Frankfurt, 06. Mai (Reuters) - Eine starke Nachfrage nach Biopharmazeutika und steigende Fallzahlen in seinen Kliniken haben dem Gesundheitskonzern Fresenius zum Jahresauftakt Rückenwind verliehen. "Fresenius ist heute nicht mehr das Fresenius, was es vor dreieinhalb Jahren einmal war", sagte Konzernchef Michael Sen am Mittwoch. Dank des Konzernumbaus sei das Unternehmen heute fokussierter und stärker. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg im ersten Quartal um vier Prozent auf 678 Millionen Euro, blieb damit aber leicht unter den Analystenerwartungen. Der Umsatz legte um zwei Prozent auf 5,74 Milliarden Euro zu, organisch betrug das Plus fünf Prozent. Unter dem Strich kletterte der Gewinn auch dank geringerer Zinsaufwendungen und einer niedrigeren Steuerquote um elf Prozent auf 460 Millionen Euro.

Bei der Klinikkette Helios profitierte der Dax-Konzern neben höheren Behandlungszahlen in Deutschland und Spanien auch von positiven Preiseffekten. In der Arznei- und Medizintechniksparte Kabi glich der erfolgreiche Verkaufsstart von Biotech-Nachahmermedikamenten in den USA und Europa Belastungen aus dem chinesischen Markt mehr als aus. Sen hat Fresenius seit seinem Amtsantritt 2022 tiefgreifend umgebaut und auf diese beiden Kernbereiche ausgerichtet. Der Dialyseanbieter FMC wird seither nur noch als Finanzbeteiligung geführt.

Sen bekräftigte die Jahresziele und sprach von einer "selbstbewussten Bestätigung" der Prognose. Für 2026 rechnet Fresenius unverändert mit einem organischen Umsatzwachstum von vier bis sieben Prozent sowie einem währungsbereinigten Wachstum beim Kernergebnis je Aktie von fünf bis zehn Prozent. Im ersten Quartal legte das Ergebnis je Aktie währungsbereinigt um 13 Prozent auf 0,82 Euro zu.

Die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Kriegs für Fresenius stufte Sen als gering ein. Zwar rechne das Unternehmen mit leicht steigenden Frachtkosten und spüre indirekte Effekte bei rohölbasierten Vorprodukten wie Kunststoffgranulat für Infusionsbeutel. Hier werde Fresenius "nicht immun sein", räumte er ein. Dies lasse sich jedoch abfedern, da der Konzern "genügend Produktivitätsmaßnahmen im Köcher" habe. Energiekosten seien zudem weitgehend abgesichert. Dank einer starken Bilanz sieht Sen das Unternehmen für Zukäufe gerüstet. Neben Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Partnerschaften seien kleinere Übernahmen möglich.

Ein Beispiel sei die am Mittwoch bekanntgegebene strategische Beteiligung am Start-up Avelios Medical. Es handele sich um das erste Venture-Investment des Konzerns überhaupt, sagte Sen. Gemeinsam mit dem Softwarekonzern SAP stecken die Bad Homburger einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in das Unternehmen, das ein cloudbasiertes Krankenhausinformationssystem entwickelt. Die Kliniktochter Helios, die wie alle deutschen Krankenhäuser vor der Einführung neuer IT-Systeme steht, könnte dabei als wichtiger Kunde für die Skalierung der Software dienen. Für weitere Beteiligungen baut Fresenius derzeit einen eigenen Venture-Fonds auf.

(Bericht von Patricia Weiß, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)