Frankreich bald teurer als Italien?
Nach Spanien, Portugal und Griechenland dürfte bald auch Frankreich höhere Zinsen zahlen als Italien – eine bemerkenswerte Umkehr der Verhältnisse. Der Abstand (Spread) zwischen französischen und italienischen 10-jährigen Staatsanleihen ist inzwischen auf wenige Basispunkte geschrumpft. Lange Zeit galt Frankreichs politische Stabilität als sicherer Hafen – im Gegensatz zu Italiens notorischer Regierungsrotation. Doch mittlerweile sitzt Giorgia Meloni bereits seit drei Jahren fest im Sattel, während Frankreich mit Lecornu nun den fünften Premierminister in ebenso vielen Jahren vorweist.
Dennoch: Im Vergleich zu Deutschland hält sich der Spread in Grenzen. Zwar wurde die Marke von 80 Basispunkten erneut überschritten, doch der aktuelle Höchststand bleibt unter den 83 Basispunkten von der Auflösung der Nationalversammlung sowie den 88 Punkten, die nach dem Sturz Michel Barniers im Dezember erreicht wurden. Der Markt scheint sich an das typisch französische Polit-Drama gewöhnt zu haben – ein wenig Chaos gehört offenbar inzwischen zum System.
Zinsen steigen, aber kein Kontrollverlust
Trotz Haushaltsblockade und einem Defizit von über 5 % sind die französischen Zinsen nicht völlig aus dem Ruder gelaufen. Die Tendenz ist jedoch eindeutig: Der Anstieg der Zinsen erschwert die ohnehin angespannte Haushaltslage weiter. Die jährlichen Zinszahlungen haben sich binnen fünf Jahren verdoppelt – 2025 dürften sie stolze 55 Milliarden Euro erreichen.
Bald ein weiteres Downgrade?
Alle Augen richten sich nun auf Fitch Ratings, das am Freitagabend Frankreichs Bonitätsnote überprüft. Derzeit liegt das Rating bei AA- mit negativem Ausblick – ein Downgrade auf A+ wäre zwar immer noch sieben Stufen über dem Ramschniveau, aber das niedrigste Rating unter den großen europäischen Ländern.
Auch Moody’s und S&P Global dürften sich im Oktober bzw. November zu Wort melden – wobei Moody’s Frankreich bereits nach dem Rücktritt der Regierung Barnier im vergangenen Jahr herabgestuft hatte.
Warum der Markt trotzdem ruhig bleibt
Doch die Bedeutung solcher Ratingabwertungen ist zu relativieren. Die Märkte reagieren darauf oft mit einem müden Achselzucken. Warum? Weil Ratingagenturen in gewisser Weise der Realität hinterherlaufen – der Markt hat längst vorgearbeitet.
Genau das zeigt sich aktuell: Frankreich zahlt bereits heute höhere Zinsen als Länder wie Spanien, Portugal oder Griechenland – obwohl deren Ratings zum Teil mehrere Noten unter Frankreichs liegen. Mit anderen Worten: Der Markt behandelt Frankreich längst nicht mehr wie ein AA-Land, sondern eher wie ein Sorgenkind mit gehobenem Mittelmaß.




















