Das Pariser Berufungsgericht entschied am Mittwoch, dass Vincent Bolloré und Bolloré SE keine Kontrolle über Vivendi SE ausüben, teilte Vivendi in einer Erklärung mit.

Die Vivendi-Aktie fiel nach dem Urteil zeitweise um bis zu 12%, da damit vorerst die Aussicht auf ein Pflichtübernahmeangebot von Bolloré entfällt - und damit eine Offerte, die Analysten auf 6 Mrd. bis 9 Mrd. EUR (10,3 Mrd. USD) geschätzt hatten.

Nach dem Urteil des Kassationsgerichts im November wies das Gericht das Argument zurück, der persönliche Einfluss von Vincent Bolloré als prominente Persönlichkeit müsse als Kontrolle gelten, da der verbleibende Aktionärskreis von Vivendi stark zersplittert sei. Damit wurden die Kriterien für Pflichtangebote auf die tatsächlich ausgeübten Stimmrechte verengt.

Ein früheres Berufungsgericht hatte Bolloré verpflichtet, ein Pflichtangebot für Vivendi abzugeben. Frankreichs oberstes Zivilgericht hob diese Entscheidung im November auf und verwies den Fall an das Pariser Berufungsgericht zurück.

CIAM erklärte, es bedauere das Urteil 'zutiefst' und argumentierte, es schwäche den Schutz von Minderheitsaktionären und sende ein beunruhigendes Signal an europäische und internationale Investoren hinsichtlich der Governance-Standards französischer börsennotierter Unternehmen.

Der Streit geht auf die Aufspaltung von Vivendi im Jahr 2024 zurück. Der Minderheitsinvestor CIAM argumentierte, die Umstrukturierung habe den Zugriff der Familie Bolloré auf den Konzern gestärkt, obwohl Bolloré SE 29,9% der Aktien hält - knapp unter der in Frankreich geltenden Schwelle von 30%, die ein Pflichtübernahmeangebot auslöst.

(1 USD = 0,8761 EUR)