Frankfurt, 20. Apr (Reuters) - Die erneute Eskalation im Nahen Osten hat der Börsenrally vom Freitag ein abruptes Ende bereitet. Der Dax und der EuroStoxx50 notierten am Montag gegen Mittag jeweils rund 1,5 Prozent tiefer bei 24.364 und 5972 Punkten. Im Minus lagen auch die Futures für die wichtigsten US-Indizes. Zum Schluss der vergangenen Woche hatten die globalen Aktienmärkte nach der vom Iran inzwischen wieder zurückgenommenen Öffnung der Straße von Hormus stark zugelegt. "Es wäre auch zu schön gewesen, wenn sich die Situation im Nahen Osten wie am Freitagnachmittag angekündigt, tatsächlich weiter beruhigt hätte", kommentierte Andreas Lipkow, Chefanalyst des Brokers CMC Partners.
Zugleich bezeichnete er die Reaktion des Dax als "überraschend gedämpft": "Die Investoren scheinen sich langsam an die Situation zu gewöhnen und setzen weiter auf eine baldige Lösung des Konflikts, entweder militärisch oder auf dem diplomatischen Weg." Ob sich dies jedoch tatsächlich so ereignen werde, müsse noch bezweifelt werden. Der Iran stellt für die USA und Israel dem Experten zufolge eine "vollkommen andere Art von Gegner dar als gedacht".
ÖLPREIS SETZT ACHTERBAHNFAHRT FORT
Die Sorge vor einem Scheitern der Feuerpause zwischen den USA und dem Iran ist am Montag wieder gewachsen, nachdem die USA ein iranisches Frachtschiff beschlagnahmten und der Iran mit Vergeltung drohte. Zudem lehnte die Regierung in Teheran eine neue Verhandlungsrunde ab, die Washington vor dem Auslaufen der Feuerpause am Dienstag anstoßen wollte. Die US-Delegation sollte dennoch am Montagabend in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad eintreffen. Im Ringen um eine Fortsetzung der US-iranischen Friedensverhandlungen will US-Präsident Donald Trump Sicherheitskreisen zufolge Ratschläge des Vermittlers Pakistan prüfen. Der Iran hat die Straße von Hormus seit Samstag erneut gesperrt. Die Ölpreise setzten daraufhin ihre Achterbahnfahrt mit einem Plus von rund fünf Prozent fort.
Infolge des Energiepreisschocks stiegen die deutschen Erzeugerpreise, die als Hinweis für die Entwicklung der Verbraucherpreise gelten, im März spürbar im Vergleich zum Vormonat. Die Hersteller gewerblicher Produkte - von Lebensmitteln bis hin zu Industriegütern - verlangten 2,5 Prozent mehr als im Februar, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Es war der höchste Anstieg gegenüber dem Vormonat seit August 2022. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Zuwachs von 1,3 Prozent gerechnet.
ENERGIESEKTOR IM AUFWIND
Die Erwartung höherer Notenbankzinsen infolge der steigenden Inflation stützte den Dollar-Index und belastete Gold. Niedrigere Zinssätze kurbeln die Nachfrage nach Gold an, da es keine Zinsen abwirft, und stützen so den Preis. Die jüngsten Entwicklungen in Nahost hätten "die inzwischen vertraute Dynamik des sogenannten 'War Trade' wiederbelebt, die wir seit Beginn des Konflikts beobachten", sagte Ilya Spivak, Manager beim Finanznetzwerk Tastylive.
Bei den Einzelwerten gerieten Aktien aus energieintensiven Branchen wie Technologie, Transport und Industrie unter Druck. Gefragt waren hingegen Anteilsscheine von Unternehmen, die von der Schließung der Straße von Hormus profitieren. Im Dax rückten RWE und E.ON um rund ein und 2,5 Prozent vor. Zu den Gewinnern zählten auch Spezialisten im Bereich erneuerbarer Energien, etwa Nordex und SMA Solar. Zugleich hievte die Aussicht auf eine geringere Konkurrenz die Papiere des Düngemittelherstellers Verbio um ein Prozent ins Plus.
Im Fokus bei den Unternehmen stand auch die Commerzbank. Das SPD-geführte Bundesfinanzministerium spricht sich weiterhin klar gegen eine Übernahme des Frankfurter Geldhauses durch die italienische UniCredit aus. Die Commerzbank-Titel rückten um rund ein Prozent vor.
(Bericht von Sanne Schimanski. Redigiert von Hans BusemannBei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















