Frankfurt, 06. Mai (Reuters) - Neue Hoffnungen auf ein baldiges Ende des US-Iran-Konflikts sorgen für Aufbruchstimmung an den Börsen. Der Dax notierte am Mittwoch gegen Mittag rund 2,5 Prozent höher bei 25.002 Zählern. Damit eroberte er die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Kriegs. Der EuroStoxx50 gewann ebenfalls rund 2,5 Prozent auf 6008 Zähler. Im Plus lagen auch die Futures für die wichtigsten US-Indizes. "Der Dax dürfte insbesondere von den Aussichten auf potenziell sinkende Energiepreise profitieren", sagte Andreas Lipkow, Chefanalyst des Brokers CMC Markets. Nordsee-Rohöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI weiteten ihre Verluste aus, zuletzt lagen die Preise rund 8,5 und 9,5 Prozent tiefer bei 100,89 und 92,84 Dollar je Fass (159 Liter).
Die USA und der Iran stehen pakistanischen Vermittlerkreisen zufolge kurz vor einer Vereinbarung für ein Kriegsende. Eine Absichtserklärung könne sehr bald zum Abschluss gebracht werden, sagt ein pakistanischer Insider aus dem Umfeld der Vermittlungen. "Wir sind kurz davor", heißt es weiter. Es ist demnach von einem Memorandum im Umfang von einer Seite die Rede. Damit wird ein Bericht des US-Nachrichtenportals Axios bestätigt. Stellungnahmen aus Washington oder Teheran liegen zunächst nicht vor. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor von großen Fortschritten gesprochen und eine vorübergehende Aussetzung des US-Geleitschutzeinsatzes für Handelsschiffe in der Straße von Hormus in Aussicht gestellt.
GOLDPREIS IM HÖHENFLUG
Anleger griffen auch bei Gold zu: Das Edelmetall verteuerte sich um mehr als drei Prozent. "Ein Friedensabkommen, das eine Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus ermöglicht, würde den Inflationsdruck mindern und es der US-Notenbank Federal Reserve ermöglichen, die Zinsen im Jahr 2026 zu senken", erläuterte ActivTrades-Analyst Ricardo Evangelista. Niedrigere Zinssätze kurbeln die Nachfrage nach Gold an, das keine Zinsen abwirft, und stützen so den Preis.
In einem solchen Szenario dürften zudem der Dollar und die Anleiherenditen fallen. Ein solches Szenario könnte es dem Edelmetall ermöglichen, über 5000 Dollar zu steigen und sich bis zum Jahresende der Marke von 5500 Dollar zu nähern, sagte Evangelista. Eine schwächere US-Devise macht in Dollar gehandelte Rohstoffe billiger und stützt damit zusätzlich die Nachfrage. Der Dollar-Index lag am Mittwoch gegen Mittag gut ein halbes Prozent im Minus bei 97,850 Punkten und damit so tief wie seit Anfang März nicht mehr.
BILANZFLUT ALS ZUSÄTZLICHER TREIBER
Bei den Einzelwerten reagierten Anleger auf eine Reihe neu veröffentlichter Geschäftszahlen überwiegend positiv. Unternehmen wie Continental, BMW, HelloFresh, Rational, Lufthansa und Symrise legten nach Vorlage der Ergebnisse zwischen einem und fast acht Prozent zu.
An der Börse in Kopenhagen sorgte Novo Nordisk mit einem Plus von sechs Prozent für Aufsehen: Der dänische Pharmakonzern blickt dank eines starken Verkaufsstarts seiner neuen Abnehmpille optimistischer auf das Gesamtjahr.
In London konnte der Spirituosenkonzern Diageo mit seinen Zahlen bei Anlegern punkten, was die Aktien um gut fünf Prozent ins Plus hievte. Für lange Gesichter sorgten hingegen die Finanzberichte des Informationsdienstleisters Wolters Kluwer und des Lebensmitteleinzelhändlers Ahold Delhaize, die in Amsterdam sechs und 3,5 Prozent einbüßten.
Um ein bis 1,5 Prozent nach unten ging es hingegen für Fresenius, Renk und Hensoldt. Einige Werte, etwa Infineon, Daimler Truck, Zalando und Redcare Pharmacy, begaben sich nach Vorlage der Zahlen auf Richtungssuche.
(Bericht von Sanne Schimanski. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















