Der italienische Marktführer für Verbund- und maßgefertigte Yachten hat jüngst ein Börsenhoch markiert. Ferretti ist spezialisiert auf große Luxusschiffe: Zwar entfallen 39 % der Umsätze auf Yachten unter 30 Metern Länge, doch die stärkste Nachfrage verzeichnen Boote über 30 Meter (40 %) sowie Superyachten (15 %). Europa bleibt mit 44 % des Umsatzes der wichtigste Absatzmarkt – allerdings mit einem Rückgang von 9 % gegenüber dem Vorjahr. Es folgt die Region MEA (Naher Osten und Afrika), die um 38 % zulegte und inzwischen 30 % der Erlöse ausmacht. Die Amerikas steuern 24 % bei.

Im Jahr 2025 stiegen die Erlöse um 5 %, getragen vor allem von maßgefertigten Yachten (+46,7 %) sowie dem Superyacht-Segment. Das Unternehmen weist eine robuste Finanzlage auf, mit seit 2018 kontinuierlich steigenden EBITDA-Margen – von 12 % auf 16,5 % im Jahr 2025.

Die Umsätze wachsen seit mehr als zehn Jahren stabil und belegen die Fähigkeit des Konzerns, die Zyklen in einem historisch volatilen Sektor abzufedern. Dank dieser Kontinuität ist Ferretti heute das börsenwertstärkste Unternehmen seiner Branche, mit einer Marktkapitalisierung von 1,55 Milliarden Euro. Die Aktie legte binnen zwölf Monaten um 30 % zu, während der direkte Wettbewerber Sanlorenzo 2 % verlor. Andere Akteure wie Catana Group oder Bénéteau befinden sich im freien Fall.

Eine klare Positionierung im Prestige-Segment

Die strategische Fokussierung auf das Ultra-High-End-Segment hat die Widerstandsfähigkeit Ferrettis in einem schwierigen Marktumfeld gestärkt. Der Konzern gewinnt Marktanteile hinzu und spricht neue Kundengruppen an – darunter eine Welle von Millionären aus der Tech- und Krypto-Szene, die nach Differenzierung suchen. Der Wachstumsmotor ist längst nicht mehr die klassische Freizeitschifffahrt, sondern die globale Ultra-Vermögenselite. In einem Umfeld, in dem das „aspirationale“ Yachting-Segment schwächelt, setzt Ferretti auf Kunden, die weniger konjunkturabhängig sind und deren Kaufentscheidungen stärker von der Entwicklung ihrer Vermögenswerte als von Leitzinsen abhängen.

Ein Machtkampf knapp unter 30 %

Seit 2012 ist der chinesische Konzern Weichai Mehrheitsaktionär und hält rund 75 % an Ferretti International Holding. Die Börsengänge in Hongkong (2022) und Italien (2023) dienten der Kapitalaufnahme zur Modernisierung des Unternehmens. Seit 2023 hat sich die tschechische Gruppe KKCG beteiligt und ihren Anteil bis Dezember 2025 auf 14,5 % ausgebaut. Nun liegt ein Teilangebot vor, um auf 29,9 % aufzustocken – und damit unter der Schwelle von 30 % zu bleiben, ab der in Italien ein Pflichtangebot ausgelöst würde.

Weichai unterstützt das Angebot nicht, zumal es Berichten zufolge Spannungen mit CEO Alberto Galassi gibt. KKCG hat bislang nicht angekündigt, in die Entscheidungen des Verwaltungsrats eingreifen zu wollen. Gleichwohl mahnt UBS in einer aktuellen Analyse zur Vorsicht: Sollten sich die Spannungen zwischen den Aktionären verschärfen, könnte die italienische „Golden Power“-Regelung zum Schutz strategischer Interessen greifen – wie jüngst im Fall Pirelli.

Diese kapitalmarktseitige Unruhe trifft auf solide Fundamentaldaten: ein dynamischer Auftragsbestand und erwartete Ergebnissteigerungen nähren sowohl Optimismus als auch Fragen zur Kapitalallokation im Rahmen eines regulatorisch anspruchsvollen italienischen Umfelds.

Hohe Erwartungen an den Branchenführer

Die dominante Marktstellung Ferrettis geht mit hohen Erwartungen einher. Die Bewertung liegt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,68 über dem historischen Durchschnitt. Der Start ins Jahr 2026 verläuft solide, wenngleich US-Zölle zu Verzögerungen bei einzelnen Aufträgen führen.

Ferretti folgt nicht länger dem Takt industrieller Zyklen, sondern dem Rhythmus globaler Vermögensentwicklungen. Die Stärke des Auftragsbestands und die konsequente Umsetzung der Ultra-Luxus-Strategie sind entscheidend, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen. Angesichts des Ringens um weitere Anteile bleibt die Aktie trotz des ambitionierten Bewertungsniveaus begehrt. Die Hauptversammlung am 25. Mai sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse am 13. Februar dürften dem Investmentcase zusätzliche Konturen verleihen.