Im Gespräch mit der Schweizer Neuen Zürcher Zeitung betonte Kocher, dass es trotz der durch den Iran-Konflikt getriebenen Energiepreise wenig sinnvoll sei, den nächsten Schritt der EZB bereits Wochen vor der Ratssitzung am 11. Juni vorwegzunehmen.
'Sollte sich die Lage jedoch nicht signifikant verbessern, wird an einer Zinsanpassung in naher Zukunft kein Weg vorbeiführen', sagte er auf die Frage, ob er die Markterwartungen einer Zinserhöhung im Juni teile.
Während es vertretbar gewesen sei, dass die EZB im April von einer Zinserhöhung abgesehen habe, dürfe man mit einer Straffung der Geldpolitik nicht zu lange warten, falls sich die Energiepreise nicht rasch und deutlich stabilisieren, so Kocher weiter.
Angesprochen auf potenzielle Zweitrundeneffekte infolge des von den USA angeführten Konflikts mit dem Iran, erklärte er, dass es in Europa seit Kriegsbeginn bisher nur wenige Lohnverhandlungen gegeben habe.
'Klar ist: Wenn der Krieg andauert und die Energiepreise hoch bleiben, steigt das Risiko von Zweitrundeneffekten', so der österreichische Notenbankchef.
Dennoch könnten sich die Auswirkungen von dem Inflationsschub der Jahre 2021-22 unterscheiden, da die Nachfrage derzeit schwächer ausgeprägt sei, fügte Kocher hinzu.
Auf die Frage, ob Europa eine Stagflation drohe, sagte Kocher, dass die Erholung in Deutschland und Österreich durch den Nahost-Konflikt gefährdet sei, während die Inflationsrisiken zugenommen hätten.
'Das Risiko einer stagflationären Entwicklung kann daher nicht ausgeschlossen werden, auch wenn sich die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt weiterhin resilient zeigen', sagte er. 'Entscheidend wird sein, wie lange der Konflikt anhält.'
























