Als größte italienische Bank vor UniCredit hat Intesa Sanpaolo Banco BPM nun herausgefordert und ein Übernahmeangebot für MPS vorgelegt. Das Angebot bewertet die älteste Bank der Welt mit 10,1 Euro je Aktie und soll zu 90 % in Form von Intesa-Aktien sowie zu 10 % in bar finanziert werden.

Für Intesa erscheint die Nutzung eigener Aktien als Akquisitionswährung naheliegend. Die Bank wird derzeit mit dem 1,5-Fachen ihres Buchwerts bewertet – dem höchsten Niveau seit der Euphoriephase vor dem Platzen der Subprime-Blase im Jahr 2008.

Mit diesem Vorstoß durchkreuzt Intesa die Pläne von Banco BPM. Die drittgrößte italienische Bank hatte MPS bislang eine Fusion unter Gleichen vorgeschlagen. Gleichzeitig krönt das Angebot eine außergewöhnlich erfolgreiche Dreijahresphase für Intesa, die inzwischen zu den profitabelsten Banken Europas zählt.

Allerdings hat auch Banco BPM eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. Nach den schwierigen Jahren infolge der Finanzkrise gelang dem Institut die Rückkehr zu nachhaltiger Profitabilität. Die Bank wird inzwischen mit dem 1,3-Fachen ihres Buchwerts bewertet.

Dennoch wirkt das Angebot von Intesa strategisch überzeugender. Der Konzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Gewinn, der mehr als viermal so hoch ausfiel wie jener von Banco BPM. Eine Fusion mit Monte dei Paschi di Siena würde zudem den zweitgrößten Kreditgeber Europas hervorbringen – auf Augenhöhe mit BNP Paribas.

Hinter den Kulissen dürfte jedoch vor allem eine Beteiligung über den Ausgang der Transaktion entscheiden: Seit der Übernahme von Mediobanca hält MPS rund 13 % am Versicherungsriesen Generali.

Für Intesa eröffnet sich damit die Möglichkeit, ihre Position im Versicherungsgeschäft erheblich auszubauen. Zugleich trifft dieser Ansatz den Nerv der italienischen Regierung, die sich wiederholt gegen eine ausländische Kontrolle von Generali ausgesprochen hat.

Das macht die Situation für Banco BPM komplizierter. Größter Aktionär der Bank ist die französische Crédit Agricole. In Rom wird die Vorstellung, dass eine strategisch wichtige Beteiligung an Generali letztlich unter den Einfluss des französischen Instituts geraten könnte, mit erheblichem Unbehagen betrachtet.

In diesem Zusammenhang erinnert man sich auch daran, dass die italienische Regierung bereits eine engere Zusammenarbeit zwischen den Vermögensverwaltungssparten von Generali und Natixis kritisch gesehen hatte.

Monte dei Paschi di Siena selbst hat einen bemerkenswerten Weg hinter sich. Nach den schweren Verwerfungen der Jahre 2008 bis 2012 musste die Bank vom italienischen Staat gerettet werden. Nachdem Rom seine Beteiligung 2024 veräußert hatte, startete MPS unmittelbar einen Angriff auf Mediobanca und stieg damit zur viertgrößten Bank Italiens auf.

Seit Monaten ist das Institut Schauplatz intensiver Machtkämpfe. Der charismatische Vorstandsvorsitzende Luigi Lovaglio, der lange als Gegner einer Übernahme galt, wurde Anfang des Jahres entlassen. Nach einer überraschenden Wende kehrte er jedoch im April an die Spitze zurück – nicht zuletzt dank der Unterstützung von Delfin, der Holding der Familie Del Vecchio.

Während UniCredit weiterhin die Übernahme der deutschen Commerzbank vorantreibt und Intesa nun ihre Dominanz auf dem italienischen Heimatmarkt ausbauen sowie gleichzeitig ihr Versicherungsgeschäft stärken will, präsentiert sich der italienische Bankensektor so dynamisch wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die aktuelle Konsolidierungswelle erinnert dabei nicht wenige Beobachter an die expansive Stimmung des Jahres 2007.