Fiserv, ein Anbieter der zentralen „Infrastruktur“ für die Zahlungsabwicklung von Banken, galt lange als Liebling der Investoren. In diesem widerstandsfähigen und profitablen Marktsegment agierte das Unternehmen in einer Art Oligopol gemeinsam mit FIS und Jack Henry.

Mit der Übernahme von First Data im Jahr 2019 hatte sich Fiserv in Richtung Zahlungsdienste für Händler diversifiziert. Neben dem angestammten Kerngeschäft entwickelte sich dieser zweite Bereich rasch zu einem gleichwertigen Standbein, das schließlich rund die Hälfte des konsolidierten Umsatzes ausmachte.

Fiserv war über Jahre hinweg ein strukturell wachsendes und hochprofitables Unternehmen – der Umsatz hatte sich seit 2010 verfünffacht, der Gewinn sogar versechsfacht. Entsprechend wurde die Aktie mit einer echten Premium-Bewertung gehandelt, deren untere Grenze bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von dreißig lag.

Doch nun kam es zu einer radikalen Änderung in der Wahrnehmung der Investoren, ausgelöst durch eine Anpassung der Erwartungen sowie durch Betrugsvorwürfe, die auf das Management unter dem früheren CEO Frank Bisignano zurückgehen. Dieser war von der Trump-Administration abgeworben worden, um gleichzeitig die Sozialversicherung und die Steuerbehörde zu leiten.

Die Aktie von Fiserv befindet sich nun im freien Fall und hat sich innerhalb weniger Monate auf ein Viertel ihres Wertes reduziert. Ist diese Reaktion übertrieben?

Möglicherweise. Über die letzten fünfzehn Jahre hat Fiserv 29 Milliarden Dollar an Cash-Gewinnen beziehungsweise Free Cashflow erwirtschaftet, die fast vollständig über Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurückgeflossen sind. Parallel dazu wurden, meist über Fremdfinanzierung, 17 Milliarden Dollar in Akquisitionen investiert – vor allem in die Übernahme von First Data.

Selbst nach der Korrektur der Wachstumsperspektiven dürfte Fiserv in der Lage bleiben, jährlich mindestens fünf Milliarden Dollar an Free Cashflow zu generieren. Die aktuelle Marktkapitalisierung entspricht damit nur dem Siebenfachen dieses Betrags, der Unternehmenswert (inklusive Schulden) liegt beim Dreizehnfachen.

Der Handlungsdruck ist groß: Das Management wurde komplett ausgetauscht und durch eine neue Mannschaft von ausgewiesenen Branchenveteranen ersetzt – darunter ein ehemaliger Präsident von PNC, ein Zahlungsverkehrsleiter von JPMorgan und der frühere Finanzchef von Stripe. Sie sollen nun für Ordnung sorgen.

Die neuen Verantwortlichen haben in den vergangenen Wochen persönlich Aktien am Markt erworben, ebenso wie mehrere bekannte Investmentfonds. Zwar dürfte Fiserv seine rechtlichen Auseinandersetzungen mit Kunden wohl beilegen müssen, doch es erscheint unwahrscheinlich, dass dies mehr als ein oder zwei Jahresgewinne kosten wird.

In vielerlei Hinsicht erinnert die Situation an den viel beachteten Fall von UnitedHealth Group.