Die Europäische Zentralbank muss bei einer vorsorglichen Anpassung ihrer Politik zur Eindämmung von Unsicherheiten vorsichtig sein, erklärte der österreichische Notenbankchef Martin Kocher in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem deutschen Medienhaus Platow.

Die geopolitische Unsicherheit hat sich in diesem Monat deutlich erhöht, unter anderem durch Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump, Grönland übernehmen zu wollen und Strafzölle gegen Staaten zu verhängen, die seinem Plan nicht folgen.

Kocher betonte jedoch, dass er vorsichtig handeln würde, bevor Risiken tatsächlich eintreten, insbesondere wenn das Inflationsrisiko nicht eindeutig in eine bestimmte Richtung tendiere.

"Ich wäre vorsichtig", sagte Kocher. "Einige Risiken kann man im Voraus adressieren, viele aber nicht, da man sich sonst zu früh auf einen Kurs festlegt und die Kommunikation schwierig wird."

Er fügte hinzu, dass sich die Risiken in den vergangenen sechs Monaten "leicht ins Positive verschoben" hätten, mit etwas stärkeren Wachstumserwartungen für die Eurozone und stabilen Finanzmärkten.

"Jetzt haben wir wieder neue Entwicklungen, aber ich würde die Ausgangssituation nicht innerhalb einer Woche umdeuten", so Kocher weiter.

Die Märkte erwarten derzeit keine Maßnahmen der EZB und rechnen mit stabilen Zinssätzen bis ins Jahr 2026.