Europäische Fluggesellschaften haben die Europäische Union aufgefordert, mit Notfallmaßnahmen auf die Auswirkungen des Iran-Krieges zu reagieren. Wie aus einem Reuters vorliegenden Dokument hervorgeht, belasten weitraumige Luftraumsperrungen und wachsende Sorgen über Versorgungsengpässe bei Flugkraftstoffen die Branche erheblich.

Der Branchenverband Airlines for Europe (A4E) hat die EU ersucht, ein Bündel an Krisenreaktionsmaßnahmen einzuleiten. Dazu gehören eine Überwachung der Kerosinvorräte auf EU-Ebene, die vorübergehende Aussetzung des EU-Emissionshandels für die Luftfahrt sowie die Abschaffung bestimmter Luftverkehrsteuern, so das Dokument.

Der Luftfahrtsektor ist seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar von Luftraumsperrungen betroffen. Die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit (EASA) hat europäischen Fluggesellschaften den Betrieb im Luftraum mehrerer Golfstaaten, darunter die VAE und Katar, bis zum 24. April untersagt.

Zudem droht dem Sektor nach der Schließung der Straße von Hormus ein Kerosinmangel. In der vergangenen Woche warnte der Flughafenverband Airports Council International Europe (ACI), dass Europa in drei Wochen vor einer systemischen Knappheit bei Flugkraftstoffen stehen könnte.

Das A4E-Dokument drängt Brüssel dazu, einen gemeinsamen EU-Einkauf von Kerosin in Betracht zu ziehen.

Die EU hatte bereits den gemeinsamen Erwerb von Erdgas eingeführt, um die Versorgung zu sichern, nachdem Russland 2022 die Gaslieferungen nach Europa gedrosselt hatte. Dieses Modell wurde jedoch bislang nicht auf Öl oder Kerosin angewandt.

A4E, zu deren Mitgliedern Lufthansa, Air France-KLM und easyJet zählen, forderte die EU zudem auf, die gesetzliche Verpflichtung der Mitgliedstaaten zur Vorhaltung von 90-Tage-Notfallreserven für Öl anzupassen, da diese derzeit keine spezifischen Vorgaben für Flugkraftstoffe enthält.

In dem Dokument wird zudem um Klärung bestehender Rechtsvorschriften gebeten. Insbesondere soll bestätigt werden, dass Luftraumsperrungen aufgrund von Konflikten und die daraus resultierenden betrieblichen Auswirkungen als gerechtfertigte Nichtnutzung von Zeitnischen (Slots) anerkannt werden.

Die Europäische Kommission hat angekündigt, am 22. April ein Maßnahmenpaket vorzulegen, um die Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Energiemärkte abzufedern. Ob dieses Paket spezifische Maßnahmen für Kerosin enthalten wird, wurde bislang nicht bestätigt.