Fitch Ratings hat am Freitag den Ausblick für Ungarns Kreditwürdigkeit auf ,,negativ" herabgestuft. Als Begründung nannte die Agentur eine schlechtere Entwicklung der öffentlichen Finanzen infolge fiskalischer Lockerungen im Vorfeld der Parlamentswahl 2026 sowie das Risiko weiterer Maßnahmen.

Dieser Schritt war weithin erwartet worden, da es weiterhin an Fortschritten bei der Freigabe von Milliarden Euro an EU-Mitteln mangelt. Ungarn befindet sich bereits im dritten Jahr wirtschaftlicher Stagnation, während Ministerpräsident Viktor Orbán vor einer voraussichtlich hart umkämpften Wahl zusätzliche Ausgaben tätigt.

Die Herabstufung des Ausblicks von ,,stabil" auf ,,negativ" signalisiert die Sorge, dass die Ausgaben vor der Wahl Ungarns Haushaltsprobleme verschärfen und eine Erholung nach der Abstimmung erschweren könnten.

Dennoch bestätigte Fitch das Kreditrating Ungarns mit ,,BBB". Das Wirtschaftsministerium bezeichnete dies als ,,bedeutenden Erfolg" angesichts einer Welle von Herabstufungen in ganz Europa im vergangenen Jahr.

Orbán, der seit 2010 an der Macht ist, hat nach einem inflationsbedingten Wirtschaftsabschwung infolge der russischen Invasion in der Ukraine 2022 Schwierigkeiten, die Wirtschaft wiederzubeleben. Dies belastet die ungarischen Staatsfinanzen.

STAATSVERSCHULDUNG STEIGT BIS 2027 AUF 74,6 % - ÜBER DEM NIVEAU VERGLEICHBARER LÄNDER

Laut Fitch werden sich die Gesamtkosten der fiskalischen Lockerungsmaßnahmen im kommenden Jahr auf 2,1 % der Wirtschaftsleistung erhöhen. Ungarns Schuldenstand - der höchste in der Europäischen Union außerhalb der Eurozone - wird bis 2027 auf 74,6 % des Bruttoinlandsprodukts ansteigen und damit über dem Niveau von Ländern mit vergleichbarem Rating liegen.

,,Häufige Anpassungen der Regierungsziele haben die Vorhersehbarkeit der Politik geschwächt und die fiskalischen Risiken erhöht", erklärte Fitch.

Für das kommende Jahr prognostiziert Fitch ein Haushaltsdefizit von 5,6 % der Wirtschaftsleistung, was über dem Regierungsziel von 5 % liegt.

Fitch sieht das Risiko, dass politische Erwägungen nach der Wahl den Spielraum zur Steigerung der Einnahmen oder zur Reduzierung großzügiger Sozialleistungen einschränken könnten.

Bereits im April hatte S&P Global den Ausblick für Ungarn auf negativ gesetzt und auf steigende Risiken für die fiskalische und externe Stabilität in den kommenden zwei Jahren hingewiesen.

Laut Fitch könnte das Fehlen einer glaubwürdigen Strategie zur Haushaltskonsolidierung oder anhaltend schwaches Wirtschaftswachstum aufgrund geringerer ausländischer Direktinvestitionen zu einer Herabstufung führen.

Eine schnellere als erwartete Haushaltskonsolidierung oder Reformen, die die mittelfristigen Wachstumsaussichten verbessern, könnten hingegen zu einer positiven Ratingmaßnahme führen, so Fitch.