Bevor man über die New York Stock Exchange oder die Börse von Tokio spricht, lohnt es sich zunächst zu verstehen, was ein Börsenplatz überhaupt ist.

Ein Börsenplatz ist ein organisierter Markt, auf dem Aktien, Anleihen, ETFs und andere Finanzinstrumente gehandelt werden. Seine Aufgabe besteht darin, börsennotierten Unternehmen den Zugang zu Investoren zu ermöglichen und Anlegern den Kauf und Verkauf von Wertpapieren zu erleichtern.

Historisch waren die großen Börsenplätze eng mit physischen Handelsorten verbunden: dem Parkett der New York Stock Exchange, der Pariser Börse, der Londoner City oder der Börse von Tokio. Der Handel erfolgte im sogenannten Parketthandel direkt zwischen den vor Ort anwesenden Brokern.

Heute wird der überwiegende Teil der Transaktionen elektronisch abgewickelt. Historische europäische Börsengebäude existieren zwar weiterhin, doch der Aktienhandel findet dort längst nicht mehr wie früher statt. Ähnlich verhält es sich mit der Wall Street: Der Begriff steht heute für den gesamten US-Finanzmarkt, während die Wertpapiere an der NYSE, an der Nasdaq, auf anderen Handelsplattformen oder außerbörslich (OTC) gehandelt werden.

Mit anderen Worten: Ein Börsenplatz ist heute weit mehr als ein physischer Ort. Er ist vor allem eine Marktinfrastruktur mit Regeln, elektronischen Plattformen, Marktbetreibern und Institutionen, die den Handel organisieren, die Liquidität überwachen und für Transparenz sorgen.

Weltweit gibt es mehr als 60 Börsenplätze. Sie unterscheiden sich jedoch erheblich hinsichtlich Größe und Einfluss. Einige dominieren aufgrund ihrer Marktkapitalisierung, andere durch ihr Handelsvolumen oder ihre regionale Bedeutung.

In diesem Beitrag basiert das Ranking auf den Aktienmärkten und der kumulierten Börsenkapitalisierung der jeweiligen Länder.

Die erdrückende Dominanz der USA

Mit einer kumulierten Börsenkapitalisierung von mehr als 83.000 Mrd. US-Dollar dominieren die Vereinigten Staaten die globalen Aktienmärkte mit großem Abstand. Sie vereinen allein 49,2 % der weltweiten Marktkapitalisierung auf sich und repräsentieren damit nahezu die Hälfte des globalen Aktienmarktes.

Der US-Markt, gemeinhin als Wall Street bezeichnet, stützt sich vor allem auf zwei Schwergewichte: die New York Stock Exchange (NYSE) und die Nasdaq. Die NYSE ist die traditionsreiche US-Börse und Heimat vieler etablierter Großunternehmen aus den Bereichen Banken, Industrie, Energie und Konsum.

Die Nasdaq steht dagegen für Technologie und Wachstum. Sie wurde 1971 gegründet und war die erste große vollelektronische Börse der Welt. Heute ist sie die Heimat zahlreicher Technologie-, Biotechnologie- und Innovationsunternehmen wie Apple, Microsoft, Alphabet oder Nvidia.

Die Dominanz der USA erklärt sich durch die enorme Markttiefe, die hohe Liquidität, die Rolle des US-Dollar sowie das Gewicht der großen Technologiekonzerne. Die Vereinigten Staaten verfügen nicht nur über eine große Zahl börsennotierter Unternehmen (11.274), sondern vor allem über außergewöhnlich große Konzerne mit einer durchschnittlichen Marktkapitalisierung von 7 Mrd. US-Dollar je Unternehmen.

Festlandchina – der andere Börsenriese

China belegt mit einer kumulierten Börsenkapitalisierung von 15.000 Mrd. US-Dollar den zweiten Platz im Ranking. Hongkong ist dabei nicht berücksichtigt und wird später gesondert betrachtet. Trotz dieser Größe liegt China weiterhin deutlich hinter den USA zurück; die Marktkapitalisierung ist mehr als fünfmal kleiner als die des amerikanischen Marktes.

Der chinesische Aktienmarkt stützt sich vor allem auf die Börsen von Shanghai (SSE) und Shenzhen (SZSE).

Shanghai ist stärker von großen chinesischen Unternehmen geprägt, insbesondere aus dem Finanz-, Industrie- und Staatssektor. Kennzeichnend sind die in Renminbi notierten A-Aktien sowie die in Fremdwährungen gehandelten B-Aktien, die die schrittweise Öffnung des chinesischen Kapitalmarktes für internationale Investoren widerspiegeln.

Shenzhen konzentriert sich stärker auf innovative Wachstumsunternehmen und kleinere Firmen. Das dortige Marktsegment ChiNext wird häufig als chinesisches Pendant zur Nasdaq bezeichnet, da dort vor allem technologieorientierte und risikoreichere Unternehmen gelistet sind.

Trotz des hohen Gesamtgewichts sind Chinas Binnenmärkte deutlich schwerer zugänglich als die US-amerikanischen oder andere westliche Börsenplätze. Deshalb lassen sich die 15.000 Mrd. US-Dollar Festlandchinas nur eingeschränkt mit den 4.260 Mrd. US-Dollar des Vereinigten Königreichs vergleichen.

Japan als dritte Säule

Japan rangiert mit einer kumulierten Börsenkapitalisierung von 8.520 Mrd. US-Dollar auf dem dritten Platz. Wichtigster Finanzplatz des Landes ist die Japan Exchange Group (JPX), die unter anderem die Tokioter Börse betreibt.

Obwohl der japanische Aktienmarkt lange Zeit mit dem Platzen der Vermögenspreisblase Ende der 1980er Jahre assoziiert wurde, zählt er weiterhin zu den tragenden Säulen der globalen Kapitalmärkte. Unternehmen wie Toyota, Sony, Nintendo, Fast Retailing oder Mitsubishi UFJ verdeutlichen die industrielle, technologische und finanzielle Stärke des Landes.

Asien jenseits von China und Japan

Mehrere asiatische Märkte nehmen ebenfalls Spitzenpositionen im Ranking ein. Hongkong liegt mit 7.310 Mrd. US-Dollar auf Rang vier, Taiwan mit 5.240 Mrd. US-Dollar auf Rang fünf, Südkorea mit 5.020 Mrd. US-Dollar auf Rang sechs und Indien mit 4.900 Mrd. US-Dollar auf Rang sieben.

Hongkong dient über die Hong Kong Stock Exchange als Brücke zwischen chinesischen Unternehmen und internationalem Kapital, insbesondere durch die sogenannten Stock-Connect-Programme mit Shanghai und Shenzhen. Für ausländische Investoren bleibt die Sonderverwaltungsregion damit ein zentraler Zugang zum chinesischen Markt.

Die starke Stellung Taiwans ist vor allem auf seine Halbleiterindustrie zurückzuführen.

Südkoreas Kapitalmarkt, vertreten durch die Korea Exchange (KRX), wird von großen Industrie- und Technologiekonzernen geprägt.

Indien, dessen Aktienmarkt vor allem durch die Bombay Stock Exchange (BSE) und die National Stock Exchange (NSE) repräsentiert wird, zeichnet sich insbesondere durch die hohe Zahl börsennotierter Unternehmen aus: 5.649 Gesellschaften und damit mehr als in China.

Europa

Das Vereinigte Königreich belegt mit einer Börsenkapitalisierung von rund 4.260 Mrd. US-Dollar Rang acht. Frankreich folgt auf Platz zehn mit 3.530 Mrd. US-Dollar vor Deutschland auf Rang elf mit 3.050 Mrd. US-Dollar.

Die London Stock Exchange (LSE) ist ein historischer Finanzplatz, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1698 zurückreichen. Lange Zeit war London die wichtigste Börse der Welt, bevor New York nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die Führungsrolle übernahm. Bis heute besitzt London eine bedeutende internationale Stellung, insbesondere in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Rohstoffe und globale Großunternehmen.

Deutschland wiederum wird maßgeblich von der Frankfurter Börse geprägt, die von der Deutschen Börse betrieben wird. Sie spiegelt die industrielle und technologische Stärke des Landes wider – mit Unternehmen wie SAP, Siemens, Allianz oder Deutsche Telekom.

Frankreich stützt sich vor allem auf die Pariser Börse, die Teil der Euronext-Gruppe ist – einem der wichtigsten Börsenbetreiber Europas. Euronext betreibt zudem regulierte Märkte in Amsterdam, Brüssel, Dublin, Lissabon, Mailand und Oslo. In Paris sind unter anderem die Schwergewichte des CAC 40 wie LVMH, TotalEnergies, Sanofi oder Schneider Electric notiert.

Was dieses Ranking verrät

Dieses Ranking misst nicht nur die Größe der Finanzmärkte, sondern zeichnet zugleich ein Bild der globalen wirtschaftlichen Machtverhältnisse.

Für Investoren ist diese geografische Verteilung von großer Bedeutung. Ob man in amerikanische, japanische, chinesische oder europäische Aktien investiert, macht einen Unterschied. Währungen, Liquidität und die dominierenden Wirtschaftssektoren variieren von Markt zu Markt.

An der Börse ist der Handelsplatz niemals ein bloßes Detail. Er verrät viel über das Unternehmen, seinen Heimatmarkt und die Investoren, die es anziehen möchte.