Sorge vor dauerhaft höheren Treibstoffkosten infolge des Nahostkonflikts dämpft die Erwartungen. Unter Druck standen zudem Mutares mit einem Minus von 6,7 %, nachdem das Unternehmen im Zuge einer Kapitalerhöhung 1,1 Millionen neue Aktien zu 24,50 Euro bei institutionellen Investoren platziert hatte.
Diese Kolumne legt über das Osterwochenende eine kurze Pause ein und erscheint am Dienstag wieder. Bis dahin – ein schönes langes Wochenende!

























